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Pfarrerinnentag der EKHN 2022

Influencerin beim Pfarrerinnentag: Frauen werden herabgewürdigt

Theresa Brückner / Instagram @theresaliebtTheresa BrücknerTheresa Brückner

Wie kann es gelingen, feministisch wirksam zu sein? Über diese Frage diskutierten rund 50 Pfarrerinnen und Vikarinnen beim 39. Pfarrerinnentag der EKHN. Influcenerin und Pfarrerin Theresa Brückner machte den Frauen Mut.

EKHNTheresa Brückner kennt Sexismus aus ihrem Alltag.Theresa Brückner sprach via Zoom auf dem Pfarrerinnentag.

"Sexismus ist kein Trendthema“, stellt Theresa Brückner klar. Vielmehr sei es ein Thema, das immer wieder für Frust sorge. Auf Instagram ist die Berlinerin als @theresaliebt unterwegs und plaudert dort über ihr Leben als Pfarrerin und Mutter. Und sie schreibt regelmäßig über Feminismus und Sexismus in der Gesellschaft generell und in Situationen, die ihr im Gemeindealltag passieren. Dabei hat sie schnell gemerkt, sobald sie auf diese Themen Bezug nehme, gelte sie als zickig und arrogant. „Wenn ich sage, dass ich Feministin bin, dann entsteht sofort bei einigen Leuten ein Bild, wie ich mich zu verhalten habe und dass ich automatisch anstrengender sei als andere Frauen. Was für eine trauriges Bild eigentlich“, erzählt Brückner.

Ungleichheit zwischen den Geschlechtern

Doch sie will nicht müde werden auf Situationen hinzuweisen, die zu Ungleichheit zwischen den Geschlechtern führen. „Beispielsweise bei dienstlichen Terminen am Abend muss ich als Frau im Dunkeln um meine Sicherheit fürchten“, so Brückner. Dass abendliche Sitzungen sie als Frau in Berlin auf dem Heimweg in Gefahr brächten, sei etwas, was männlichen Kollegen gar nicht bewusst sei. „Ich spreche sowas immer wieder an, weil ich es wichtig finde, dass auch Männer sich bewusst machen, was für Privilegien sie an dieser Stelle haben“. Privat teile sie aktuell die Elternzeit mit ihrem Mann. Während Brückner sich immer wieder Diskussionen darüber, warum sie schon wieder arbeite, stellen müsse, werde ihr Mann freudig gefragt, wie denn der Erziehungsurlaub sei.

Theresa Brückner: Frauen werden herabgewürdigt

Nicht selten erlebe sie nach einem Gottesdienst Gespräche, die sie als Frau herabwürdigten. „Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, kommen zu mir und sagen, dass ich doch mal lächeln soll“. Oder: „In ihren Gottesdiensten haben Männer immer was Schönes zum Anschauen.“ Dies empfinde sie als herabwürdigend, „als ob ich nicht arbeiten würde in diesem Gottesdienst, als ob ich nicht Theologie studiert hätte, als ob ich mich nicht angestrengt hätte. Nein, es geht ganz allein darum, dass ich mich da auch nur hinstellen könnte und es wäre schön anzuschauen“, erzählt die Berliner Pfarrerin. Einmal sei ihr vorgeschlagen worden, öfter Gottesdienste im Pflegeheim zu machen, da hätten die alten Männer was zum Gucken. „Das ist wahnsinnig, wie mit einzelnen Sätzen meine Arbeit herabgewürdigt wird“, so Theresa Brückner.

Wie kann ich die Strukturen ändern?

Auch werde sie mit Mitte 30 und als zweifache Mutter regelmäßig als „junge Frau“ bezeichnet: „Das ist immer ein Synonym für: Soviel Erfahrung hat sie noch nicht“. Erst kürzlich habe sie erlebt, wie vom „stellvertretenden Superintendent und einer junge Frau“ gesprochen wurde. „Es waren beides Pfarrpersonen. Man hätte einfach von einem Pfarrer und einer Pfarrerin sprechen können. Aber das bringt eindeutig ein Machtgefälle mit.“ Dies mache sie mürbe, weil sie sich frage, wie könne sie die Strukturen ändern?

Konkrete Tipps für den Umgang mit Sexismus

Brückner, die häufig Hassnachrichten in den Sozialen Netzwerken erhält, gesteht, dass sie diese längst nicht so treffen würden, wie sexistische Sprüche im Gemeindealltag. Nur 15 Prozent der sexualisierten Gewalt würde angezeigt werden. „Umso wichtiger ist, dass wir uns gegenseitig Mut machen und Sexismus anzeigen“, so die Influencerin. Sie selbst habe erlebt, wie schnell eine Frau bei der Polizei vom Opfer zur Täterin werde, deshalb rät sie zur Online-Strafanzeige. Zum Umgang mit Sexismus gibt Theresa Brückner konkrete Tipps:

  • Nicht alleine bleiben mit dem Thema.
  • Professionelle Hilfe suchen (Supervision).
  • Sexismus klar benennen und ansprechen.
  • Dokumentiere den Vorfall.
  • Auf Social Media oder per E-Mail: Blockieren, ignorieren und /oder melden.
  • Strafanzeige erstatten und juristische Hilfe in Anspruch nehmen.
  • gendergerechte Sprache verwenden und einfordern.
  • Sich gemeinsam vernetzen unterstützen und zuhören.

Theologin Renate Jost hat bis vor kurzen an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau Feministische Theologie gelehrt. Sie erinnert sich in ihrem Vortrag beim Pfarrerinnentag daran, dass in den 1970er Jahren wissenschaftliche, theologische Texte fast nur von Männern verfasst wurden. Sie berichtete von einem ehremaligen Propst, der in den 1980er Jahren zu ihr gesagt habe, früher sei sie für ihre Worte als Hexe verbrannt worden. Vieles habe sich mittlerweile verändert. In vielen Bereichen sei die EKHN eine Vorreiterin gewesen, sei es die Ordination von Frauen oder die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren.

Renate Jost: Feminismus braucht einen langen Atem

„Wir haben durch die Präsenz von feministischen Pfarrerinnen viel verändert“, sagt Jost. Doch nach wie vor höre man eine feministische Liturgie und eine feministische Predigt nur selten in gemeindlichen, öffentlichen und Fernseh-Gottesdiensten. Feminismus brauche „einen langen Atem“, machte Renate Jost den Frauen Mut.

Resolution zur Friedenspolitik

Am Nachmittag formulierten die Frauen eine Resolution zum Thema Friedenspolitik und dem Ukrainekrieg. Darin heißt es: „Der Pfarrerinnentag fordert die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen und die Leitung der EKHN auf, dieser Kriegslogik zu widerstehen und ihr öffentlich zu widersprechen. Wir erwarten, dass unsere Kirche den Mythos der „erlösenden Gewalt“ öffentlich in Frage stellt und Alternativen zur Kriegslogik fordert und unterstützt.“

Pfarrerinnentag hilft beim vernetzen

Jeweils am dritten Mittwoch im März treffen sich Pfarrerinnen, Vikarinnen und Studentinnen der Theologie zum Pfarrerinnentag der EKHN. Sie kommen aus dem gesamten Gebiet der Landeskirche, aus Frankfurt ebenso wie aus Orten in Nord-Nassau und Oberhessen. Dort sprechen sie über feministische Themen und bilden Netzwerke. In diesem Jahr fand der Tag zum bereits 39. Mal statt, allerdings bereits zum zweiten Mal nur digital.

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Gut:
Das heißt für mich -
frei und befreit von allem,
was ich aus Angst und Ärger tief
in mir vergraben habe.

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