Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Schriftzug ekhn2030

© EKHN

Evangelische Kirche in Hessen und Nassau setzt Zukunftsprozess „ekhn2030“ fort

veröffentlicht 02.12.2023

von Peter Bernecker

Synode beschließt Digitalisierung, Personalgewinnung, Pfarrstellenanpassung und neue Diakoniezuweisung.

Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat zum Abschluss ihrer Herbsttagung am Samstag (2. Dezember 2023) in Frankfurt am Main intensiv am umfassenden Zukunftsprozess „ekhn2030“ weitergearbeitet. Mit dem Projekt will die hessen-nassauische Kirche dem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel und Rückgang der Mitglieder entgegenwirken. Dabei bleibe es zentrales Ziel, „eine kleiner werdende Kirche neu zu gestalten“, und zwar so, dass auch „die nächste Generation noch Möglichkeiten hat, innovativ zu arbeiten und Kirche weiterzuentwickeln“, erklärte EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung. Der 2019 begonnen Prozess habe Veränderungen angestoßen, „damit das Evangelium auch in einer Kirche mit weniger Mitgliedern und weniger Ressourcen seine Kraft in dieser Welt entfalten kann“, so Jung. Es stehe bei „ekhn2030“ weiter „das Bild einer Kirche vor Augen, die eine öffentliche und offene Kirche ist und in vielfältiger Gestalt nah bei den Menschen bleibt“, sagte der Kirchenpräsident. „ekhn2030“ sei inzwischen von einem Reformprozess zu einer „Transformation unserer Kirche“ geworden. Eine wichtige Grundlage sei dabei beispielsweise die bereits gelungene Bildung von 160 sogenannten „Nachbarschaftsräumen“. Dabei koordinieren Gemeinden vor Ort ihre Arbeit und kooperieren deutlich enger als bisher.

Digitalisierungsprozess startet

Mit einem umfassenden Digitalisierungsprojekt geht die hessen-nassauische Kirche in die Zukunft. Die Synode bewilligte bei ihrer Tagung in Frankfurt am Main für die strategische Weiterentwicklung der Digitalisierung in der EKHN insgesamt 25 Millionen Euro bis zum Jahr 2030. Der Großteil der Summe soll aus einem speziellen Zukunftsfonds kommen. Eines der Herzstücke des Projektes ist nach Worten des Leiters der Kirchenverwaltung Lars Esterhaus unter anderem, Hard- und Software zentral zu beschaffen sowie Support- und Beratungsangebote für Gemeindebüros gebündelt zur Verfügung zu stellen. Zudem soll beispielsweise ein elektronisches Dokumentenmanagement eingeführt werden, das Haupt- und Ehrenamtlichen ortsunabhängige Zusammenarbeit ermöglichen wird. Esterhaus hofft, dass am Ende damit „das Arbeiten in unserer Kirche deutlich vereinfacht und vor allem zu Erleichterungen für Ehrenamtliche in der Fläche führen wird“.

Personalgewinnung intensiviert 

Zudem will die EKHN mit einem auf fünf Jahre ausgelegten Projekt zur Personalgewinnung und Personalbindung dem absehbaren Fachkräftemangel auch in kirchlichen Berufen trotzen. Längst fehlen in der evangelischen Kirche nicht nur Pfarrpersonen und Fachkräfte in Kindertagesstätten. Der Mangel beginnt inzwischen alle Berufsgruppen zu durchziehen. Die Synode beschloss dazu ein zwei Millionen-Programm, das aus dem Zukunftsfonds finanziert wird. Dabei soll eine EKHN-weite Imagekampagne angestoßen, eine professionelle Bewerbungsplattform entwickelt und interne Abläufe optimiert werden. Ziel ist es unter anderem, eine herausgehobene „evangelische Arbeitgebermarke“ zu entwickeln, die hervorheben soll, wie wertvoll kirchliche Arbeit ist und welchen besonderen Sinn es macht, in der hessen-nassauischen Kirche zu arbeiten.

Gesamtkirchliche Pfarrstellen gestrafft

Die hessen-nassauische Synode beschloss auch eine Anpassung der Pfarrstellen bei gesamtkirchlichen Aufgaben. Dazu gehören beispielweise besondere Positionen in der Spezialseelsorge, Religionspädagogik oder auch der Kirchenleitung. Analog zu den Plänen für Gemeinden muss auch hier die Zahl der gesamtkirchlichen 142 Pfarrstellen bis 2029 um 25 Prozent reduziert werden. Dies betrifft 34 Positionen. In einer engagierten Debatte mit zahlreichen Anträgen zur Zukunft insbesondere von Seelsorgestellen, entschied die Synode unter anderem, die Leitungsstellen um den Kirchenpräsidenten, die Stellvertretende Kirchenpräsidentin und die fünf Pröpstinnen und Pröpsten sowie deren Unterstützung von elf auf acht Positionen zu straffen. Dies wird voraussichtlich auch eine Reform der Arbeitsstrukturen in der Kirchenleitung zur Folge haben. Auch die Stelle der geschäftsführenden Pfarrerin des Landesverbands der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau wird künftig entfallen. Mit Blick auf die Zukunft der Kirche sollen aber auch vier neue Stellen geschaffen werden, die die Lebenswelten junger Erwachsener und von Familien besser in den Blick nehmen sollen. Dazu gehört beispielsweise die digitale Gemeindearbeit.

Diakoniezuweisungen angepasst

Nach einer engagiert und teils hoch emotional geführten Diskussion am Freitag und Samstag hat die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau auf ihrer Herbsttagung entschieden, die künftigen Zuweisungen an die Diakonie im Rahmen ihres Zukunftsprozesses „ekhn2030“ neu zu ordnen. Bei der Regionalen Diakonie in Hessen und Nassau mit ihren Hilfseinrichtungen vor Ort wird ab 2025 eine Sparlinie von stufenweise zwölf Prozent bis zum Jahr 2030 wirksam. Die diakonischen Einrichtungen in Trägerschaft der EKHN erhalten derzeit eine Zuweisung von rund 7,5 Millionen Euro. Gleichzeitig sollen bei der Diakonie Hessen, dem Dachverband der diakonischen Träger mit Sitz in Frankfurt, die Zuweisungen im gleichen Zeitraum stufenweise um 30 Prozent verringert werden. Die Diakonie Hessen erhält rund sieben Millionen Euro. Ein spezieller Fonds soll in den nächsten Jahren Härten abfedern. Die Synode der benachbarten Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hatte Anfang der Woche bereits beschlossen, als Mitträgerin ihre Finanzzuweisungen an die Diakonie Hessen in gleicher Weise zu reduzieren: Ebenfalls von 2025 bis 2030 um schrittweise insgesamt 30 Prozent.

Sparkorridor beibehalten

 Die Synode votierte auch dafür, den im Zukunftsprozess ursprünglich vorgegebenen Sparkorridor beizubehalten. Finanzielles Ziel von „ekhn2030“ ist es, den kirchlichen Haushalt ab 2030 strukturell um 140 Millionen Euro jährlich zu entlasten. Als Basisjahr gilt 2021 mit einem Haushaltsvolumen von knapp 700 Millionen Euro. Gleichzeitig hatte zuletzt eine aktualisierte Finanzprojektion einen höheren Sparbedarf von nochmals 45 Millionen Euro prognostiziert. Durch veränderte Erwartungen zur Mitgliederzahl war dies notwendig geworden. Unter anderem wegen der Unsicherheit der Prognose und um die bereits begonnen Einsparprozesse nicht anzuhalten und neu starten zu müssen, blieb die Synode zunächst bei dem früher vereinbarten Sparkorridor von 140 Millionen Euro. Die weitere Einnahmeentwicklung soll aber beobachtet werden, um bei Bedarf zügig nachzusteuern und das Einsparziel gegebenenfalls anzupassen.

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