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Marlies Flesch-Thebesius

Ilona Surrey

Marlies Flesch-Thebesius war Journalistin, Pfarrerin und Autorin. 1920 in Frankfurt geboren, trat sie ihr Leben lang für Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung ein. Am 31. Dezember 2018 verstarb die 98-Jährige in ihrer Heimatstadt.

Bis ins hohe Alter setzte sich Marlies Flesch-Thebesius mit der Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus und der Rolle der evangelischen Kirche auseinander und trat für die Gleichberechtigung von Frauen im kirchlichen Amt ein.

Außergewöhnliche Frauenbiographien

Ob als Journalistin, Pfarrerin oder Autorin, den Biographien von starken und außergewöhnlichen Frauen galt ihr besonderes Interesse. Dabei war ihre eigene Biographie ebenfalls eine Außergewöhnliche.

Demütigungen in der Zeit des Nationalsozialismus

1920 in Frankfurt geboren, bekam sie als 13-Jährige die Demütigungen und Ausgrenzungen unter der nationalsozialistischen Herrschaft zu spüren. Ihr Großvater war vor seiner evangelischen Taufe Jude und so galt ihr Vater als „Halbjude“, sie selbst als „Vierteljüdin“. Die Familie lebte in dem Bewusstsein, dass „immer etwas Schlimmes passieren konnte“. Geprägt wird sie durch ihren kommunalpolitisch und sozial engagierten Vater und ihre theologisch und politisch interessierte Mutter sowie die Bekennende Kirche, in der sich die Familie aufgefangen fühlt.

Dolmetscherin in Italien

1939 macht Marlies Flesch-Thebesius Abitur, 1943 ihr Examen zur Dolmetscherin in Englisch und Italienisch. „Es ist die Sehnsucht nach fremden Sprachen und die Möglichkeit, unabhängig von Deutschland zu werden.“ Nach dem Examen arbeitet sie in Italien und erlebt dort auch das Ende des Krieges und der Herrschaft der  Nationalsozialisten.

Redakteurin bei der FAZ und dem Hamburger Sonntagsblatt

Schon damals wird das Schreiben für sie zur Leidenschaft, später zum Beruf. Nach ihrer Rückkehr nach Frankfurt arbeitet sie bei der Nachrichtenagentur DANA unter amerikanischer Administration. Sie macht ein Volontariat bei der Mainzer Allgemeinen und wird Redakteurin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, später wechselt sie zum Allgemeinen Sonntagsblatt nach Hamburg. Für die Rubrik „Zuspruch“, in der sie Lebenshilfe anbietet, erhält sie viel Resonanz. Doch am meisten liegen ihr Frauenthemen am Herzen, die gleichzeitig ein Reizthema sind. Der Beitrag „Die Frau auf der Kanzel“, den sie 1957 schreibt, gibt ihrem eigenen Leben eine neue Wende.

Selbstbestimmt ins Theologiestudium

Die Theologinnen im Amt wecken in  ihr den Wunsch, selbst Theologie zu studieren. Es schreckt sie nicht ab, dass sie nur begrenzt das Pfarramt ausüben dürfen, weniger Gehalt bekommen als die Pfarrer bei gleicher Ausbildung, nicht heiraten dürfen und sich „Vikarin“ nennen müssen. Ab 1957 geht sie bewußt und aktiv diesen Schritt und lenkt ihr bereits sehr eigenständiges Leben in noch selbstbestimmtere Bahnen, ohne Ehemann und Familie. Ein mutiger Schritt in einer Zeit, als in der Werbung und in vielen Zeitschriften ganz deutlich ein Frauenbild wieder erwachte, das Herd, Familie und die stützende Kraft für den Mann in den Mittelpunkt stellte.

Leiterin des Diakonischen Jahres in der Evangelischen Kirche im Rheinland

Nach dem Studium in Heidelberg und Hamburg und dem Theologischen Examen in der Badischen Landeskirche folgt das Vikariat in Mannheim. Ihr erster Berufsschritt bringt sie in eine Führungsposition. Von 1965 bis 1972 leitet sie das „Diakonische Jahr“ in der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Es sind Jahre des gesellschaftlichen und politischen Aufbruchs. Angesprochen fühlt sie sich vom Politischen Nachtgebet von Dorothee Sölle und der Bewegung von Christinnen und Christen, die sich für Veränderungen der politischen Verhältnisse einsetzen.

Gemeindepfarrerin und Beauftragte für Mission und Ökumene in der EKHN

Als 1970 die Synode der EKHN das Antirassimusprogramm des Ökumenischen Rats der Kirchen mit 100.000 Mark aus Haushaltsmitteln unterstützt, war das für Marlies Flesch-Thebesius ein wegweisendes Zeichen. 1972 wird sie Pfarrerin der EKHN mit einem Doppelamt. Sie ist Gemeindepfarrerin in der Alten Nikolaikirche und Beauftragte für Mission und Ökumene im Propsteibereich Frankfurt.

Aktiv in der Frauengruppe gegen Apartheid in Südafrika

Besonders wichtig wird für sie die Arbeit der Frankfurter Frauengruppe gegen Apartheid in Südafrika. Mit dem Aufruf „Kauft keine Früchte aus Südafrika“ unterstützten Frauen aus der EKHN den Widerstand gegen die Apartheid und demonstrierten in der Frankfurter Innenstadt.

Hier kann Marlies Flesch-Thebesius einstehen für Menschen, die aufgrund von rassischen Vorurteilen verfolgt werden, die sie selbst als junger Mensch erfahren hatte. Die Solidarität der Frauen und die Erfahrung, dass man mit Prostest etwas erreichen kann, imponieren ihr.

Autorin und Preisträgerin des Leonore Siegele-Wenschkewitz Preises

Nach ihrer Pensionierung 1983 widmet sie sich der Aufarbeitung der Geschichte ihrer Familie im Dritten Reich. 1988 erscheint ihr erstes Buch „Hauptsache Schweigen – ein Leben unterm Hakenkreuz“. 1993 wird ihr zweites Buch veröffentlicht „Blumen der Steppe - Das Leben der Pfarrerin Erica Küppers“. Eine Pfarrerin der Bekennenden Kirche und später der EKHN, die als Synodale maßgeblich dazu beitrug,  dass 1959 die Rechte der Vikarinnnen  gestärkt wurden.

2005 erhält sie für ihr Buch „Zu den Außenseitern gestellt. Die Geschichte der Gertrud Staewen 1894-1987“ den Leonore Siegele-Wenschkewitz Preis. Eine Auszeichnung, die alle zwei Jahre Beiträge würdigt, die in besonderer Weise die Feministische Theologie oder die Gender Studies in der Theologie vorantreiben.

Bis ins hohe Alter steht sie als Zeitzeugin zur Verfügung und berichtet über die Erlebnisse während des Nationalsozialismus.

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Radius-Verlag

Nach ihrer Pensionierung 1983 widmet sich Marlies Flesch-Thebesius der Aufarbeitung der Geschichte ihrer Familie im Dritten Reich. 1988 erscheint ihr erstes Buch „Hauptsache Schweigen – ein Leben unterm Hakenkreuz“.

Evangelischer Regionalverband

1993 wird ihr zweites Buch veröffentlicht „Blumen der Steppe - Das Leben der Pfarrerin Erica Küppers“. Eine Pfarrerin der Bekennenden Kirche und später der EKHN.

Wichern-Verlag

Für ihr Buch „Zu den Außenseitern gestellt. Die Geschichte der Gertrud Staewen 1894-1987“ erhält sie 2005 den Leonore Siegele-Wenschkewitz Preis.

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.

Lukas 12, 48

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/ekely

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