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Die Bibel in gerechter Sprache

2006 erschien die Bibel in gerechter Sprache und sorgte für ein großes Medienecho. Die Übersetzung des Ursprungstext nahm erstmals die Geschlechtergerechtigkeit in den Blick und machte deutlich, dass und wie Frauen an den Geschehnissen und Erfahrungen der biblischen Texte beteiligt waren und damals wie heute von ihnen angesprochen sind.

Gleichwichtig geht es in der Bibel in gerechter Sprache auch um die Gerechtigkeit im Hinblick auf den christlich-jüdischen Dialog, das heißt um eine Übersetzung, die versucht, auf antijudaistische Interpretationen zu verzichten und um den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit, indem die sozialen Realitäten im Wortlaut der Übersetzung deutlich werden.

Die Bewegung

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Ruf nach einer Neuübersetzung der Bibel immer lauter. Er kam aus drei Richtungen: von der Befreiungstheologie, der Bewegung für die Gleichberechtigung von Frauen und dem christlich-jüdischen Dialog. Die Theologie der Befreiung ist in den 60er und 70er Jahren in Lateinamerika entstanden. Die Armen wurden in den Militärdiktaturen immer stärker unterdrückt. Sie begannen, biblische Texte auf ihre reale Situation zu beziehen und entdeckten Gerechtigkeit als ein zentrales Thema in der Bibel. Daraus schöpften sie die Kraft, sich der Unterdrückung zu widersetzen.

Weg von der einseitig männlichen Perspektive

Etwa zur gleichen Zeit begannen auch Frauen in Europa und in den USA, die Bibel verstärkt aus ihrer Sicht zu lesen. Sie beschäftigten sich mit biblischen Frauengestalten und ärgerten sich, dass in den meisten Texten eine einseitig männliche Perspektive vorherrschte bzw. dass Übersetzungen diese Sicht suggerierten. Der christlich-jüdische Dia log wurde aufgenommen, nachdem die Kirchen in Deutschland ihre Mitverantwortung für die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden eingeräumt haben.

Erste Schritte im Umfeld des Deutschen Evangelischen Kirchentages

Doch erst ab Mitte der 70er Jahre setzten sich vermehrt Christinnen und Christen mit der Bedeutung des Holocausts für die christliche Theologie auseinander. Auf dieser Grundlage wurde es möglich, das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum theologisch zu überdenken. In den USA veröffentlichte der Nationale Rat der Kirchen Anfang der 80er Jahre erstmals die dort im Gottesdienst verwendeten Texte in so genannter inklusiver Sprache. Die ersten Schritte zu einer deutschen Bibelübersetzung in gerechter Sprache wurden im Umfeld der Deutschen Evangelischen Kirchentage gemacht.

Frauen nicht diskriminieren

Ab 1987 befassten sich Frauen aus der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland mit der Frage: Wie muss eine gottesdienstliche Sprache aussehen, die Frauen nicht diskriminiert? Sie überarbeiteten die Lutherübersetzung und die Texte der Guten Nachricht, indem sie z. B. die weit verbreitete Umschreibung des Gottesnamens mit "HERR" durch "GOTT" ersetzten.  Einige ihrer Erfahrungen mit einer frauengerechten Sprache wurden ab 1991 von der Gruppe aufgenommen, die die biblischen Texte für den Kirchentag neu übersetzte.

Liturgische Texte in gerechter Sprache

Ab diesem Zeitpunkt wurden diese Übersetzungen in die Programmhefte der Kirchentage aufgenommen. Sie standen neben Übersetzungen der revidierten Lutherbibel 1984. Zeitweise wurden auch Texte der Einheitsübersetzung abgedruckt. Auch die Reihe „der gottesdienst. Liturgische Texte in gerechter Sprache“, die von Erhard Domay und Hanne Köhler zwischen 1997 und 2001 herausgegeben worden ist, war ein weiterer Schritt hin zu einer vollständigen Neuübersetzung.

Diese Texte sowie die Kirchentagsübersetzungen sind Vorläufer der Bibel in gerechter Sprache. Viele Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinden lasen die neuen Übersetzungen und arbeiteten mit ihnen. Schon bald reichten ihnen diese Teilstücke der Bibel nicht mehr. Sie drängten auf eine neue Übersetzung der gesamten Bibel in gerechte Sprache.

Erste Vorüberlegungen beginnen 1998

Die ersten Vorüberlegungen gab es auf einer Tagung in Kassel 1998. Dort wurde diskutiert, ob die vorhandenen Bibeln geschlechtergerecht, sozial gerecht und gerecht gegenüber Jüdinnen und Juden übersetzt sind. Die Diskussionen führten dazu, dass 2001 in der Reihe „der gottesdienst. Liturgische Texte in gerechter Sprache“ Band 4: „Die Lesungen“ erschien.

Im gleichen Jahr fand Ende Oktober in der Evangelischen Akademie Arnoldshain eine Tagung zu inklusiver Sprache statt. Am Reformationstag gründete sich dort ein Kreis von Theologinnen und Theologen, die planten, eine neue Bibelübersetzung herauszugeben. 52 Übersetzerinnen und Übersetzer wurden gewonnen, ebenso ein 15-köpfiger Beirat, der das Projekt von Beginn an begleitete, förderte und unterstützte.

Große ehrenamtliche Leistung

Herausgabekreis, Beirat, Übersetzerinnen und Übersetzer und die Spendenbeauftragte arbeiteten von Anfang an ehrenamtlich.Wichtig war die Bereitschaft des Gütersloher Verlagshauses, ein Risiko einzugehen, längst bevor ein wirtschaftlicher Erfolg absehbar war.

Unterstützung durch die EKHN

Die Evange­lische Kirche in Hessen und Nassau hat sich von der Idee einer neuen Bibelübersetzung überzeugen lassen. Sie richtete für fünf Jahre eine Projektstelle ein. Der Beschluss der Kirchenleitung dazu lautet:„Die Bibel ins Gespräch zu bringen und für eine neue Generation attraktiver und zugänglicher zu machen, bleibt eine genuin kirchliche Aufgabe, und ein kirchlicher Kontext ist für dieses Projekt mithin unverzichtbar.“ Die Projektstelle hatte bis zum 31. Oktober 2006 Pfarrerin Hanne Köhler inne

Die Bibel in gerechter Sprache ein ökumenisches Projekt

Das Projekt ist ökumenisch angelegt, sowohl was die Beteiligung von Übersetzenden als auch was die Verwendbarkeit der Bibel betriff t. Dass dennoch die Mehrzahl der 52 Übersetzenden einen protestantischen Hintergrund hat, liegt vor allem daran, dass die Wurzeln des Projekts in den Übersetzungen für die Deutschen Evangelischen Kirchentage sowie dem Band mit Lesungen für evangelische Gottesdienste liegen. Es sind aber auch katholische Theologen und Theologinnen an den Übersetzungen, im Herausgabekreis und im Beirat beteiligt. Vom Umfang her ist die Bibel in gerechter Sprache ökumenisch verwendbar, denn sie umfasst auch die so genannten Deuterokanonischen Bücher oder Apokryphen, die in der römisch-katholischen Kirche zur Heiligen Schrift gehören.

Wer hat mitgearbeitet?

Alle 52 Übersetzenden sind ausgewiesene Bibelwissenschaftlerinnen und Bibelwissenschaftler. Sie kommen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Alle sprechen Deutsch als Muttersprache. Sie stüt­zen ihre Übersetzungen auf Forschungsarbeiten über die biblischen Bücher, die sie jeweils übersetzen. Sowohl evangelische als auch römisch-katholische Theologinnen und Theologen sind unter ihnen. Viele haben Lehrstühle an Hochschulen in der Schweiz, Deutschland, USA, Belgien und den Niederlanden. Dass unter den Übersetzenden etwa 80 Prozent Frauen sind, ist eine Besonderheit. An den vorhandenen deutschsprachigen Bibelübersetzungen haben bislang keine Frauen mit übersetzt.

Herausgeber und Verein

Der Herausgeberkreis der Bibel in gerechter Sprache umfasste dreizehn Theologinnen und Theologen, von denen viele gleichzeitig mit übersetzt haben. Seit November 2012 arbeitet der Herausgabekreis der Bibel in gerechter Sprache in neuer Arbeits- und Organisationsform: Als eingetragener Verein „Bibel in gerechter Sprache e.V.“ lassen sich die mit der Übersetzung verbundenen Ziele unaufwändiger und unkomplizierter weiter verfolgen, gerade auch im Bereich der Bildungsarbeit.

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Werben für die gerechte Sprache in Gottesdienst und Kirche auf dem Kirchentag in Frankfurt 1987.

Frauenforum auf dem Kirchentag 1987 in Frankfurt am Main.
Weiteres Novum: Erstmals leitete eine Frau den Deutschen Evangelischen Kirchentag: Präsidentin Eleonore von Rotenhan.

Dr. Hanne Köhler war von 2001 bis 2006 Inhaberin der Projektstelle „Bibel für das neue Jahrtausend - Die Testamente in gerechter Sprache“ und gab die „Bibel in gerechter Sprache“ mit heraus. Heute ist sie u.a. Vorsitzende des Vereins zur Förderung Feministischer Theologie in Forschung und Lehre.

Hanne Köhler bei Wikipedia

Zum Beirat der Bibel in gerechter Sprache gehörten 15 Personen.

 

Den Vorsitz hatte Prof. Dr. Peter Steinacker, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

 

Heidi Rosen­stock war Geschäftsführerin.

Lobe den HERRN, meine Seele,
und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat.

Psalm 103, 2

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/issalina

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