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Jubiläum der Widerstandskämpferin

100 Jahre Sophie Scholl: Die junge Frau hinter dem Mythos

Rudolf Uhrig/EKHN

Sophie Scholl gehörte zur Widerstandsgruppe der „Weißen Rose“ in München. Gemeinsam mit ihrem Bruder Hans und dem gemeinsamen Freund Alexander Schmorell verteilte sie Flugblätter gegen die Nationalsozialisten. Ihr Widerstand gegen das Unrecht im NS-Staat kostete sie das Leben. Am 9. Mai wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Fundus.de/Birgit ArndtSophie Scholl wird in Ruhmeshalle Walhalla verewigt

[Epd/sk] Ungezählte Schulen, Plätze und Straßen wurden nach Sophie Scholl benannt. Ihre Büste steht in der Ruhmeshalle der Walhalla und in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in Berlin. Beim Luther-Moment wurde ihr Gesicht multimedial inszeniert. Sophie Scholl wird verehrt wie eine Heilige. Sie ist ein Symbol für beispielhafte Zivilcourage und Widerstand gegen die Hitler-Diktatur. Doch wer war diese junge Frau, die bekannt in aller Welt ist und zu einem Gewissen der Deutschen geworden ist?

Keine unfehlbare Heldin

„Sophie Scholl bietet eine große Identifikationsfläche für junge Menschen“, sagt Anke Kaloudis, Studienleiterin im Religionspädagogischen Institut der EKHN in Frankfurt. Gerade in Zeiten von wachsendem Antisemitismus und zunehmendem Rechtsruck in der Gesellschaft könne Scholl für Jugendliche eine große Relevanz haben. „Sie ist ein Vorbild auf Augenhöhe“, sagt Kaloudis und verweist auf das junge Alter der Widerstandskämpferin.

Ähnlich sieht es Matthias Blöser vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN: „Sophie Scholl hatte Mut und Courage, verspürte den Drang etwas zu verändern. „Und dabei war ihr bewusst, dass ihre kleine Widerstandsgruppe allein Hitler nicht würde stürzen können, aber dennoch hat sie sich für Freiheit und Gerechtigkeit eingesetzt.“ Die junge Frau sei vor allem auch deshalb eine spannende Figur, weil sie keine unfehlbare Heldin gewesen sei, sagt Matthias Blöser und verweist unter anderem auf ihre sieben Jahre bei der Hitlerjugend. „Ihre Biografie zeigt: Selbst, wenn ich Fehler gemacht habe, kann ich dazu lernen, kann mich verändern, kann meinen Blick weiten und zum Beispiel bei Alltagsrassismus oder Sexismus Haltung zeigen“, so Blöser.

Flugblätter lassen das NS-Regime zittern

Wer war Sophie, der Mensch, das Mädchen hinter dem Mythos? "Eine feine Eigenwilligkeit (…) gepaart mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl", schrieb ihr die vier Jahre ältere Schwester Inge zu. Scholl und ihre Mitstreiter der Weißen Rose hatten von Juni 1942 bis April 1943 mit Flugblättern zum Kampf gegen die Nazis aufgerufen. Sophie Scholl und sechs weitere Mitglieder bezahlten dies mit dem Leben.

Alexander Schmorell und Sophies älterer Bruder Hans Scholl verfassen die ersten vier Flugblätter. Sie entstehen in Schmorells Elternhaus, Auflage jeweils 100 Stück, die sie vor allem an Akademiker in München verschicken. Im Januar und Februar 1943 entstehen zwei weitere Flugblätter. Alle werden sorgfältig vorbereitet und redigiert. Der Weißen Rose ist eine überzeugende philosophische und theologische Begründung wichtig. Die Gestapo intensiviert die Fahndung nach der Gruppe.

Mit einem neuen Vervielfältigungsapparat steigen die Auflagen nun - auf Tausende Exemplare. Per Kurier oder Post werden die Flugblätter nach Ulm, Stuttgart, Freiburg, Hamburg oder Chemnitz und in einige österreichische Städte gebracht. Am 18. Februar gegen 11 Uhr legen die Geschwister Scholl das sechste Flugblatt vor den Hörsälen im Hauptgebäude der Münchner Universität aus. Überzählige Blätter lassen sie in den Lichthof fallen und werden dabei von einem Hausmeister gefasst.

Im Prozess kommen die Angeklagten kaum zu Wort

Nach einem kurzen Volksgerichtsprozess im Münchner Justizpalast, in dem die Angeklagten kaum zu Wort kamen, werden Sophie, Hans und Christoph nur vier Tage nach ihrer Verhaftung am 22. Februar zurück nach Stadelheim gebracht. Um 17 Uhr wird Sophie Scholl über den Gefängnishof in den Raum mit der „Fallschwertmaschine” geführt. Ruhig und gefasst war sie, steht im Protokoll.

1942 war ein Wendejahr für die Familie. Die Verhaftung des Vaters und einige Jahre zuvor ihres Bruders, die Entwicklung des Kriegs sowie die katastrophalen Berichte von der Front - es gibt viele Spuren, die bei Sophie Scholl dazu geführt haben, sich den Nazis entschlossen entgegenzustellen.

„Es geht, wie Gott will.”

Wesentliches wurzelt wohl in der Familie: im Pazifismus der Eltern, in der Frömmigkeit der Mutter. Die Familie Scholl stammt aus Hohenlohe, dem fränkisch geprägten Nordosten Württembergs. Sophie wurde am 9. Mai 1921 als viertes Kind von Lina und Robert Scholl in Forchtenberg geboren. Das Lebensmotto der Mutter: „Es geht, wie Gott will.”

1932 zog die Familie Scholl nach Ulm. Anders als ihre Kinder, die - ganz dem Zeitgeist folgend - mit wehenden Fahnen sich vom Gemeinschaftsideal des Nationalsozialismus betören ließen, lehnten die Eltern Scholl den Faschismus ab. 1933 tritt Hans dem "Jungvolk" bei und wird in kürzester Zeit Scharführer. Im Jahr 1934 macht es ihm Sophie Scholl beim Bund Deutscher Mädel (BDM) als Jungmädelführerin nach.

Zunächst Anhängerin des NS-Regimes

Im Jungmädelbund wurden Sophie Scholl und Susanne Hirzel (1921-2012) Freundinnen. "Sie war wie ein feuriger wilder Junge und trug die dunkelbraunen glatten Haare im Herrenschnitt. Sie war lebhaft, keck (…) und von einer göttlichen Schlamperei", erinnerte sich Hirzel 1946 in einem Schreiben an Ricarda Huch. Scholl war viele Jahre ein fanatisches Hitlermädchen. Klassenkameradinnen beschrieben die 16-Jährige als gefürchtete „150-prozentige Anhängerin des Nazi-Regimes“.  Sophie Scholls Zweifel an dem NS-Regime wurden wach als sie 1941/42 ein halbes Jahr lang in einem Kinderhort in Blumberg im Schwarzwald ­einen „Kriegshilfsdienst“ ableisten musste.

Kam die innere Freiheit und Widerständigkeit der Scholl-Geschwister aus dem protestantischen Glauben, wie ihn ihre tiefreligiöse Mutter vermittelte und vorlebte? Oder gab es 1941 eine religiöse Wende, eine Art Erweckung unter dem Einfluss des katholischen Ulmer Freundes Otl Aicher und des katholischen Hochlandkreises? Das sieht zumindest der katholische Theologe Jakob Knabe in seiner 2018 erschienenen Biografie „Ich schweige nicht: Hans Scholl und die Weiße Rose” so.

„Ihr werdet in die Geschichte eingehen.”

Viel Zeit blieb den Eltern nicht, sich von ihren Kindern zu verabschieden. Sie waren nach Stadelheim gehetzt, ihnen blieben zehn Minuten. Robert Scholl umarmte Hans und Sophie im Besuchsraum über die Brüstung hinweg und sagte: „Ihr werdet in die Geschichte eingehen.” Sophie antwortete: „Das wird Wellen schlagen.” Ganz nahe seien sie sich gewesen, schreibt die Mutter später. Sie habe zu Sophie gesagt: „Aber gelt, Jesus”. Und Sophie habe geantwortet: „Ja, aber Du auch.”

Mutter Lina Scholl hält nach Sophies Tod schriftlich fest, ihre Tochter sei nun ganz bei Gott - eine Märtyrerin, die am Ende ihren christlichen Glauben bekräftigte. [epd]

Projekt auf Instagram

Die letzten zehn Monate im Leben der NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl stehen im Mittelpunkt eines Instagram-Projekts. Auf dem Kanal @ichbinsophiescholl können Nutzer in Echtzeit am Leben der 21-jährigen Sophie Scholl, gespielt von Luna Wedler, teilhaben. Die Story beginnt an dem Tag, an dem Sophie, die am 9. Mai vor 100 Jahren in Forchtenberg (Hohenlohe) geboren wurde, mit dem Zug zum Studium nach München fährt.

Der Kanal gewährt einen Einblick in Sophie Scholls Alltag und erzählt unter Einbeziehung von historischem Originalmaterial ihren Weg zu beispielhafter Zivilcourage im Widerstand, schreibt der Sender weiter. Geschildert werde, wie die junge Frau in den jungen Widerstandskreis der Weißen Rose eintaucht und Zweifel an ihrer Liebesbeziehung zu ihrem Freund Fritz durchleidet.

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Was auch geschehen mag,
welcher Virus die Welt in Schrecken versetzt
oder welche selbstverschuldeten Emissionen unsere Schöpfung
und ihr Klima in die Knie zwingen,
welche Berge im übertragenen Sinne auch umfallen,
Gott hat versprochen „meine Gnade soll niemals von dir weichen
und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.“

(Anke Leuthold zu Jesaja 54,10)

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