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Ursula Hauptmann

Jagusch

Mehr Wertschätzung für Frauen im Beruf und Ehrenamt

„Frauen im Beruf“ ist für Ursula Hauptmann bis heute ein wichtiges Thema. Die gelernte Bilanzbuchhalterin wurde 1937 in Ostdeutschland geboren und kam 1957 mit ihrer Mutter und ihrem Bruder aus der DDR nach Westdeutschland. In Frankfurt gab der damalige Gemeindepfarrer der Berufstätigen einen Tipp und legte damit den Grundstein für ihr Engagement in der Frauenarbeit: „Es gibt eine Einrichtung ‘Frau im Beruf‘, das wird sie sicherlich interessieren“.

Diskussionen und Menschenketten

Eine berufstätige Frau war damals noch keine Selbstverständlichkeit“, erinnert sich Hauptmann. „Ich wollte Karriere machen und unabhängig sein.“ Doch in der Kirche fand sich bis dahin wirkliches Angebot für junge alleinstehende Frauen. Die Gruppe „Frau im Beruf“ mit Gründerin Elisabeth Beyersdörfer widmete sich genau dieser Frage und schaffte ein Angebot: „Wir diskutieren über gesellschaftliche und politische Themen und tauschten uns aus“, berichtet Hauptmann. Tatkräftig engagierte sich Hauptmann auch in der daraus entstehenden Friedengruppe. „Wir haben demonstriert, gegen Atomwaffen und Aufrüstung in Frankfurt, in Bonn, in der Eifel, und samstags gab es kirchlich initiierte Menschenketten, das war sehr beeindruckend.“

Widerstands- und Aktionstag 1983

Bei der Frauenwerkstatt „Feministische Theologie“ im September 1983 in Gelnhausen forderten die Frauen den damaligen Kirchenpräsidenten Helmut Hild und die Kirchenleitung auf, Stellung zu beziehen gegen die Stationierung weiterer Mittelstreckenraketen. Bei einem Widerstands- und Aktionstag  im Oktober 1983 wurde die Forderung offiziell überreicht – Ursula Hauptmann mit dabei. „Das war für mich der erste direkte Kontakt mit der Kirchenleitung. Das hat mich sehr beeindruckt und mir war klar: Da will ich weitermachen.“

Forderungen an die Kirchenleitung

Mehr als 20 Jahre engagierte sich Ursula Hauptmann in der Gruppe „Frauen-Frieden“, jeden ersten Montag im Monat gab es Treffen in der Süd-Ostgemeinde in Darmstadt. Aus diesem Engagement heraus entstanden weitere Forderungen an die Kirchenleitung:

- Mehr Frauen in Leitungsämtern - Haupt- und ehrenamtlich
- Die Einrichtung eines Frauenreferats
- Die Einrichtung eines Friedenspfarramts, besetzt mit einer Pfarrerin
- Und der Wunsch nach einer Kirchenpräsidentin

„Gerade auch die Einrichtung des Friedenspfarramt lag mir am Herzen“, sagt Hauptmann. „Wir wollten, dass das Thema Frieden ein fester Bestandteil der kirchlichen Arbeit wird. Da sollte Power hinter sein – wir wollten Verständigung statt Waffen, den ökumenischen konziliaren Prozess begleiten und die Welt zum Besseren verändern.“

Mobilisierung der Protestwelle

Ursula Hauptmann engagierte sich weiter, bei der Ersten Frauenanhörung in der EKHN 1986 in Darmstadt wurden die Forderungen vorgetragen. „Über 400 Frauen waren dort, das war toll – und alle unsere Forderungen wurden umgesetzt, das ist schon eine Leistung!“ Als nach vier Jahren Erprobung die „Arbeitsstelle Frauen“ wieder eingestellt werden sollte, mobilisierten die Frauen eine Protestwelle. „Wir waren sehr präsent“, erinnert sich Hauptmann. „Das kannte die Kirchenleitung so nicht.“ Frauen auf der Empore der Synode, Anzeigen in der Evangelischen Kirchenzeitung, Aufrufe zum Protest, Spendensammlungen und lila Schals als Zeichen der Solidarität, die auch von vielen Männern getragen wurden. Die Protestwelle schaffte es sogar bis in die weltlichen Medien.

Einsatz für die Arbeitsstelle Frauen

„Wir hatten klare Vorstellungen von der Arbeitsstelle Frauen, wir wollten dort eine Sozialwissenschaftlerin, eine Theologin, eine Juristin und eine Verwaltungsfachfrau.“ Dass Kirchenpräsident Peter Steinacker die Arbeitsstelle als Frauenreferat in die Verwaltung integrieren wollte, wurde von den Frauen abgelehnt. „Wir wollten eine unabhängige Einrichtung“, so Hauptmann.  Die Frauen überzeugten die Synodalen, 1996 wurde aus der Arbeitsstelle Frauen eine feste Einrichtung. Heute der Stabsbereich Chancengleichheit in der EKHN.

Wertschätzung des Ehrenamts

„Besonders wichtig war uns auch die Wertschätzung des Ehrenamtes, gerade viele Frauen brachten sich aktiv in die Gemeindearbeit ein. „Es ging uns zum einen um Anerkennung“, sagt Hauptmann. „Vieles was damals Frauen leisteten wurde einfach als selbstverständlich hingenommen. Zum anderen wollten wir, dass die alltäglichen Anliegen von Frauen und ihre besondere Lebenssituation in den kirchlichen Strukturen berücksichtigt werden. Wir wollten Frauen eine Stimme geben und mehr Macht.“ Schulungen für Ehrenamtliche entstanden, Bildungsangebote wurden ins Leben gerufen. 2003 wurde schließlich von der EKHN-Synode die Einrichtung einer Ehrenamtsakademie beschlossen.

Mehr Frauen in Leitung

Mehr Frauen in Leitung, das ist Ursula Hauptmann bis heute wichtig. Trotz allem Erreichten blickt die 80-Jährige kritisch auf die Entwicklungen. „In Frankfurt sehe ich Tendenzen, die fast rückläufig wirken“, sagt sie. „Wir hatten eine Pröpstin, wir hatten eine Vorsitzende des Evangelischen Regionalverbands, das Ganze ist heute weniger ausgewogen“. Für Ursula Hauptmann aber kein Grund zum Verzagen: „Ich denke, wenn alles schief läuft, dann gibt es sicherlich auch heute Frauen, die mobilisieren und für ihre Rechte eintreten.“

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Die Arbeit von Frauen sichtbar machen:

privat

 Ein Anliegen von Ursula Hauptmann.

Demonstrieren für den Frieden

privat

Mitstreiterinnen aus der Frauengruppe Frieden, der Ursula Hauptmann 20 Jahre angehörte.

Protestwelle mit peppigen Anzeigen

Provokant machten die Frauen auf die Notwendigkeit der Arbeitsstelle Frauen aufmerksam.

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von david-hertle / unsplash

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