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Helga Trösken

Medienhaus/Kohlhepp

Erste Pröpstin schrieb Frauengeschichte

Helga Trösken schrieb Frauengeschichte, nicht nur als eine der ersten Pfarrerinnen in der EKHN, sondern insbesondere als Frankfurter Pröpstin. 1987 übernahm sie als erste Frau in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland bischöfliche Leitungsaufgaben. Eine Pionierin in einer männlich geprägten Kirche, die sich ganz selbstverständlich und entgegen aller Widerstände für Frauenrechte stark machte.

1942 in Frankfurt geboren, studierte Helga Trösken Theologie in Frankfurt, Berlin, Heidelberg und Mainz. Nach ihrem Vikariat in Dillenburg arbeitete sie am Ökumenischen Institut Bossey und beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf, bevor sie 1970 in Langen als Gemeindepfarrerin ordiniert wurde. „Dass ich Gemeindepfarrerin werde, daran hatte ich zu Beginn meines Studiums nicht gedacht“, sagt Trösken. „Damals durften Pfarrerinnen noch nicht heiraten. Wer dies trotzdem tat, wurde in den Schuldienst oder die Krankenhausseelsorge versetzt.“ Das habe auch viele Frauen abgeschreckt. Erst 1971 erhielten Pfarrerinnen in der EKHN die rechtliche Gleichstellung.

Widerständen trotzen

Auf dem Papier gleichgestellt, kämpfte Helga Trösken in der Praxis mit Widerständen. „Zum einen war ich im Vikariat und später auch als Pfarrerin die einzige Frau weit und breit, zum anderen gab es keine Vorbilder. Es herrschte große Unsicherheit, was man von einer Pfarrerin eigentlich erwarten konnte und viele wollten auch keine Frau in diesem Amt“, erinnert sich die Theologin. Bei einer Beerdigung habe man ihr hinterhergerufen „Das Weib schweige in der Gemeinde“. Man stellte die junge Pfarrerin auf die Probe, tuschelte über ihre Kleidung und stellte ihre Kompetenz bei Amtshandlungen in Frage. Helga Trösken ließ sich nicht abschrecken. Auch wenn sie auf den Gegenwind nicht eingestellt war, blieb sie beharrlich.

Pfarrerinnen zusammenbringen

Um sich mit Frauen im Pfarramt auszutauschen, organisierte sie Treffen mit Pfarrerinnen, die in der Region tätig waren. Was zunächst als lose Zusammenkünfte begann, entwickelte sich immer mehr zu einem regelmäßigen Austausch. „Ich wollte gern alle Pfarrerinnen der Landeskirche einbeziehen“, berichtet Trösken. Doch die Kirchenleitung blockierte zunächst die Herausgabe der Adressen. Später wurde dem stetigen Drängen nachgeben. Das Treffen wurde zu einem Vorläufer des Pfarrerinnentags.

Solidarität fördern

„Damals war das nicht als Interessenvertretung gedacht, sondern als Erfahrungsaustausch mit Kinderbetreuung und Mittagessen“, erinnert sie sich. „Uns Frauen ging es in erster Linie um Solidarität, da wir uns als Einzelkämpferinnen in unseren Gemeinden fühlten.“ An eine feste Institution mit kirchenpolitischen Themen habe man nicht gedacht, dies sei erst später entstanden.

Wiederwahl zur Pröpstin

1977 übernahm Helga Trösken den Vorsitz im Pfarrerausschuss der EKHN, ein Amt das sie bis 1986 ausübte. 1987 wurde sie als erste Frau zur Pröpstin gewählt, 1997 in die Synode berufen, 1999 erfolgte die Wiederwahl und eine zweite Amtszeit als Pröpstin von Frankfurt.

Geprägt durch Martin Niemöller

Geprägt wurde der Weg von Helga Trösken insbesondere von Martin Niemöller, dem ersten Kirchenpräsidenten der EKHN. „Seine Predigten haben mich begeistert und die Korrespondenz mit ihm bereichert“, erinnert sich Trösken. „Er hat mir immer signalisiert, dass ich – egal was ich mache, willkommen bin.“

Klare Worte finden

Während ihrer Amtszeit war Helga Trösken das Gesicht der evangelischen Kirche in Frankfurt. Allein ihrem Gewissen verpflichtet, fand sie bei vielen Themen klare Worte. Die umstrittene Wehrmachtsausstellung, die schon vor ihrer Eröffnung in Frankfurt 1997 zu Kontroversen im Römer führte, unterstützte sie und rief Gemeinden dazu auf, sich den Verbrechen der Wehrmacht während der NS-Diktatur zu stellen.

Den Schwachen eine Stimme geben

Der innerkirchlichen Frauenbewegung fühlte sich Trösken verbunden und machte sich stark für Menschen, die in der Gesellschaft kaum Gehör finden. Sie nahm an Frauengottesdiensten teil oder bot spezielle Fortbildungen für Kirchenvorsteherinnen an. Trösken unterstützte das Projekt „Bibel in gerechter Sprache“ und gründete 1982 den ersten Pfarrerinnentag der EKHN.

Frauenrechte weiter entwickeln

Die Benachteiligung von Frauen in Ämtern, die sie auch als Pröpstin erlebte, machte sie sensibel für die Durchsetzung von Frauenrechten. Und auch wenn heute in der evangelischen Kirche es längst selbstverständlich schein, dass bei allen Ämtern ein angemessenes Verhältnis von Männern und Frauen angestrebt wird, bleibt Trösken wachsam. „Da gibt es noch viel Entwicklungspotenzial“, sagt sie.

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Erste Frau im Bischofsamt

Als erste Pröpstin der EKD wurde Helga Trösken 1987 in ihr Amt berufen - hier mit Vorgänger Propst Dr. Dieter Trautwein (l.) und Kirchenpräsident Helmut Spengler.

Pfarrerinnentag gegründet

Auf Initiative von Helga Trösken wurde 1982 der erste Pfarrerinnentag der EKHN in Leben gerufen. Bis heute treffen sich Pfarrerinnen einmal im Jahr zu einem Studientag mit theologischem Input. Zurzeit findet der Pfarrerinnentag am 3. Mittwoch im März im EVAngelischen Frauenbegegnungszentrum in Frankfurt statt.

Zum Pfarrerinnentag

In der Tradition Niemöllers

EKHN/Archiv

„Ohne seine Predigten wäre ich wohl nie Pfarrerin geworden“, sagt Helga Trösken. Martin Niemöller, erster Kirchenpräsident der EKHN und führendes Mitglied der Bekennenden Kirche, prägte Helga Tröskens Lebensweg und ihr Theologieverständnis.

Einsatz für Bibel in gerechter Sprache

Als Pröpstin machte sich Helga Trösken für die Bibel in gercheter Sprache stark.

Bibel in gerechter Sprache auf Wikipedia

Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.

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