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Advent im Krankenhaus: So kann Seelsorge Hoffnung und Nähe schenken
veröffentlicht 10.12.2025
von Matthias Hartmann, Online-Redaktion der EKHN
Die Adventszeit ist geprägt von besonderer Atmosphäre, gemeinsamen Ritualen und Geborgenheit. Wer sie jedoch im Krankenhaus verbringt, erlebt oft Einsamkeit statt vertrauter Nähe. Evangelische Krankenhausseelsorgerinnen berichten, wie sie Patientinnen und Patienten in dieser besonderen Zeit Momente des Trostes und der Hoffnung schenken.
Advent bedeutet für viele Menschen Kerzenlicht, gemeinsames Singen und vertraute Begegnungen. Auch in einigen Krankenhäusern wird versucht, diese besondere Zeit spürbar zu machen – sei es durch besondere Aktionen oder liebevolle Weihnachtsdekoration. Dennoch sind Patientinnen und Patienten mit schwerer Krankheit während der Adventszeit oft von Einsamkeit und Sorgen betroffen. Gerade dann wird die Begleitung durch evangelische Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger zu einem Lichtblick.
„Wichtig ist das Gefühl, wahrgenommen und angenommen zu werden in dieser Ausnahmesituation im Krankenhaus.“
Evangelische Krankenhausseelsorgerin Kathleen Niepmann
Für den Gemeindebrief „Mittendrin“ der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Gießen Mitte sprach Matthias Hartmann, Öffentlichkeitsbeauftragter in Gießen, mit den evangelischen Klinikseelsorgerinnen Kathleen Niepmann und Susanne Gessner. Sie berichten von Erfahrungen, die zeigen, wie Nähe, Gebet und gelebter Glaube Hoffnung schenken können.
Advent ist die Zeit der Erwartung und der Hoffnung. Wie erleben Sie diese Zeit im Krankenhaus?
Susanne Gessner: Ich erlebe die Menschen, die im Dezember kommen, dünnhäutiger und verletzlicher als sonst. In der Adventszeit liegt etwas in der Luft, das weicher macht, das die Tränen schneller in die Augen steigen lässt. Die Tage sind dunkler, wir gehen auf Weihnachten zu. Erinnerungen werden ebenso wach wie die Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit.
Kathleen Niepmann: Adventszeit ist oft wie ein Vergrößerungsglas für unsere Hoffnungen, Erwartungen und Empfindungen. Wenn wir krank sind, geht uns das häufig ähnlich: Die eigenen Erwartungen und Empfindungen können stärker werden, wir nehmen sie deutlicher wahr. Eben wie mit einem Vergrößerungsglas.
Das ist nicht nur eine Erfahrung im Krankenhaus! Letztlich vollzieht sich hier doch im Extrem, was in vielen Häusern geschieht, oft im Verborgenen. Da leben Menschen mit schwerer Krankheit, in Einsamkeit, in Streit, die Kinder bleiben weg.
Susanne Gessner: Ja und im Krankenbett wird das besonders bewusst. Im Alltag kann man sich vielleicht ablenken, aber wenn ich hier liege, dann nehme ich deutlich wahr, dass meine Kinder nicht anrufen oder zu Besuch kommen.
Kathleen Niepmann: Und da kann ein Besuch von uns Seelsorger:innen gut sein. Ein Blickkontakt, ein Segenszuspruch oder das gemeinsam gesprochene Vaterunser. Die Situation gemeinsam aushalten – das tut oft gut. Wichtig ist das Gefühl, wahrgenommen und angenommen zu werden in dieser Ausnahmesituation im Krankenhaus.
Stiftet diese Verbundenheit Hoffnung?
Susanne Gessner: Wenn ein Mensch in Verbindung ist, also in Kontakt mit einem anderen, mit sich oder mit Gott, dann geht er nicht verloren ins Leere und Schweres lässt sich leichter tragen. So hilft der Kontakt mit Angehörigen, mit Freunden, Nachbarn oder auch mit der Seelsorgerin. Er bedeutet, ich bin mit dem, was mich verletzt hat, nicht allein. Das stiftet Geborgenheit und dieses Gefühl wirkt gegen das Gefühl von Verzweiflung. Letztlich ist das ja das, was an Weihnachten passiert: Gott verbindet sich mit uns Menschen bis in Fleisch und Blut hinein.
Kathleen Niepmann: Manche Patientinnen und Patienten haben gar keinen oder kaum Kontakt zur Kirche. Aber sie sind offen für Glaubensfragen. Wenn ich etwa vorschlage zu beten, sagen die meisten `Ja´. Und ich denke, es ist für sie wichtig zu wissen, jemand anderes bringt dieses Vertrauen stellvertretend mit, das sie selbst nicht oder kaum mehr haben.
Susanne Gessner: Wir begleiten Menschen im Sterben oder besuchen Patienten mit einer schier hoffnungslosen Prognose. Und selbst wenn wir in diesen ganz schweren Stunden kommen, erleben wir, dass irgendwann irgendetwas aufleuchtet, was eine Perspektive gibt. Und das – finde ich – ist Hoffnung.
Kathleen Niepmann: `Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.` Die Botschaft dieses Adventsliedes gilt für uns jeden Tag!
Vielen Dank für das Gespräch!
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