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29. Juli: Welttag gegen Menschenhandel

Menschenhandel: Wenn Frauen zu Sklavinnen werden

Getty Images

Sie wollen ihr Leben verändern und landen in einem Albtraum. Jedes Jahr geraten junge Frauen in die Hände von Menschenhändlern. Das Ziel: Deutschlands Bordelle, Restaurants und andere Branchen. Hilfe finden sie in kirchlichen Beratungsstellen oder Hilfsvereinen.

Es war kurz nach ihrem 18. Geburtstag, als Helens Onkel zu ihr kam und von einer Arbeit in Deutschland erzählte. Er habe schon Kontakte zu einer Madame, einer Mittelsfrau. Für Helen schien ein Traum in Erfüllung zu gehen. Doch dann begann der Albtraum. Bereits in Libyen wurde sie zur Prostitution gezwungen, später dann in Italien. Dort musste sie einen Asylantrag stellen. Was sie schreiben sollte, gab ihr die Madame vor.

Kirchliche Beratungsstellen: Nur wenige Frauen rufen um Hilfe

Nach Monaten gelang Hellen die Flucht, die sie nach Norddeutschland verschlug. Ihre Betreuerin in der Erstaufnahmestelle wandte sich an „contra SH“, der Fachstelle gegen Frauenhandel in Schleswig-Holstein. „Contra SH“ ist die einzige Beratungsstelle dieser Art in Schleswig-Holstein, finanziert vom Land und dem Frauenwerk der Nordkirche.

Die Frauen werden über ihr wahres Leben getäuscht

Asylantrag, einen Schulabschluss machen, eine Tagesmutter für die inzwischen geborene Tochter – langsam stabilisierte sich Helens Situation. „Rund ein Viertel der Frauen, die Opfer durch Menschenhandel geworden sind, meldet sich selbst bei uns“, sagt Claudia Rabe, Koordinatorin bei „contra SH“. Fälle wie diese kennt auch Gaby Wentland. Sie ist Vorsitzende des Vereins „Mission Freedom“, der sich in Frankfurt und Hamburg für die Freiheit von Frauen aus Menschenhandel und Zwangsprostitution einsetzt.

Oft sind es Bekannte, Freunde oder auch Familienmitglieder, die die jungen Frauen in ihren Herkunftsländern rekrutieren“, erzählt sie. „Daher ist es so schwierig, wenn die Polizei die Frauen später fragt, ob sie denn freiwillig nach Deutschland gekommen sind. Natürlich sind sie das –  aber sie wurden um ihr wahres Leben hier getäuscht.“ Statt des erhofften Jobs als Model oder in der Gastronomie müssen die jungen Frauen im Bordell arbeiten.

Kirchenfrauen gründen interkulturelle Beratungsstelle FIM in Frankfurt

In der EKHN steht das interkulturelle Beratungszentrum FIM (Frauenrecht ist Menschenrecht) Betroffenen zur Seite. Gegründet wurde FIM 1980 im Anschluss an den Ökumenischen Weltgebetstag der Frauen: Engagierte Frankfurterinnen um Brigitte Gößling starteten damals die Ökumenische Thailand-Gruppe zur Unterstützung thailändischer Migrantinnen, die als Prostituierte oder als Heiratsmigrantinnen nach Deutschland gekommen sind. Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Tätigkeitsfeld der Frauen immer mehr: FIM entstand. Seit 1999 ist FIM die Hessische Koordinierungsstelle in der Arbeit gegen Menschenhandel. Rund 1.000 Frauen und ihre Familien aus 70 verschiedenen Herkunftsländern werden jedes Jahr dort beraten.

Mehr über moderne Sklaverei und Menschenhandel gibt es bei indeon.de
oder in der Printausgabe der Evangelischen Sonntags-Zeitung

 

Offiziell gilt die Sklaverei mit dem Verbot 1981 in Mauretanien weltweit als geächtet. Doch Schätzungen zufolge sind noch immer mehr als 30 Millionen Menschen darin gefangen. Sie werden, oft schon als Kinder, zur Zwangsarbeit gepresst, in den weltweiten Sexhandel verkauft und sind in manchen Ländern noch immer vererbbares Eigentum. Deswegen hat die Uno 2013 den 30. Juli als jährlichen Welttag gegen den Menschenhandel ausgerufen. Der besonderen Verantwortung Europas dabei gedenkt der Europarat immer am 18. Oktober – und Papst Franziskus hat 2015 für seine Kirche den 8. Februar zum Weltgebetstag gegen den Menschenhandel bestimmt.

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Beten mit Worten der Bibel:

Gott,
wir erfassen kaum, was auf Erden ist,
und begreifen nur schwer,
was wir in Händen haben.
Was aber im Himmel ist, wer hat es erforscht?
Und wer hat deinen Ratschluss erkannt?
Es sei denn, du hast Weisheit gegeben und
deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt.
Amen

(Weisheit 9,16 ff)

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