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Verschwörungs-Ideologien die Stirn bieten: Erste-Hilfe-Tipps für Gespräche

Bildquelle: gettyimages, antonioguillemDiskussion unter FreundenPlötzlich glaubt jemand an Verschwörungs-Mythen im Freundeskreis? Die Kirche plädiert dafür, den Dialog aufrecht zu erhalten und zu fördern. Aber es geht auch darum, deutlich Stellung zu beziehen, wenn Grenzen überschritten werden.

Der Angriffskrieg Russlands offenbart unermessliches Leid ukrainischer Zivilisten. Dennoch sind rund um diesen Krieg längst auch in Deutschland neue Verschwörungs-Erzählungen entstanden. So behaupten einige beispielsweise, dass der Westen Putin so lange provoziert habe, bis er einfach zum letzten Mittel greifen musste. Verschwörungs-Ideologien machen längst vor einigen Freundeskreisen und Familien keinen Halt. Plötzlich ist der eigene Schwager oder die beste Freundin von einer geheimen Weltregierung überzeugt. Das Gespräch miteinander und die Beziehung können dann zur Herausforderung werden. Deshalb haben die Kirchen in einer Broschüre Empfehlungen zur Kommunikation zusammengestellt. Übrigens: Wenn Menschen an eine Verschwörungs-Ideologie glauben, liegt das nicht an mangelnder Intelligenz. Ausschlaggebend sind eher die Bedürfnisse nach Kontrolle und Einzigartigkeit oder das Gefühl, alleine nichts ausrichten zu können.

Das Gespräch suchen

Hinter Verschwörungs-Ideologie stecken falsche Tatsachen. Deshalb ermutigen die Kirchen, das Gespräch zu suchen. Denn die Verbreitung solcher Ideologien birgt ernste Gefahren: „Wenn `alternative Wahrheiten´, `Fake Facts´ und Sündenbockmentalitäten als Grundlage für Verschwörungsideologien dienen, entstehen Welterklärungsmodelle, die gefährlich für unser Zusammenleben sind und Gewalt säen.“ So heißt es in einer Broschüre zum Thema.

Empfehlungen kurz gefasst

Die Broschüre „Verschwörungsideologien“ gibt praktische Tipps zum Umgang mit Verschwörungsideologien, zeigt Hintergründe und theologische Perspektiven auf. Sie will dazu beitragen, in der aufgeheizten Debatte sprach- und handlungsfähig zu bleiben. Die wichtigsten Empfehlungen sind hier zusammengestellt.  

Daran erkannt man Verschwörungsideologien:

  1. Komplizierte, gesellschaftliche, globale Strukturen werden damit erklärt, dass einzelne Drahtzieher verborgen die Ereignisse steuern.
  2. Sündenböcke werden als Schuldige erklärt.
  3. Der Inhalt besteht aus Vermutungen und falschen Behauptungen.
  4. Die Überzeugungen werden in einer Gruppe kompromisslos und autoritär durchgesetzt.
  5. Menschen, die an eine Verschwörungs-Ideologie glauben, sehen sich oft als etwas Besonderes, als Erwachte, Errettete – alle anderen sind „Schlafschafe“.

Vor allem am Anfang auf Dialog setzen

Verschwörungsideologien können uns im Internet, auf der Straße, im Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis begegnen. Soll man dazu etwas sagen? Die EKHN ermutigt dazu. Denn: Vor allem am Anfang stehen die Chancen gut, dass zugehört wird. Aber es kann auch darum gehen, deutlich Stellung zu beziehen, wenn Grenzen überschritten werden.

Tipps für ein Gespräch über Verschwörungsideologien:

  1. Respektvoll gegenüber dem Gesprächspartner verhalten und das auch selbst einfordern.
  2. Die Aussagen des Gegenübers nicht vorschnell als Verschwörungsideologie bezeichnen, sonst kann das Gespräch schnell enden.
  3. Während des Gesprächs sich nur auf eine Verschwörungsideologie, einen Gedankengang konzentrieren, sich nicht in mehreren Ideologien verzetteln.
  4. Interesse für die Gefühle, die Einstellung und die persönliche Lebenserfahrung des Gesprächspartners zeigen.
  5. W-Fragen zu Hintergründen stellen:
    - Warum ist das so?
    - Wer sagt es?
    - Weshalb siehst du das so?
    - Welchen Gewinn hast du davon?
    - Was hast du bei diesem Thema in deiner eigenen Lebensgeschichte erlebt?
    - Welche Gefühle hat das bei dir ausgelöst?
  6. Wenn man selbst ähnliche Gefühle kennt: Mitteilen, welche anderen Schlussfolgerungen selbst gezogen wurden.
  7. Gemeinsam Fakten bei seriösen Quellen recherchieren.
  8. „Fake News“ entlarven.
  9. Gegengeschichten von Betroffenen erzählen.
  10. Rassismus, Extremismus oder einer Sündenbockmentalität widersprechen.
  11. Grenzen ziehen, Gesprächspause ein legen.

Ausführlichere Tipps und Hintergründe bietet die Broschüre:

Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW (Autor: Pfarrer Oliver Koch) und Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN (Autor: Matthias Blöser): 

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In der Welt habt ihr Angst;
aber seid getrost,
ich habe die Welt überwunden.

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