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Bericht vor der Synode

Kirchenpräsident lehnt Sterbehilfe als Standardangebot in evangelischen Heimen ab

Bildquelle: EKHNKirchenpräsident JungKirchenpräsident Volker Jung sprach sich in seinem Bericht auch für eine gegenseitige Akzeptanz von Abendmahlsfeiern aus

Kirchenpräsident Jung äußerte sich in seinem Bericht zu den Themen Flüchtlingspolitik, Stand der Ökumene, Corona und Missbrauch.

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Sterbehilfe: Nur als absoluter Ausnahmefall in Einrichtungen

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat sich am Donnerstag in der aktuellen Debatte zur Sterbehilfe zu Wort gemeldet. So müsse sich die bevorstehende gesetzliche Neuordnung des assistierten Suizids „daran orientieren, dass in erster Linie Menschen auch in schwierigen Situationen zum Leben ermutigt werden“, sagte Jung vor der digital tagenden Kirchensynode in Frankfurt. Seiner Ansicht nach solle sich die Ausgestaltung der Regelungen „am großen Ja Gottes zum Leben“ orientieren. Dies bedeute, „weder den Suizid moralisch zu verurteilen, noch Menschen paternalistisch zu bevormunden“. Es bedeute auch nicht, aus dem Blick zu verlieren, „dass es tragische Einzelfälle geben kann, in denen Menschen durch einen assistierten Suizids beim Sterben geholfen werden kann“. 

Es sei auf jeden Fall erforderlich, zwischen dem Suizidwunsch in einem Sterbeprozess und in anderen Lebenssituation zu unterscheiden, sagte Jung in seinem aktuellen Bericht zur Lage in Kirche und Gesellschaft. Außerdem sei  es nötig, alle Möglichkeiten der palliativen Begleitung zu stärken. Dies habe auch zur Konsequenz, dass der „assistierte Suizid kein Regelangebot in diakonischen Einrichtungen sein soll“. Jung: „Wer hierher kommt, sollte wissen: Hier wird alles für mich getan, um mich in allen Situationen gut zu begleiten. Und hier wird mir niemand den Suizid ungefragt als eine Option nahebringen.“ Zugleich müsse auch vermittelt werden, dass auch in tragischen Einzelfällen, in denen ein Mensch keinen anderen Ausweg als den Suizid sieht, niemand des Hauses verwiesen werde.

Flüchtlingspolitik: Zunehmende Verschärfung auch in Deutschland

Jung ging in seinem Bericht vor der Synode auch auf die derzeit angesichts der Corona-Pandemie wenig beachtete Situation von Geflüchteten ein. So werde die „Lage von Schutzsuchenden immer besorgniserregender, sowohl an den europäischen Außengrenzen als auch hier in Deutschland“. Die gegenwärtige Flüchtlingspolitik setze immer stärker auf „Abschottung und Abschreckung“. Tausende Geflüchtete, Frauen, Familien und Kinder säßen an der Grenze zu Kroatien nur notdürftig versorgt fest. Beim Versuch, die Grenze zu überschreiten, würden Geflüchtete von der kroatischen Polizei „systematisch misshandelt und in illegalen Push-backs über die EU-Grenze nach Bosnien zurückgedrängt.“ Noch immer werde ihnen in Kroatien das Recht auf ein faires Asylverfahren in der EU „systematisch verweigert“. Zudem säßen weiter tausende Geflüchtete in den Lagern auf den griechischen Inseln fest. Dies sei kein „kein schicksalhaftes tragisches Ereignis, sondern Ergebnis einer hochproblematischen Flüchtlingspolitik“. Jung: „Starke EU-Staaten haben das Flüchtlingsproblem an die schwachen Staaten im Süden und Osten der EU ausgelagert haben. Das ist nicht nur inhuman gegenüber den Geflüchteten, sondern auch unsolidarisch gegenüber EU-Staaten wie Griechenland. Abschottung ist hier offenbar wichtiger als die Menschenrechte, zu deren Einhaltung sich alle EU-Staaten verpflichtet haben.“

Gleichzeitig sei auch eine „zunehmende Verschärfung der Flüchtlingspolitik in Deutschland zu beobachten. Abgelehnte Asylbewerbende würden „verstärkt mit Arbeitsverboten und zum Teil massiven Kürzungen der sozialen Leistungen sanktioniert“. Jung: „Trotz der Corona-Pandemie wird weiter abgeschoben, inzwischen auch gut integrierte Menschen – unter anderem nach Somalia, Afghanistan und Pakistan“. Gleichzeitig gäbe es immer noch keine Landesaufnahmeprogramme in Hessen und Rheinland-Pfalz. Jung: „Statt gelungene Integration zu fördern, wird so vermehrt Integration behindert.“ In Zeiten der Corona-Pandemie würden Flüchtlinge zudem in den Lagern an den Grenzen, aber auch in den Erstaufnahme- und Gemeinschaftsunterkünften in Deutschland hohen Risiken ausgesetzt. Abstand halten und Hygienemaßnahmen seien häufig nicht im erforderlichen Maß umsetzbar.

Corona-Pandemie: Gesellschaftlicher Polarisierung entgegenwirken

Angesichts der fortdauernden Corona-Pandemie befürchtet Kirchenpräsident Jung ein Auseinanderdriften der Gesellschaft. Jung: „Was wir in der hoch angespannten Situation auch erleben, sind extreme Polarisierungen.“ Auf der einen Seite stehe beispielsweise der Wunsch, alles zentral zu regulieren und für maximale Beschränkung zu sorgen. Und auf der anderen Seite werde Freiheit ohne jede Einschränkung eingefordert. Diese Positionierungen fänden sich auch in manchen Forderungen wieder, die an die Kirche herangetragen würden. Sie changierten zwischen dem Verbot von Präsenzgottesdiensten bis zum Wunsch nach Feiern mit Gesang und ohne Maske.  Nach Meinung Jungs „liegt unsere besondere kirchliche Aufgabe darin, gerade in dieser schwierigen Situation ideologische Verabsolutierungen zu vermeiden und zu bestreiten.“ Das bedeute „zu bejahen, dass Situationen umstritten sein können und Entscheidungen oft erst im Nachhinein beurteilt werden können“. Jung: „Wir verfügen als Kirche in diesen Fragen nicht über eine bessere himmlische Einsicht – mit dem Evangelium aber über eine orientierende Botschaft.“ Sie könne helfen, „Spannungen auszuhalten und sich auch Unsicherheit und Fehler zuzugestehen“.

Ökumene: Abendmahlsfeiern gegenseitig akzeptieren

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung sprach sich im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentags (13. bis 16.Mai 2021) für eine gegenseitige Akzeptanz von Abendmahlsfeiern aus. Der zuletzt von maßgeblichen Theologinnen und Theologen entwickelte Text „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ gebe dafür einen „starken Impuls“. Wichtig sei dabei der theologische Bezug darauf, dass nicht die Kirche, sondern Christus zum Mahl einlade und in ihm gegenwärtig sei. Jung: Damit wird nicht der trennende Streit weitergeführt, wie die Gegenwart von Jesus Christus zu denken ist. Entscheidend ist die Frage, ob geglaubt wird, dass Christus in der Mahlfeier der jeweils anderen Konfession gegenwärtig ist.“ Dann sei auch aus Gewissensgründen eine Teilnahme an der Feier der anderen Konfession möglich. Nach Worten Jungs ist damit zwar noch keine gemeinsame Abendmahlsfeier ermöglicht, „wohl aber die in einer jeweils persönlichen Gewissensentscheidung begründeten Teilnahme an der Feier der anderen Konfession.“ Angesichts dieser Debatte seien die Mahlfeiern während es Ökumenischen Kirchentags am Abend des 15. Mai „ein wichtiges Zeichen“. Hier gebe es die Möglichkeit, an der Mahlfeier der jeweils anderen Konfession teilzunehmen.

Sexualisierte Gewalt: Bleibt eine gesellschaftlich dunkle Seite

Jung ging auch auf das Thema sexualisierte Gewalt ein. Im zurückliegenden Jahrzehnt sei „sehr offensichtlich geworden, dass sexualisierte Gewalt eine sehr dunkle Seite in vielen Bereichen unserer Gesellschaft ist – leider auch in den Kirchen.“ Öffentlich werde vor allem der Umgang der katholischen Kirche mit Opfern und Tätern immer wieder stark kritisiert. Damit stellten sich Fragen an die Glaubwürdigkeit aller Kirchen. Jung: „In diesen Debatten wird auch immer die Frage neu aufgeworfen, wie es denn mit der Aufarbeitung in der evangelischen Kirche steht. Bei allem, was wir wissen, gibt es Unterschiede hinsichtlich der Anzahl der Betroffenen und auch hinsichtlich der systemischen Probleme. In der EKHN haben wir deutlich gesagt, dass wir jeden einzelnen Fall sexualisierter Gewalt in unserer Kirche zutiefst bedauern und alles tun wollen, um aufzuklären, aufzuarbeiten und Leid anzuerkennen. Daran darf man uns messen.“ Bereits vor 2010 habe  sich die EKHN mit dem Thema intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und mittlerweile umfassende Schutzkonzepte etabliert.

Nach aktuellem Kenntnisstand hätten sich seit Gründung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) im Jahre 1947 bis heute 70 Verdachtsfälle ergeben, bei denen die Befürchtung bestand, dass Menschen im Bereich der EKHN Betroffene sexualisierter Gewalt sind. In dieser Gesamtzahl seien auch Fälle aus Heimen in evangelischer Trägerschaft enthalten. Dabei seien seit 1947 insgesamt 20 Mal Pfarrer verdächtigt worden. Auch wenn in der Mehrzahl der Fälle keine Ermittlungen mehr geführt werden konnten, weil die Beschuldigten verstorben waren, habe die EKHN versucht, den Betroffenen gerecht zu werden. Mehrere Verdachtsfälle hätten sich als unbegründet erwiesen. Dreimal seien in den letzten zehn Jahren kirchliche Disziplinarverfahren eingeleitet worden, in den Jahrzehnten davor hatte es bereits elf Disziplinarverfahren gegeben. 50 Anschuldigungen hätten sich gegen Erziehende, sowie Ehrenamtliche oder Mitarbeitende im kirchenmusikalischen Bereich gerichtet. In Abstimmung mit den Betroffenen seien Strafanzeigen erstattet worden. Die EKHN berate jeden Fall individuell und zahle entstehende Behandlungskosten, wie etwa Psychotherapie auch ohne Nachweis des Vorfalls, „unbürokratisch und schnell.“ Außerdem seien in Anerkennung des Leids individuell Leistungen erbracht worden.

Hintergrund: Bericht zur Lage

Kirchenpräsident Jung hatte seinen aktuellen Lagebericht unter ein Wort des Apostels Paulus aus dem Römerbrief gestellt, das als „Kraftquelle der Kirche“ und „Maßstab für ihr Handeln“ gelten könne: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: `Der Gerechte wird aus Glauben leben.`“ (Römer 1,16-17.  

Der komplette Bericht des Kirchenpräsidenten 2021 

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Tu, was zu tun kannst.
Und dann ist gut, denn mehr geht nicht.
Alles weitere kann ich in die Hände Gottes legen
und darauf vertrauen, dass er es wohl gut mit mir meint.
(Carsten Tag zu Prediger 9,10)

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