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Brigitte Bertelmann

Kirchen sollen öffentliche Daseinsvorsorge verteidigen

MaleWitch/istockphoto.comFiguren stehen um einen Stapel Münzen herum"Es ist nicht realistisch zu glauben, Kirchen könnten einfach mehr zuschießen", sagt die Volkswirtin Brigitte Bertelmann.

Die großen Kirchen sollten sich nach Überzeugung der Mainzer Volkswirtin Brigitte Bertelmann stärker gegen die fortschreitende Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge engagieren. Die Macht, in der Sozialbranche Regeln zu setzen, hätten die kirchlichen Wohlfahrtsverbände bereits eingebüßt, sagte die Wirtschaftspolitik-Referentin der EKHN in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst.

ZGVPortraitDr. Brigitte Bertelmann, Referentin für Ökonomie im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN

Auch finanzstarke Kirchen wie die EKHN hätten keine Möglichkeit, den Anbietern sozialer Dienstleistungen einen größeren Kirchensteuer-Anteil zukommen zu lassen, um einseitig bessere Standards durchzusetzen.

„Die Kirchen müssen nach den Regeln des Systems spielen.”

„Es ist nicht realistisch zu glauben, Kirchen könnten einfach mehr zuschießen”, sagte die Volkswirtin, die am 13. Dezember in den Ruhestand verabschiedet wird. Ähnlichen Sachzwängen sehen sich die Kirchen ihren Worten zufolge im Bereich der Geldanlagen ausgesetzt: „Die Kirchen müssen nach den Regeln des Systems spielen.” Allerdings gebe es bei den für das Kirchenvermögen verantwortlichen Stellen inzwischen ein hohes Bewusstsein für die eigene Verantwortung und die Risiken mancher Geldanlagen. Kirchen wie die EKHN hätten bereits wichtige Schritte eingeleitet, etwa den Ausstieg aus Investments in fossile Energien.

EU-Staaten sollten ihre Sozial- und Steuerpolitik aufeinander abstimmen

Für die zukünftige wirtschaftspolitische Entwicklung in Deutschland hält Bertelmann die anstehenden Weichenstellungen auf europäischer Ebene für entscheidend. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union müssten sich festlegen, ob sie nach dem gemeinsamen Binnenmarkt auch ihre Sozial- und Steuerpolitik aufeinander abstimmen wollten. Dabei gehe es insbesondere darum, die sich auf eine gemeinsame Maßnahmen gegen legale Steuervermeidungs-Tricks der Konzerne zu einigen.

Arbeitnehmer und kleine Firmen dürften nicht länger das Gefühl, sie allein müssten die Lasten bei der Finanzierung des Gemeinwesens schultern, während sich Großunternehmen ihrer Verantwortung entziehen: „Das wäre auch etwas, was die Akzeptanz für Europa fördern könnte.” Um grundlegende Reformen auf europäischer Ebene zu beginnen, sei eine Bundesregierung mit klarer Position wünschenswert.

Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin Brigitte Bertelmann war fast 15 Jahre lang Wirtschaftspolitik-Referentin des landeskirchlichen Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung (ZGV) in Mainz. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehörten Themen wie Steuergerechtigkeit, faire Handelspolitik und die Kontrolle der Finanzmärkte. Sie beschäftigte sich auch intensiv mit den Folgen der Weltfinanzkrise und den Handelsverträgen zwischen EU und Kanada (CETA) sowie den USA (TTIP).

Für die Zukunft rechnet sie damit, dass die Digitalisierung des Finanzsektors ein weiteres zentrales Thema für ihre Nachfolgerin wird.

Das ZGV in Mainz berät die hessen-nassauische Kirchenleitung sowie kirchliche Einrichtungen und bereitet Stellungnahmen zu gesellschaftlich wichtigen Themen vor. Die Referenten stehen dazu auch im regelmäßigen Kontakt mit Politikern, Gewerkschaften, Wirtschaftsvertretern und Umweltschützern.

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Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas 19, 10

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Indars Grasbergs

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