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Alter Dom St. Johannis

Neues vom Sarkophag-Krimi in Mainz: Identität weiter offen

Volker RahnEigentlich sollte der Deckel des Sarkophags nur kurz abgenommen werden, um einen Zerfall der Gegenstände im Inneren durch die Luft zu vermeiden.Sarkophag-Öffnung im Alten Dom St. Johannis in Mainz

Die Archäologen sind auch zehn Tage nach der Öffnung des Sarkophags im Alten Dom zu Mainz von dem Fund überwältigt. Auch wenn die Identität des gefundenen Toten weiter ungeklärt ist, gibt er doch nach und nach weitere Geheimnisse preis. Zum Beispiel, dass es auch schon vor 1000 Jahren gehörigen Pfusch am Bau gab.

EKHN/RahnDekan Andreas Klodt und Grabungsleiter Guido Faccani (r.) in der JohanniskircheDekan Andreas Klodt und Grabungsleiter Guido Faccani (r.) in der Johanniskirche

Trotz intensiver Forschungsarbeit besteht auch zehn Tage nach der Öffnung eines 1000 Jahre alten Sarkophags in der Evangelischen St. Johanniskirche in Mainz weiter Ungewissheit über die genaue Identität des darin gefundenen Toten. Zu sehen waren unmittelbar nach der Öffnung des Steindeckels die sterblichen Überreste eines Klerikers sowie Stofffragmente mit Goldbordüre.

Schuhe aus Ziegenleder

Nach den ersten Untersuchungen bestätigt Forschungsleiter Guido Faccani nun, dass dieser mindestens 1,75 Meter groß war und im Alter zwischen 40 und 60 Jahren verstarb. Die Reste einer Kasel, eines liturgischen Gewands, sind ebenso gut sichtbar wie auch Schuhe – sie bestehen aus Ziegenleder, nicht wie anfänglich vermutet aus Stoff. Die Deutung der Goldborte über dem Kopf ist noch nicht abschließend möglich. Ausgeschlossen wurde allerdings, dass sie zu einer Mitra gehört. „Wir haben auch keine Beigaben gefunden, die auf einen Bischof schließen lassen - weder Ring, noch Bischofsstab oder Bleiplättchen mit Namen waren zu finden“, so Faccani, „Somit bleibt die Identifizierung des Bestatteten nach wie vor offen.“ Die weiteren Untersuchungen laufen auf Hochtouren. Dazu gehören Analysen zu Sterbezeitpunkt, DNA, Stoffen, organischen Materialien sowie Metallen. Sie werden noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Wenn die Resultate vorliegen, kann eine erste Gesamtbeurteilung stattfinden.

Sarkophag falsch eingebaut

Eine unerwartete Erkenntnis war, dass der aus rotem Sandstein gefertigte Sarkophag wiederverwendet ist, also nicht für den bestatteten Kleriker neu hergestellt worden war. An den Schmalseiten innen ist die Wanne überarbeitet und seitlich der Füße sind „Eckpolster“ abgearbeitet. Diese bildeten ursprünglich eine Nische, in die eigentlich der Kopf des Verstorbenen hätte gebettet werden sollen. Anders gesagt: Die in die Kirche transportierte, rund zwei Tonnen schwere Sarkophagwanne wurde falsch ausgerichtet in die ausgeschachtete Grube gelassen. Nach dem Bemerken des Fehlers ließ man die Wanne in Eile umgestalten und für den Verstorbenen herrichten. Dabei platzierte man auf der West-/Kopfseite auch die drei Tonplatten, auf welche man den Kopf des Verstorbenen auf einem Kissen bettete.

Wahrung der Totenruhe

Zuletzt  waren in der Mainzer Öffentlichkeit auch vereinzelt Fragen nach der Störung der Totenruhe der circa 1000 Jahre alten Bestattung aufgekommen. Aus Sicht von Dekan Andreas Klodt, wurde die Pietät trotz der Sarkophag-Öffnung und des damit verbundenen Interesses gewahrt: „Die Öffnung des zentral gelegenen Sarkophags im Alten Dom St. Johannis war aus meiner Sicht in der Abwägung durch ein übergeordnetes, allgemeines Interesse an der Erforschung der ältesten Kirche der Stadt zu rechtfertigen“, so Klodt, „Wir stellen die Totenruhe auch wieder her, da nach der Öffnung die sterblichen Überreste und der Sarkophag an Ort und Stelle verbleiben und der Sarkophag nach der Arbeit des wissenschaftlichen Teams wieder verschlossen wird.“

Die Ruhefrist für Verstorbene beträgt in Deutschland bei einer Erdbestattung durchschnittlich 25 Jahre, bei einer sogenannten „Gruftbestattung“ durchschnittlich 50 Jahre. In der Regel ist in Deutschland die Totenruhe endlich.

Hintergrund Sarkophag

Bereits 2017 kam bei den Grabungen eine Ecke des Sarkophags zum Vorschein, der in den Boden der St. Johanniskirche eingelassen war. Die Schichteinbindung oder Stratigraphie, aber auch das Walmdach des Sarkophags – als Zeichen des „Haus des Toten“ – gaben Hinweise darauf, dass der Sarkophag aus dem 10./11. Jahrhundert stammt. Die Bestattung in einem solchen Steinsarg und die Platzierung dessen nahe dem Altarraum, zeugen zudem davon, dass dort eine hochrangige Person bestattet sein muss. Die Archäologen trugen Schicht für Schicht über dem Sarkophag ab, um diesen völlig frei zu legen – in dem Zustand, in dem er vor rund 1000 Jahren in die Kirche gelegt wurde. Am 4. Juni wurde der Deckel des Sarkophags gehoben und ein internationales, vierzehnköpfiges Forscherteam rund um Guido Faccani untersucht seither die sterblichen Überreste, um eine Identifizierung des Toten zu erlangen. Die Vermutung, dass in dem Grab der Mainzer Erzbischof Erkanbald bestattet liegt, kann bisher noch nicht bestätigt werden.

Die Kosten

Die Kosten für die Grabungen im Alten Dom lagen von 2013 bis heute bei circa 7 Millionen Euro. Diese wurden von der Evangelischen Kirche, dem Land und dem Bund getragen. Die Kosten für die Öffnung und wissenschaftliche Untersuchung des Sarkophags sind gedeckt durch die Großspende des Bistums Mainz, die Bischof Karl Kardinal Lehmann 2015 in Höhe von 100.000 Euro an die Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zur Unterstützung der Grabungen übergab. Die Spende sollte ein Zeichen für das gemeinsame große Interesse an der Geschichte des Alten Doms St. Johannis sein aber auch ein Zeichen des ökumenischen Miteinanders, für das St. Johannis steht.

Hintergrund zu St. Johannis


Der Alte Dom St. Johannis ist eine der ältesten Mainzer Kirchen. Seit 1830 ist sie evangelisches Gotteshaus. Im Jahr 2013 wurde im Rahmen geplanter Renovierungsarbeiten eine groß angelegte Forschungskampagne lanciert, im Laufe derer der komplexen Baugeschichte von St. Johannis nachgegangen werden konnte: Römische Profanbauten bilden die Grundlage für die Entwicklung einer Kirche, deren Bestehen nach bisherigen Erkenntnissen ins 5./6. Jahrhundert zurückreicht. Sie geht nach wiederholten Umbauten wohl um 1000 in einem Sakralbau auf, der bis auf den Westchor im heutigen Gotteshaus auf präsent ist. Veränderungen der Romanik, Gotik, Renaissance, des Barocks sowie des Klassizismus und vor allem der Nachkriegsmoderne prägen die heutige Form von St. Johannis.

Weitere Infos:

www.alter-dom-mainz.de

 

 

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Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!

2. Korinther 6, 2

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Hans Genthe

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