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Theologinnengeschichte

privatDie erste Frankfurter Gemeindepfarrerin Waltraud Hübner 1963 bei der Grundsteinlegung der Heimatkirche in Zeilsheim.

Der Weg der Frauen ins Pfarramt

Im Dezember 1949 verabschiedet die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau eine richtungsweisende Verordnung mit der erstmals in der EKHN die Ordination von Frauen - mit Einschränkungen - ermöglicht wird. Erst 1971 werden Frauen und Männer im pfarramtlichen Dienst rechtlich gleichgestellt.

Die Verordnung 1949 geht zurück auf ein nassauisches Kirchengesetz von 1930. Dieses ließ Theologinnen erstmals zu kirchlichen Ämtern zu und gewährte ihnen die Ordination. Die damit verbundenen Sakraments- und Verkündigungsrechte wurden allerdings auf eigens zu errichtende Ämter beschränkt, die – so hielt es das Gesetz fest – „kein Gemeindepfarramt im herkömmlichen Sinne“ sein durften. Das Pfarramt der Frau ist seinem Ursprung nach somit ein Sonderpfarramt, dessen Funktionsbereich zunächst auf die Arbeit mit Mädchen, Frauen und Kindern begrenzt wird.

Trotz Vollausbildung nur Vikarinnen-Titel

1950 wird in der EKHN die erste Pfarrstelle für eine Theologin errichtet und mit Katharina Staritz besetzt. Sie erhält die Vikarinnenstelle für Frauenarbeit im Gesamtverband Frankfurt am Main und einen Predigt- und Seelsorgeauftrag an der St. Katharinen-Gemeinde. Sie ist damit zwar die erste Frau in Hessen, die eine Pfarrstelle erhält, dennoch muss sie immer noch den Titel Vikarin tragen.

Weniger Gehalt und Heiratsverbot

Im selben Jahr, am 3. Mai 1950, wird Elisabeth Buchholz in Gießen als erste Theologin in der EKHN ordiniert. Ihr folgt am ersten Advent Erica Küppers, die von Kirchenpräsident Martin Niemöller in der Frankfurter Katharinenkirche ordiniert wird. Obwohl zahlreiche Theologinnen während des 2. Weltkrieges Vertretungsdienste in Gemeinden übernommen hatten, erhalten die Vikarinnen keine definitive Anstellung und arbeiten für nur 80 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen. Darüber hinaus müssen sie bei Eheschließung aus dem Amt ausscheiden.

1955 wird der Titel „Pfarrerin“ eingeführt

1955 hebt die Synode der EKHN als erste Landeskirche in Deutschland die Gehaltsunterschiede zwischen Pfarrerinnen und Pfarrern auf. Drei Jahre später verabschiedet der Bundestag den staatlichen Gleichberechtigungsparagrafen, und die pfälzische Nachbarkirche erlässt das erste so genannte „Pfarrerinnengesetz“, das den Rechts- und Versorgungsunsicherheiten der Theologinnen endlich ein Ende bereitet. 1959 folgt die Synode der EKHN dem pfälzischen Beispiel und verabschiedet mit überwältigender Mehrheit ihr über lange Jahre erarbeitetes Pfarrerinnengesetz.

Abschreckend: die Zölibatibatsklausel

Die Vikarinnen werden nun auf Lebenszeit in den Dienst der EKHN berufen und tragen den Titel „Pfarrerin“, allerdings betrifft das 1959 gerade einmal sechs Frauen. Auch in den sechziger Jahren steigt ihre Zahl nur knapp über zwanzig. Wirksamstes Instrument des Ausschlusses von Frauen aus dem Pfarramt ist die aus dem Beamtenrecht übernommene Zölibatsklausel, die sowohl in der Privatwirtschaft als auch im Staatsdienst bis in die 60er Jahre üblich ist.

1968 wird die Eheschließung erlaubt

Ende 1968 verabschiedet die Synode der EKHN eine Neuregelung des problematischen Paragraf 5 des Pfarrerinnengesetzes. Die Pfarrerin muss nicht länger mit der Eheschließung aus dem Amt ausscheiden, sondern die Kirchenleitung kann auf Antrag der Pfarrerin eine Beurlaubung auf Zeit gewähren bzw. einen beschränkten Dienstauftrag erteilen. Aus der starren Zölibatsklausel wird damit eine flexible erste Elternzeitregelung. Die ersten verheirateten Theologinnen, die ordiniert werden, sind 1969 Eveline Clotz und Renate Weber.

Dasselbe Dienstrecht für Pfarrer und Pfarrerinnen

1971 tritt das von der Synode verabschiedete einheitliche Dienstrecht für Pfarrer und Pfarrerinnen in Kraft. Es übernimmt aus dem Pfarrerinnengesetz die Elternzeitregelung, die nun auch von Männern in Anspruch genommen werden kann. Diese Innovation wird sowohl intern als auch durch die EKD zunächst heftig kritisiert, da sie das traditionelle Männerbild aufweicht. Das gemeinsame Dienstrecht eröffnet somit nicht nur den Frauen neue Perspektiven. Der Weg der Theologinnen zu ihrer rechtlichen Gleichstellung im Pfarramt ist damit nach einem halben Jahrhundert an sein Ziel gelangt.

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Zeittafel Theologinnengeschichte der EKHN

  • 1907: Carola Barth, geb. 1879, promovierte als erste Frau in Jena vor der Theologischen Fakultät.
  • 1930: Die Evangelische Landeskirche in Nassau ermöglicht die Ordination von Theologinnen.
  • 1950: Die erste Pfarrstelle für eine Theologin wird errichtet und mit Katharina Staritz besetzt.
  • 1950: Als erste Theologinnen werden Elisabeth Buchholz und Erica Küppers ordiniert.
  • Für Vikarinnen ist eine eigene Amtstracht vorgesehen: statt Beffchen sind weiße hemdblusenähnliche Kragen vorgeschrieben.

Mehr zu den Unterschieden von Frauen und Männern im Pfarramt der EKHN vor 1971

  • 1955: Das Gehalt der „Vikarinnen“ wird dem der Pfarrer gleichgestellt. 
  • 1959: Frauen können unter bestimmten Bedingungen in ein Gemeindepfarramt berufen werden und sich „Pfarrerin“ nennen.
  • 1969: Die Zölibatsklausel wird außer Kraft gesetzt. Eveline Clotz und Renate Weber werden als erste verheiratete Theologinnen nachordiniert.
  • 1961: Die erste Gemeindepfarrerin in Frankfurt ist Waltraud Hübner in Zeilsheim-Taunusblick.
  • 1971: Frauen und Männer sind im pfarramtlichen Dienst rechtlich gleichgestellt.
  • 1987 erstmalig wird eine Frau in der EKD in ein bischöfliches Amt gewählt: Helga Trösken, Pröpstin in Frankfurt
  • 2004: Das Pfarrgesetz wird geschlechtergerecht formuliert und Pfarrerinnen werden sprachlich sichtbar.

Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.

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