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Vom Heimkind zum Familienvater

Film über das Leben eines ehemaligen „Heimkindes“

Bildquelle: ekhn, mclipHeinz-Dieter SchreyerIn der Lebensgeschichte von Heinz-Dieter Schreyer hat insbesondere seine Zeit im Kalmenhof tiefe Spuren hinterlassen

Heinz-Dieter Schreyer meistert sein Leben. Das ist nicht selbstverständlich. Er wuchs unter schwierigen Bedingungen in Heimen in evangelischer und staatlicher Trägerschaft auf. Im Kalmenhof in Idstein erlebte er Beschämungen und körperliche Strafen. Im Film reflektiert er seine Erlebnisse, sein Verhalten und einige Entscheidungen, die er getroffen hat.

Trigger-Warnung: Diese Seite benennt Gewalt als das, was sie ist – Unrecht. Dies kann belastend und retraumatisierend wirken. Bitte achten Sie auf sich.

Die EKHN hat im Sommer 2021 den Film „Problematische Heimat. Ein Beispiel für eine Kindheit im Heim & die Suche nach dem eigenen Ich“ auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht. Der Film will dazu beitragen, die Schicksale ehemaliger „Heimkinder“ empathisch erfahrbar zu machen. Der knapp 40-minütigen Film ist auch als Lernimpuls gedacht, beispielsweise in Bildungseinrichtungen. 

In der Lebensgeschichte von Heinz-Dieter Schreyer hat insbesondere seine Zeit im Kalmenhof tiefe Spuren hinterlassen. Heinz-Dieter Schreyer berichtet in dem Film über die Bestrafung eines Erziehers: „Er hat mit beiden Händen voll auf meine Ohren geschlagen. Ich habe erstmal nichts gehört. Ich habe einen solchen Druck und einen solchen Schmerz gehabt, das ist unvorstellbar.“ Dazu kamen noch seelische Narben: „Angst und Macht – diese beiden Komponenten habe ich mein Leben lang getragen. Heute noch.“ 

Aufarbeitung – den Betroffenen eine Stimme geben

Der Film ist Teil der Aufarbeitungsarbeit der EKHN. Auch wenn die EKHN kein direkter Träger von Einrichtungen der Heimerziehung war, da diese meist von der Diakonie oder unabhängigen evangelische Stiftungen betrieben wurden, setzt sich die Landeskirche für die Anerkennung erlittenen Unrechts ein. Betroffene erhalten Unterstützung, doch das Leid Betroffener durch körperliche und seelische Gewalttaten kann durch eine Aufarbeitung struktureller Missstände nicht beseitigt werden. Es gilt wahrzunehmen, was Menschen auch in evangelischen Einrichtungen widerfahren ist. Ein Ziel der Film-Dokumentation ist es, den damals Weggesperrten, Nichtgehörten und Nichtgesehenen eine Stimme zu geben. 

Bewusst werden über die eigene Entscheidungskraft

Der Film zeigt das Ringen Heinz-Dieter Schreyer um seinen eigenen Lebensweg und selbstbestimmte Beziehungen. Dabei wird sein persönliches Schicksal mit Themen wie Selbstverständnis der Heimerziehung sowie deren pädagogischen Grundannahmen und Grundansätze, Menschenbild, Qualitätsansprüche und Notwendigkeiten verknüpft. Es ist Heinz-Dieter Schreyer später gelungen, einen Beruf zu ergreifen und eine eigene Familie zu gründen. Mit den Zuschauerinnen und Zuschauern des Films teilt er seine Erfahrung: „Und urplötzlich fliegt von oben ein Vogel. Ich habe ihn genommen. Und mir ist bewusst geworden, dass ich auch eine Entscheidungskraft habe. Ich kann entscheiden: Drücke ich die Hand zu – oder nehme ich ihn und setze ihn in die Freiheit.“ 

Filmproduktion

Drehbuch entwickelt, Regie geführt und an der Produktion beteiligt waren Dr. Petra Knötzele, Leiterin für Personalrecht in der EKHN, und Anette Neff, M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin für historische Aufarbeitung und Erinnerungskultur der EKHN. Umgesetzt wurde das Filmprojekt von der Produktionsfirma mo-clip, Griesheim.

Null Toleranz bei Gewalt: Aufarbeitung

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In der Konzentration auf das, was ist,
kann sich so etwas wie ein Raum öffnen,
ein Gewahrsam schärfen für die Gegenwart Gottes.

(Carsten Tag)

Carsten Tag

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages / rusm

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