Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

Tafeln

Wie Tafeln den Ansturm bewältigen

Hans GentheEinkaufen bei der Schwalbacher Tafel wie in einem GeschäftEinkaufen bei der Schwalbacher Tafel wie in einem Geschäft

Nachdem die Essener Tafel zunächst einen Aufnahmestopp neuer Kunden ohne deutschen Pass verhängt hat, fragen viele Menschen, wie das denn bei den anderen Tafeln läuft. Wir haben bei der Schwalbacher Tafel, be der Frankfurter Tafel und bei der Gießener Tafel nachgefragt.

Als die Schlangen im Tafelladen immer länger wurden, hat die Schwalbacher Tafel schon vor drei Jahren ihre Öffnungszeiten erweitert und die 300 Familien, die sie versorgt, in sechs Gruppen eingeteilt. Diese kommen an drei Tagen zu unterschiedlichen  Zeiten zum Tafelladen. Dabei unterscheidet die Tafel nicht zwischen Herkunft oder Staatsangehörigkeit. Anstatt sich anzustellen, zieht jeder ein Kärtchen, dass ihm die Einkaufszeit auf einem Bildschirm zuweist. Denn in der Schwalbacher Tafel werden keine fertigen Pakete ausgegeben, sondern jeder kauft wie in einem richtigen Laden ein, allerdings zu symbolischen Preisen. Und das geht nur, wenn man sich in Ruhe umschauen kann.

„Drängeln wie im richtigen Leben“

„Jeder der Gruppen steht die gleiche Ware zur Verfügung“, sagt Tafelleiterin Cornelia Zimmermann-Müller. So könne es keinen Streit geben. Während die einen schon mal einkauften, würden sich die anderen solange im Tafelcafé stärken oder noch mal nach Hause gehen, ergänzt  Stellvertreterin Judith Grafe. „Eigentlich läuft hier alles friedlich ab, eben wie im richtigen Leben, wo es auch mal Unstimmigkeiten gibt oder jemand vordrängelt.“ Und es seien auch immer die Gleichen, mal Deutsche, mal Ausländer und auch mal Flüchtlinge. „Die können wir nicht nach der Herkunft bestimmen“, weiß Judith Grafe.

„Wie unwürdig ist es, mit 100 Leuten in einer Schlange stehen zu müssen!“ erregt sich Zimmermann-Müller. In langen Schlangen gäbe es immer Ungeduld und Aggressionspotential. Die Angst zu kurz zu kommen, sei in allen Schichten und Nationalitäten gleich, besonders wenn man arm sei. Die Entscheidung der Essener Tafel lehnt Zimmermann-Müller total ab: „Die Probleme sind nicht abhängig vom nationalen Hintergrund.“ Es komme nur darauf an, wie man damit umgeht „Das sind alles Bürgerinnen und Bürger.“

"Der Ton ist rauher geworden"

"Der Ton ist rauher geworden", sagt Edith Kleber von der Frankfurter Tafel. "Besonders in der Ausgabestelle im Bahnhofsviertel." Deshalb habe die Frankfurter Tafel ein genaues System der Zuteilung eingeführt. So könne man die Verschiedenheit der Menschen berücksichtigen. Zuerst kämen die Sozialdienste dran, danach Eltern mit Kindern, dann behinderte Menschen, danach alle anderen. Wer Lebensmittel abhole, bekomme ein Kärtchen mit dem nächsten Termin. Die Kunden würden dann wie in einem Laden bedient. Kleber beklagt die "Veränderung in unserer Gesellschaft". Die Stimmung sei "rauher, egoistischer, fordernder" geworden. 

Gute Organisation als Grundlage für die Tafel 

Die Gießener Tafel hat sehr viele Kunden. Dort werden fertige Pakete ausgeteilt, was die Ausgabe vereinfacht. „Jeder bekommt das Gleiche“, bestätigt Tafelmanager Erich Gelzenleuchter. Jeder Kunde habe eine Nutzernummer und einen festen Tag sowie eine feste Zeit für die Abholung. „So können wir 10-15 Leute in 15 Minuten bedienen.“ Durch diese Einteilung könne es kein Gedränge geben. Im Verhalten erlebe er keine Unterschiede zwischen Deutschen und Ausländern.

Mit der Begründung, der Ansturm ausländischer Tafelkunden würde deutsche Kunden verdrängen, hatte die Essener Tafel kürzlich einen Aufnahmestopp für Migranten verhängt und bundesweit Proteste geerntet. „Völlig instinktlos, das derart öffentlich zu machen“, kommentierte Holger Claes die Entscheidung der Gießener Tafel am 27. Februar in der Gießener Allgemeinen. Der Leiter des Diakonischen Werks Gießen sieht in der Essener Entscheidung einen „Hilferuf“. Ehrenamtliche fühlten sich überfordert mit einer Aufgabe, mit der der Staat sie nicht alleinlassen dürfe.

Diese Seite:Download PDFDrucken

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas 19, 10

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Indars Grasbergs

Zurück zur Webseite >

to top