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Geschichte der evangelischen Frauenhilfe auf dem Gebiet der EKHN

EFHN / Frauenhilfe BabenhausenFrauenkreis Babenhausen-HarreshausenDie Vorstandsfrauen (und ein Mann!) des Frauenkreises Babenhausen-Harreshausen

mit Entwicklung der Evangelischen Frauenhilfe und
der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau e.V.

Seit über 100 Jahren leben Frauen in der EKHN gemeinsam ihren Glauben. Organisiert als Frauenhilfe wirken sie mit ihrer Arbeit weit in die Gesellschaft hinein. Ob Weltgebetstag, Hilfe für Familien in Not, Bildungsarbeit oder Weihnachtsbasare - ohne Frauen wäre Kirche vor Ort undenkbar. 

Wie alles begann: Die Gründungsjahre (1900 - 1914)

Um die Jahrhundertwende begannen evangelische Frauen vermehrt sich selbständig kirchlich zu organisieren. Frauen mischten sich in örtliche soziale und wohlfahrtpflegerische Belange ein. Sie taten das mit klarem Bezug auf ihre christlichen Ideale – und aus der Sicht von Frauen. Um ihre Arbeit zu stärken, wurde am 1. Januar 1899 unter dem Protektorat der Kaiserin Auguste Viktoria die Evangelische Frauenhilfe in Deutschland gegründet. 

1900 gründete sich auch in Hessen die erste „Frauenhülfe des Evangelisch-Kirchlichen Hülfsvereins“ im Bezirk Wiesbaden. Aus der individuellen christlichen Liebestätigkeit wurde gesellschaftliches soziales Engagement: Evangelische Frauen kümmerten sich als Diakonissen um Arme und Kranke und errichteten Kindergärten. Erstmals gab es sogenannte Berufsarbeiterinnen. Um die Frauenhilfe in Hessen zu bündeln, entstand 1907 der Verband Evangelisch-Kirchlicher Frauenvereine in Hessen e.V. Eine Sensation, denn damals gab es für Frauen nur wenige Möglichkeiten, sich gesellschaftlich zu engagieren. Sie durften nicht wählen; in Preußen war es ihnen sogar verboten, Mitglied eines politischen Vereins zu werden.

Frauenpflichten in Kriegszeiten: Erster Weltkrieg und Weimarer Republik (1914 - 1933)

privat / Archiv EFHNFrauen packen Pakete für Soldaten an der FrontFrauen packen Pakete für Soldaten an der Front

Während des Ersten Weltkriegs gelang der Evangelischen Frauenhilfe eine beispiellose Mobilisierung der Basis. Die Mitgliederzahlen stiegen eindrucksvoll. Der Schwerpunkt der Arbeit lag an der „Heimatfront“: Die Frauenhilfe betreute Frauen und Kinder gefallener Soldaten, organisierte Unterkünfte für Stadtkinder und half Müttern dabei, Arbeit zu finden. Als Gemeindeschwestern und Diakonissen arbeiteten die Frauen in den Lazaretten, bildeten Krankenpflegerinnen aus und leisteten seelischen Beistand. 

Noch während des Krieges nahm der nassauische Verband auch Frauenhilfegruppen aus Frankfurt auf und änderte seinen Namen in „Frauenhülfe des Evangelisch-Kirchlichen Hülfsverein in den Konsistorialbezirken Wiesbaden und Frankfurt am Main e.V.“. 1932 hatte der hessische Verband nach 25 Jahren 215 angeschlossene Vereine und 38.000 Mitglieder. 1938 gründete er die „Vereinigung Evangelischer Frauenvereine Deutschlands“ (VEFD, später EFD) mit.  

Zwischen Anpassung und Widerstand: Nationalsozialismus (1933 - 1945)

1933 unterstützten viele evangelische Frauen die Ziele der Nationalsozialisten. Im sogenannten Kirchenkampf zwischen den Deutschen Christen und den Vertretern der Bekennenden Kirche verpflichtete sich der Verband in Hessen „zur unbedingten Neutralität im kirchen-politischen Streit“. Zugleich wurde festgestellt: „Die Evangelischen Frauenhilfe gehört der Arbeitsgemeinschaft der missionarischen und diakonischen Werke an. Sie macht sich das entscheidende Anliegen der Bekennenden Kirche zu eigen, ohne ihr organisatorisch unterstellt zu sein.“

Lange glaubten die Frauen, auch unter dem Regime der Nazis weiterhin sozial-diakonisch tätig sein zu können. Doch es dauerte nicht lange, bis Repressalien auch gegenüber der Frauenarbeit zunahmen: In Hessen mussten die Mütterschularbeit, Kindergärten und Pflegeeinrichtungen an die Nationalsozialisten übergeben werden. Auch hat sich gezeigt, dass sich regimetreue Frauen nicht lange in den Frauenhilfegruppen hielten.

In den Verbänden konzentrierte sich die Arbeit daraufhin auf „die Wortverkündigung und die stillen Werke der Nächstenliebe“. In vielen Gemeinden hielten Frauen das kirchliche Leben aufrecht. Innerhalb der Frauenarbeit gewann die Bibelarbeit eine vorher nie da gewesene Bedeutung. Dabei vollzog sich ein Paradigmenwechsel: Frauen erarbeiteten sich gemeinsam „Deutungsmacht“ über den Text. Nicht mehr, was „eigentlich“ gemeint ist, stand im Zentrum, sondern das, was für Frauen in ihrer jeweiligen Lebenssituation stärkend und ermutigend ist.

Bei Kriegsende war die Arbeit der Verbände in Hessen-Nassau eingeschränkt. Der Kontakt untereinander, zu den Gemeinden und den Müttererholungsheimen in Trautheim und Eppstein war jedoch nie abgebrochen. Beide Heime blieben – trotz Zwangsbelegung im Dritten Reich – in der Trägerschaft der Verbände und konnten die Arbeit ab 1945 wieder aufnehmen.

Von der Trümmerfrau zur „modernen Hausfrau“: Wirtschaftswunderjahre (1945 - 1968)

privat / Archiv EFHNNähkurse in MütterschulenNähkurse in Mütterschulen

In den 50er Jahren wurde von den Frauen erwartet, dass sie die gewonnene Verantwortung in Familie und Öffentlichkeit wieder in die Hände der Männer legen, die Hausfrauenehe war das Ideal der Zeit und die Müttergenesungsarbeit wuchs im gesamten Bundesgebiet. Gleichzeitig betraten die Evangelische Kirche und Evangelische Frauen Neuland in der Ökumene und im Weltgebetstag, wo sie zunehmend auch Fragen der Gleichwertigkeit der Geschlechter diskutierten. 1948 gründete sich die Evangelische Frauenarbeit in Hessen und Nassau, ein Zusammenschluss selbstständiger Verbände und Gruppen mit überregionalen Aufgaben. Sie erweiterte ihre Ziele und beschloss, das politische Bewusstsein von evangelischen Frauen zu fördern. 1950 wurde in der EKHN auf Betreiben des Stadtverbands der Evangelischen Frauenhilfe in Frankfurt die erste Pfarrstelle für eine Theologin errichtet und mit Katharina Staritz besetzt. Diese war die erste ordinierte Pfarrerin der EKHN. Drei Jahre später entstand der Landesverband der Evangelischen Frauenhilfe in Hessen und Nassau e.V. 

Der lange Weg zu einer gerechten Gemeinschaft von Frauen und Männern: Gegenwart (1968 bis heute)

Rosel Tews / Archiv EFHNJahreshauptversammlung 2006 EFHNJahreshauptversammlung 2006

Mit den sich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnissen veränderten sich auch die Aufgaben der Evangelischen Frauenarbeit: weg vom Schwerpunkt Diakonie, hin zum Fokus Bildung. Die in den 50er Jahren begonnene Arbeit der evangelischen Familien-Bildungsstätten, die ursprünglich Frauen in der Hausarbeit und der Kindererziehung unterstützen sollten, begann zunehmend die ganze Familie in den Blick nehmen. Darüber hinaus blieb die Evangelische Frauenhilfe weiterhin in der Gemeindearbeit vor Ort aktiv – mit gemeinsamen Frauenhilfenachmittagen und Ausflugsfahrten, Bibelarbeiten und Gottesdiensten, Kirchenkaffees und Adventsbasaren.

Auch organisatorisch setzte ein Strukturwandel ein: 2005 schlossen sich die Evangelische Frauenhilfe in Hessen und Nassau e.V. und die Evangelische Frauenarbeit in Hessen und Nassau nach langjährigen Verhandlungen zum Verband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V. zusammen. Er vertritt bis heute als Dach- und Fachverband evangelische Frauenhilfegruppen, Frauenvereine und Frauenverbände in der EKHN. 

Im Mai 2007 schlossen die EKHN und der Verband einen Kooperationsvertrag mit dem Auftrag, die Arbeit mit Frauen und Familien in der EKHN zu gestalten. Bei Wahrung der Unabhängigkeit des Verbands von der verfassten, offiziellen Kirche wurde es zu einer erklärten Absicht und Aufgabe, sich stetig anzunähern. Ein kontinuierlicher Austausch und die Vernetzung verbandlicher und hauptamtlicher Strukturen ebnet den Weg zu einem fruchtbaren Miteinander.

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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von david-hertle / unsplash

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