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6 Tipps für den Umgang mit Existenzsorgen

Bildquelle: gettyimages, diego cervoNachdenken über LösungenManche Entwicklungen lösen Sorgen aus - doch es gibt Möglichkeiten, trotzdem herausfordernde Phasen gut zu überstehen

Zunehmend mehr Menschen machen sich aufgrund der Corona-Krise Sorgen um ihren Job. So mancher kann aufgrund von Existenzsorgen nicht mehr gut schlafen. Davon erfährt auch Flughafen-Seelsorgerin Bettina Klünemann. Denn die Luftfahrtbranche ist schwer gebeutelt. Deshalb hat sie Empfehlungen zusammengestellt, mit denen diese harte Phase leichter gemeistert werden kann. 

Bildquelle: BrunkBettina KlünemannFlughafen-Seelsorgerin Bettina Klünemann nimmt sich Zeit für ein Gespräch und sichert Vertraulichkeit zu

Aufgrund der Corona-Krise droht einigen Unternehmen eine wirtschaftliche Schieflage. Deshalb machen sich viele Bürgerinnen und Bürger Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Auch in Hessen und Nassau sind Betriebe des Gastgewerbes, Kultureinrichtungen, aber auch die Luftfahrbranche betroffen. So hat beispielsweise Lufthansa im dritten Quartal 2020 einen Milliardenverlust eingefahren. Derzeit besteht Hoffnung auf einen Impfstoff, was die Lage entspannen könnte. Doch schon im Herbst meldete die Frankfurter Rundschau, dass Fraport bereits mit einem Arbeitsplatzabbau beginne.

Ganz nah bei den betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist Pfarrerin Bettina Klünemann von der Evangelischen Flughafen-Seelsorge in Frankfurt am Main. Für Betroffene hat sie sechs Empfehlungen zusammengestellt, mit denen sich diese harte Lebensphase leichter meistern lässt.

Tipp 1 – Reden erleichtert

„Sprechen Sie über das, was sie gerade erleben, möglichst offen“, empfiehlt Flughafen-Seelsorgerin Bettina Klünemann. Es sei heilsam, die Sorgen mit anderen zu teilen. Sie ermutigt: „Sprechen sie aus, was Sie nicht schlafen lässt.“ Eine weitere Möglichkeit sei, die eigenen Gedanken aufzuschreiben und eventuell an einen Freund zu schicken. Ansprechpartner können Familie und Freunde sein, aber auch vertrauenswürdige Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzte oder der Betriebsrat.

Tipp 2 – Schuld und Scham die rote Karte zeigen

Die Sorge um den Arbeitsplatz kann manchmal unangenehme Gefühle wie Schuld und Scham auslösen. Seelsorgerin Klünemann stärkt hier klar den Rücken der Betroffenen: „Bei einem möglichen Arbeitsplatzverlust sollte man sich klarmachen, dass es nicht die eigene Schuld ist, dass man persönlich in eine solche Krise geraten ist.“ Auch wenn der Arbeitsvertrag nicht verlängert wurde oder am Ende der Kurzarbeit aufgrund der lange andauernden Pandemie eine Kündigung bedrohlich nahe rückt, „braucht man sich nicht schämen.“  

Tipp 3 – Zeit für schöne Aktivitäten und Momente nehmen

„Es ist gut, in diesen Krisenzeiten zu überlegen, was einem bisher Kraft im Leben gegeben hat: Ob das die Familie oder der Hund ist, der Sport, die Ausflüge in der Natur, in Ruhe etwas Leckeres kochen oder, oder“, ermutigt Seelsorgerin Bettina Klünemann. Sie empfiehlt, sich bewusst für schöne und Energie spendende Aktivitäten Zeit zu nehmen: „Das schafft positive Inseln im Alltag, die ausstrahlen.“ Zudem gebe es Auftrieb, wenn man merkt, „dass man für sich selbst etwas tun kann. Und wenn jeden Tag auch Platz ist für Lachen oder Momente der Zufriedenheit.“

Tipp 4 – Sich einen Ruck geben und aktiv werden

Selbst wenn ein befürchteter Arbeitsplatzverlust eintreten solle, ermutigt Flughafen-Pfarrerin Klünemann: „Es gibt viele Wege, über die Menschen Unterstützung bekommen können.“ Allerdings appelliert sie auch an die Eigeninitiative: „Aber es ist wichtig, sich dafür auf den Weg zu machen, denn nicht alles wird einem vor die Füße fallen.“ Bettina Klünemann weist darauf hin, dass man auch gemeinsam mit anderen Menschen Unterstützung suchen und finden könne. „Wenn gegenseitig zum Beispiel Tipps ausgetauscht werden, können unerwartet neue Perspektiven auftauchen“, so die Pfarrerin. Speziell am Flughafen stünden neben vielen beruflichen Berater*innen auch die psychologischen Dienste und selbstverständlich die Flughafenseelsorge zur Verfügung. Zudem ist die Arbeitsagentur eine wichtige Anlaufstelle. Auch Diakonie und evangelische Kirche bieten weitere Hilfen und Perspektiven an:
Psychologische Beratungsstellen in der EKHN
Schuldnerberatung der Diakonie Hessen
Stellenangebote der EKHN

Tipp 5 – Auch unangenehme Gefühle wie Trauer zulassen

Wenn der gewohnte Arbeitsplatz völlig umstrukturiert oder sogar weggebrochen ist, fehlen auch die Kolleginnen und Kollegen, mit denen man sich bisher gut verstanden hat. Seelsorgerin Klünemann empfiehlt, die Trauer um den Verlust anzunehmen: „Die ganze Trauer, die auch mit den Abschieden aus dem Arbeitsumfeld zusammenhängen, will ernst genommen werden.“

Tipp 6 – Belastungen und Probleme sortieren – auch mit professioneller Unterstützung

Gerade jetzt erleben evangelische Seelsorger immer wieder: Neben den aktuellen Existenzsorgen erzählen die Menschen von weiteren Problemen, die sie zusätzlich belasten. Gesundheitliche Probleme und / oder Krisen in Partnerschaft und Familie machen sich immer stärker bemerkbar, sie lassen sich jetzt kaum noch wegstecken. Deshalb empfehlen die Flughafenpfarrerin und Ihre Kollegen: „Wer von mehreren Krisen betroffen ist, sollte sich alle „Baustellen“ nach und nach ansehen und wahrnehmen. Gut ist, wenn sich Betroffene dafür professionelle Unterstützung holen.“ Auf den Tisch bringen und sortieren, lautet die Devise. Denn wenn erst einmal das „Krisenknäuel“ entwirrt sei, erlebten Betroffene oft eine große Erleichterung. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger ermutigen:  „Denn dann merkt jede und jeder, wieviel machbar ist.“

Professionelle Unterstützung in den Psychologischen Beratungsstellen der EKHN:

Psychologische Beratungsstellen 

Telefon- und andere Kontakte:

Hilfe und Seelsorge während der Corona-Krise

[RH, Stand: Nov. 2020]

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In der Konzentration auf das, was ist,
kann sich so etwas wie ein Raum öffnen,
ein Gewahrsam schärfen für die Gegenwart Gottes.

(Carsten Tag)

Carsten Tag

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages / rusm

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