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Ausgrabungen in Johanniskirche

Fortsetzung folgt: Der Archäologie-Krimi von Mainz geht weiter

EKHN/RahnForschungsarbeiten am Sarkophag von St. Johannis in MainzForschungsarbeiten am Sarkophag von St. Johannis in Mainz

Im Sommer ist ein 1000 Jahre alter Sarkophag im Alten Dom St. Johannis in Mainz geöffnet worden. Bis heute wurde die Identität des Bestatteten nicht gelüftet. Gibt es am 14. November mehr Klarheit?

Bildergalerie

Sarkophag aus dem Mittelalter in der Mainzer St. Johanniskirche
Volker RahnArchäologische Grabung in der JohanniskircheArchäologische Grabung in der Johanniskirche

Ein Hauch von "Indiana-Jones" wehte im Juni durch die Mainzer Innenstadt. Im Sommer wurde dort ein 1000 Jahre alter Sarkophag im Alten Dom St. Johannis geöffnet. Ein vierzehnköpfiges Wissenschaftsteam von Archäologen, Anthropologen und Textilwissenschaftlern stand damals bereit, als sich der Deckel des Steingrabs hob. Schnell war klar: Dort ist ein hoher Geistlicher bestattet. Stofffragmente mit Goldeinsätzen sprachen dafür. Aber die Vermutung, dass in dem Grab der Mainzer Erzbischof Erkanbald bestattet liegt, konnte nicht bestätigt werden. Erkanbald war von 997 bis 1011 Abt von Fulda und von 1011 bis zu seinem Tod 1021 Erzbischof von Mainz.

Neue Ergebnisse am Donnerstag 

Nun hat das Dekanat für den 14. November zu einer Pressekonferenz geladen. Grabungsleiter Guido Faccani, Anthropologin Carola Berszin, der Kernphysiker Alfred Dewald und Andreas Klodt wollen über neueste Ergebnisse informieren. Lüftet sich nun das große Geheimnis des 1000 Jahre alten Unbekannten?

Besonderer Moment im Juni 

Für den wissenschaftlichen Forschungsleiter Guido Faccani war die Öffnung des Sarkophags schon im Sommer ein ganz besonderer Moment. Schon damals hatte er seit einem halben Jahr mit seinem Team auf diesen Augenblick gewartet. „Solch eine lange Vorbereitungszeit und dann geht der Deckel auf. Das war ein einzigartiger Moment! Wir haben schnell festgestellt, dass viele Stoffreste in den Sarkophag zu finden sind“, erklärt er damals. 

Nicht mal Zähne 

Die Knochen der bestatteten Person waren dagegen völlig verfallen. „Nicht einmal Zähne sind zu finden. Der Verstorbene wurde bei seiner Bestattung wahrscheinlich mit Ätzkalk übergossen, um den Verwesungsprozess zu beschleunigen“, so Faccani im Juni. Die Stoffproben wurden inzwischen von einer Textilexpertin in Bezug auf Webarten und Muster tiefgehend analysiert, um sie einer Epoche zuzuordnen. Auch Kernphysik kam zur Analyse inzwischen zum Einsatz. Wie lange es dauert, den Fund genau zuzuordnen, konnte damals seriös niemand sagen. Faccani: „Wissenschaft dauert, so lange sie dauert.“ Der Krimi von St. Johannis geht nun am kommenden Donnerstag in die nächste Fortsetzung. 

Hintergrund

Sarkophag

Bereits 2017 kam bei den Grabungen eine Ecke des Sarkophags zum Vorschein, der in den Boden der St. Johanniskirche eingelassen war. Die Schichteinbindung oder Stratigraphie, aber auch das Walmdach des Sarkophags – als Zeichen des „Haus des Toten“ – gaben Hinweise darauf, dass der Sarkophag aus dem 10./11. Jahrhundert stammt. Die Bestattung in einem solchen Steinsarg und die Platzierung dessen nahe dem Altarraum, zeugen zudem davon, dass dort eine hochrangige Person bestattet sein muss. Die Archäologen trugen Schicht für Schicht über dem Sarkophag ab, um diesen völlig frei zu legen – in dem Zustand, in dem er vor rund 1000 Jahren in die Kirche gelegt wurde. Der Deckel wird nach der wissenschaftlichen Untersuchung wieder verschlossen werden und der Tote darf weiter in der St. Johanniskirche ruhen.

Die Kosten

Die Kosten für die Grabungen im Alten Dom lagen von 2013 bis heute bei circa 7 Millionen Euro. Diese wurden von der Evangelischen Kirche, dem Land und dem Bund getragen. Die Kosten für die Öffnung und wissenschaftliche Untersuchung des Sarkophags sind gedeckt durch die Großspende des Bistums Mainz, die Bischof Karl Kardinal Lehmann 2015 in Höhe von 100.000 Euro an die Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zur Unterstützung der Grabungen übergab. Die Spende sollte ein Zeichen für das gemeinsame große Interesse an der Geschichte des Alten Doms St. Johannis sein aber auch ein Zeichen des ökumenischen Miteinanders, für das St. Johannis steht.

Das weitere Nutzungskonzept     

Die Forschungsgrabung in der St. Johanniskirche ist seit Ende 2018 eingestellt. Aktuell werden statische Sicherungsmaßnahmen vorgenommen und archäologisch begleitet. Die EKHN arbeitet gerade an einem umfangreichen Nutzungskonzept für die Kirche. Dieses soll bereits auf der Herbstsynode präsentiert werden. „Wir möchten dabei den Spagat schaffen, sowohl den historischen Aspekten als auch der Funktion der Kirche gerecht zu werden.“, erklärt Klodt. Der Alte Dom solle dabei wieder Heimat für die Evangelische Johannisgemeinde und ihre Kantorei werden sowie ein Ort des lebendigen Austauschs für gesellschaftliche Fragen mitten in der Stadt werden.

Hintergrund zu St. Johannis

Der Alte Dom St. Johannis ist eine der ältesten Mainzer Kirchen. Seit 1830 ist sie evangelisches Gotteshaus. Im Jahr 2013 wurde im Rahmen geplanter Renovierungsarbeiten eine groß angelegte Forschungskampagne lanciert, im Laufe derer der komplexen, mindestens 1800 Jahre langen Baugeschichte von St. Johannis nachgegangen werden konnte: Römische Profanbauten bilden die Grundlage für die Entwicklung einer Kirche, deren Bestehen nach bisherigen Erkenntnissen ins 5./6. Jahrhundert zurückreicht. Sie geht nach wiederholten Umbauten wohl um 1000 in einem Sakralbau auf, der bis auf den Westchor im heutigen Gotteshaus auf präsent ist. Veränderungen der Romanik, Gotik, Renaissance, des Barocks sowie des Klassizismus und vor allem der Nachkriegsmoderne prägen die heutige Form von St. Johannis. 

Infos: www.alter-dom-mainz.de

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Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

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