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Mediendialog untersucht Stereotype

Warum Terror und Islam in Medien und Köpfen so gut zusammen passen

Foto GentheVom Minarett der Moschee in Kelsterbach bei Frankfurt ertönt noch kein Gebetsruf des MuezzinMoschee in Kelsterbach

Seit vielen Jahren wird der Islam in den Medien gerne im Gleichklang mit Gewalt und Terrorismus genannt. Der muslimische Alltag in Deutschland bleibt dagegen weitgehend eine journalistische Leerstelle. Warum das so ist, zeigt eine neue Studie der katholischen Hochschule Eichstätt. Sie wurde jetzt beim Interkulturellen Mediendialog vorgestellt.

EKHN/RahnOnline und in Präsenz: Interkultureller Mediendialog im Juli 2021 im Frankfurter Haus am DomOnline und in Präsenz: Interkultureller Mediendialog im Juli 2021 im Frankfurter Haus am Dom

Mit der Revolution im Iran von 1979 entdeckten die westlichen Medien den Islam als Gegenstand der Berichterstattung. Spätestens seit den Terroranschlägen auf die USA vom 11. September 2001 rückte der Islam unter der Überschrift „Zusammenprall der Kulturen” ins Interesse einer breiten Öffentlichkeit. Mit der jüngsten Messer-Attacke von Würzburg vom Juni 2021 stellte sich die Frage neu: Wie wird der Islam medial dargestellt? 

Medialer Fokus auf Bedrohung durch Islam

Die Kritik an der Darstellung kommt aktuell gleich aus zwei Richtungen: Einerseits werde der Islam seit Jahren allein als bedrohliche Religion dargestellt. Das entspreche seinem Wesen nicht. Anderseits werde er zu eindimensional präsentiert. Redaktionelle Beißhemmungen herrschten angesichts der politischen Situation, lautet hier der Vorwurf. Klar ist zugleich: Umfragen belegen, dass der Islam von der breiten Öffentlichkeit in Deutschland mehrheitlich als furchteinflößend erlebt wird.

Neue Studie beleuchtet Redaktionsarbeit

Höchste Zeit, sich einen aktuellen Überblick über den Stand der Debatte zu verschaffen. Das tat jetzt der Interkulturelle Mediendialog Rhein-Main, der auch von der hessen-nassauischen Kirche getragen wird. Unter dem Titel „Islamistische Bedrohungsszenarios? Neue Studie zum medialen Diskurs“ lud er zur Diskussion in das Frankfurter Haus am Dom und per Zoom über die neue Studie der Universität Eichstätt ein.

Verheerende journalistische Zugeständnisse ans Publikum

Die Analyse von Karin Scherschel, Professorin für Flucht- und Migrationsforschung an der Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt, und ihrem wissenschaftlichen Kollegen Benedict Bazyar Gudrich zeigen, dass Medienschaffende zwar eine differenzierte Kritik antizipieren, aber dennoch immer wieder verheerende Zugeständnisse an Leserinnen und Leser machen. Warum? Die Autorinnen und Autoren haben Angst davor, dass ihnen Verharmlosung islamistischer Gewalt vorgeworfen wird. Und sie bedienen gerne stereotype Bilder.

Alltäglich gelebter Islam bleibt mediale Leerstelle

Nach Worten von Benedict Bazyar Gudrich ist der „normal gelebte Glaube“ im Islam dagegen eine journalistische Leerstelle. Gleichzeitig herrsche in den Redaktionen viel Unsicherheit, Skepsis und Misstrauen im Umgang mit dem Islam. Als Beispiel nennt er Aussagen von Medienschaffenden, dass sich eloquent auftretende und sprachlich perfekt antwortende Repräsentantinnen und Repräsentanten des Islam von vorneherein „verdächtig“ machten.

Eigentümliche Bewertung von Gewalt

Zudem käme beispielsweise eine eigentümliche Bewertung von Gewalt. Von weißen Mitteleuropäern verübte Anschläge wie auf den Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder in Hanau würden als noch verabscheuungswürdiger dargestellt. Klar: Islam und Terror seien ja bereits eine erwartbare Kombination. Nicht so die Gewalt aus der weißen Mehrheitsgesellschaft. Nach Ansicht von Karin Scherschel sind dies klare Anzeichen für „antimuslimischen Rassismus“.

Politik reagiert mit symbolischer Sicherheitspolitik

Die gewaltfokussierte Berichterstattung über den Islam hat auch Auswirkungen auf das politische Handeln. Auch wenn Politikerinnen und Politiker in der wissenschaftlichen Untersuchung die Eindimensionalität der medialen Darstellung des Islam kritisiert hätten, hat das doch Auswirkungen auf ihre Arbeit. Sie müssten sich einer gesellschaftlichen Stimmungslage stellen, die den Islam skeptisch sieht. Die Folge: Sie inszenieren eine „symbolische Sicherheitspolitik“.

Versachlichung und Entdramatisierung sind gefragt

Und was ist zu tun? Statt Aufheizung und Eindimensionalität seien Versachlichung und Entdramatisierung das Gebot der Stunde.

 

 

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Was auch geschehen mag,
welcher Virus die Welt in Schrecken versetzt
oder welche selbstverschuldeten Emissionen unsere Schöpfung
und ihr Klima in die Knie zwingen,
welche Berge im übertragenen Sinne auch umfallen,
Gott hat versprochen „meine Gnade soll niemals von dir weichen
und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.“

(Anke Leuthold zu Jesaja 54,10)

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