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Inklusion

Simone Becchetti/istockphoto.comBehinderte und nichtbehinderte Mädchen fotografieren sich gemeinsam

Evangelische Schulleiterin: „Wir erfreuen uns über die Vielfältigkeit der Kinder“

Die Vorstellung, dass behinderte und nichtbehinderte Konfirmanden gemeinsam lernen, miteinander Spaß bei Konfifreizeiten haben und schließlich das große Fest zusammen feiern, soll zunehmend Wirklichkeit werden. Das Ziel, dass behinderte Menschen die Möglichkeit haben sollen, an allen gesellschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, ist in der UN-Behindertenrechtskonvention formuliert, zu der sich auch Deutschland bekannt hat.

Auf welche Weise die EKHN die UN-Konvention umsetzen will, hat sie gemeinsam mit den Diakonischen Werken in Hessen und der EKKW im „Hessischen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention“ formuliert. Darin heißt es unter anderem: „Nach christlichem Verständnis ist Inklusion sehr umfassend zu verstehen. Jeder Mensch hat, als Gottes Geschöpf, seine eigene Würde, die nicht abhängig ist von persönlichen Leistungen, Makeln oder Defiziten.“

Auf dem Weg zur Normalität

Inklusion heißt das Schlagwort, das das unvoreingenommene Miteinander von Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderten bezeichnet. Dabei wird Behinderung als ein normaler Bestandteil einer vielfältigen Gesellschaft gesehen. Kein leichtes Vorhaben, Inklusion im Alltag umzusetzen, weiß Jutta Brandhorst, Referentin für Behindertenhilfe der Diakonie im hessischen Bereich der EKHN und Kurhessen-Waldeck. „Wir sind getrennt sozialisiert worden und es kostet eine enorme Anstrengung diesen Gedanken zu normalisieren“.

Erfolgreiche Initiativen

Im Kleinen funktioniert das schon sehr gut, weiß Dr. Michael Frase vom Diakonischen Werk Frankfurt am Main. „Im Frankfurter Nordend gibt es ein zum Beispiel Netzwerkcafé, indem verschiedene Leute aus dem Stadtteil zusammenkommen und sich austauschen können.“ Nicht nur der Austausch, sondern tatsächlich die gegenseitige Hilfe sei für den Erfolg von Inklusion wichtig.

Brücken bauen im Alltag

In vielen weiteren Bereichen ist die Kirche auf einem guten Weg: So sind in einigen Kirchen Plätze für Schwerhörige in vorderen Kirchenbänken eingerichtet, bei denen der Ton für Hörgeräteträger verstärkt wird. Auf einen barrierefreien Zugang für Rollstuhlfahrer wird ohnehin seit Jahren Wert gelegt und manche evangelischen Kindertagesstätten in Hessen-Nassau erziehen gemeinsam behinderte und nicht behinderte Kinder. Auch Kirchengemeinden werden darüber informiert, wie behinderte Jugendliche am Konfirmandenunterricht teilnehmen können. Doch bei vorbildlichen Beispielen soll es nicht bleiben.

„Es geht jetzt darum, die Menschen in der gesamten Kirche zum Umdenken zu bewegen und stärker das Bewusstsein jedes Einzelnen zu bilden“, erkärt Pfarrer Dr. Raimar Kremer, verantwortlich für die Spezialseelsorge in der EKHN. Und dafür setzt er sich ein. So hat er Vorschläge entwickelt, wie Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen beim Abendmahl teilnehmen können.

Erfahrungen aus der evangelischen Grundschule

Die vier evangelischen Schulen der EKHN arbeiten schon seit langem integrativ und nehmen Menschen mit Behinderung auf. In der evangelischen Grundschule in Freienseen lernen Kinder mit Hochbegabung neben Schülern mit Förderbedarf in gemischten Altersgruppen zusammen. „Wir freuen uns über die Vielfältigkeit der Kinder“, sagt Schulleiterin Barbara Muthmann.

In Freienseen ist es schon immer eine Selbstverständlichkeit Kinder mit unterschiedlichen Stärken gemeinsam zu unterrichten. „Da fallen die Schwächen, die jedes Kind irgendwo hat, nicht ganz so stark auf“, so Barbara Muthmann. Die unterschiedlichsten Stärken und Schwächen ergänzten sich auf sehr konstruktive Weise. Die Erfahrungen haben gezeigt: In Freienseen ist man überzeugt von diesem Ansatz, da er auch die urchristliche Grundhaltung vertritt, niemanden auszuschließen.

Herausforderung: Unterschiedliche Bedürfnisse von behinderten und nichtbehinderten Kindern

Gemeinsames lernen, gegenseitige Hilfe und eine selbstverständliche Akzeptanz des Anderen ist an der Grundschule in Freienseen üblich, allerdings sind es emotionale Einschränkungen, die die Kinder manchmal trennen. Wenn Kinder in der sechsten Klasse noch mit Spielzeug-Traktoren spielen möchten, während die Altersgenossen bereits ganz andere Bedürfnisse haben, wird es für die Kinder schwer Spielpartner zu finden.

„Hier haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich Kinder, die an Förderschulen gewechselt sind, sich deutlich emotional entspannt haben. Sie fanden einfach leichter Kinder mit ähnlichen Interessen“, sagt Barbara Muthmann. Der Oberkirchenrat für Schule und Religionsunterricht, Sönke Krützfeld, spricht von einer großen Herausforderung. „Inklusion braucht Zeit und es wird auch Grenzen der Inklusion geben. Dazu gehört auch ehrlich zuzugeben, wenn Kinder zum Beispiel an einer Förderschule tatsächlich besser aufgehoben wären. Wichtig ist vor allen Dingen das Wohl des Kindes“, so Sönke Krützfeld.

Zurzeit sitzen Verantwortliche und Praktiker an einem großen runden Tisch, um die Auswirkungen von Inklusion auf die Schule und die Schulphilosophie zu diskutieren. Eines ist sicher: „Wir werden uns der Herausforderung Inklusion stellen“, so Sönke Krützfeld.

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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von david-hertle / unsplash

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