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Kirchenpräsident Steinacker gibt vor der Synode seinen Bericht zur Lage von Kirche und der Gesellschaft ab

“Der Gesellschaft sind wir inmitten ihrer Krisensituation unseren Glauben schuldig“

Frankfurt, 22. April 2005. Vor der vom 22. bis zum 24. April in Frankfurt tagenden Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker seinen Bericht zur Lage in Kirche und Gesellschaft gegeben.

Eines der besonders überraschenden Phänomene der letzten Jahre sei „die Rückkehr der Religion in das öffentliche Bewusstsein“. Entgegen der Erwartung vieler sei die Religion nicht verschwunden und auch nicht in die Privatsphäre abgedrängt worden. Das Christentum sei nicht allein als innerer Prozess im Menschen zu beschreiben, es habe auch gesellschaftliche Bedeutung.

Steinacker verwies auf die „bitteren Seiten“ dieser Rückkehr, denn Religion erscheine allzu oft in Verbindung mit Politik, Macht und Gewalt, etwa als Begründung für Angriffskriege und Ehrenmorde. Offenbar sei die Religion gefährdet, sich mit Gewalt zu verschwistern. Das hätten sich auch die Nationalsozialisten mit ihrer quasireligiösen Aura von „Führer, Volk und Vaterland“ zunutze gemacht. Sie habe damals gerade auf evangelische Christen besonders anziehend gewirkt. Religion sei damit „ein Konfliktauslöser ersten Ranges“, warnte Steinacker.

Die Faszination des Papstes lag nicht in seiner Ethik sondern im Glaubenszeugnis

Die Gesellschaft nehme staunend und irritiert mitten in einer elementaren Krisensituation ihrer Basisorientierungen und ihrer sozialen Systeme die Rückkehr der Religion wahr. Die Menschen spürten, dass das Sichtbare und Messbare allein die Lebensprobleme nicht lösen könne. Die Kirche sei der Gesellschaft nicht in erster Linie ethische Richtlinien sondern das lebendige Bekenntnis des Glaubens in Wort und Tat schuldig, betonte Steinacker. Die Faszination des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. sei gerade nicht von seinen ethischen Vorstellungen, die viele sogar offensiv abgelehnt hätten, ausgegangen. Vorbild sei er darin gewesen, wie er „mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit vom Glauben und von seinem Kern nämlich von Gott glaubhaft und authentisch geredet hat“. Der Glaube sei Gottes Geschenk und könne nicht von den Menschen hervor gebracht werden, er verdanke sich gerade keiner Anstrengung sondern Gottes liebender Zuwendung. Sie wirke gerade dann, „wenn wir angesichts unseres beschädigten Lebens Schwäche zeigen“.
Steinacker sagte: Was wir der Gesellschaft heute schuldig sind, ist in aller erster Linie mit Wort und Tat von Gott zu reden. Wirkliche Geborgenheit im Glauben könne aber nur als „Prozessresultat“ verstanden werden, bei der „die eigene Zuversicht immer neu den Widersprüchen des Lebens und dem Wirken des Heiligen Geistes ausgesetzt“ werde.

Glaubenszeugnis sei die Liturgie der Gottesdienste als „in Formen geronnener Glaube“, die Diakonie sei „nichts anderes als zur gesellschaftlichen Verantwortung strukturierter Glaube“, der Religionsunterricht sei „Herzensbildung“.

Kritik am Religionsunterricht / Mehr Kooperation mit der Schule gefordert

Allerdings sei die Situation des Religionsunterrichts nicht befriedigend, bemängelte Steinacker. Zu viele Stunden fielen aus oder würden an den Rand des Schultags gedrängt. Ausdrücklich kritisierte Steinacker den Plan des Berliner Senats für einen Werteunterricht. Steinacker bezeichnete dies als Versuch der „Wiedereinführung einer Staatstheologie wie in der DDR“:

Besonders hob Steinacker die Schulseelsorge hervor, die die EKHN als neuen Arbeitsbereich seit 1987 aufgebaut habe. Mit der Ganztagsschule werde die Schule „zum zentralen Lebensort der Schülerinnen und Schüler“ Dort benötigten sie Hilfe, um die Konflikte in der Familie, im Schulleben, in der Clique aber auch gesellschaftliche Probleme zu bewältigen. Jugendliche hätten meist eine klare Vorstellung von den enormen Problemen, die auf sie jenseits der Schule warteten, äußerte Steinacker. Die Schulseelsorge, die zusätzlich zum Religionsunterricht angeboten werde, biete „Begleitung auf der Suche nach Lebenssinn und Glaubensorientierung“. Steinacker regte an, dass Gemeinden und Dekanate verstärkt die Kooperation mit den Schulen in ihrem Gebiet suchen. Dort könnten sich Staat und Kirche in der Wahrnehmung eines umfassenden Bildungsverständnisses ergänzen.

Neue Bestattungskultur

Ausführlich setze sich Steinacker mit neuen Entwicklungen bei der Bestattung auseinander. Selbstkritisch merkte er an, dass die Kirche in der Vergangenheit nicht genügend berücksichtigt habe, „dass Trauernde in persönlicher Weise von ihren Toten Abschied nehmen wollen“. Dem trage eine neue Agende (Gestaltungshilfe) Rechnung, die die EKHN gerade freigegeben habe. Sie schlage viele Varianten und verschiedene Texte vor. Steinacker monierte auch, dass es kaum geeignete moderne geistliche Lieder für die Bestattung gebe. Der Kirchenpräsident sprach sich für die Aufhebung des Sargzwangs aus. Er plädierte auch dafür, den „Friedwaldgedanken“ – also waldähnliche Flächen - in die bestehenden Friedhöfe zu integrieren. Eine klare Absage erteilte er der Auffassung, dass das Totengedenken „reine Privatsache“ sei. Der Mensch sei nicht nur im Leben ein soziales Wesen sondern auch im Tod. Die Gesellschaft brauche das Totengedenken in ihrer Nähe, es dürfe nicht aus dem Leben ausgegrenzt werden. Der öffentliche Friedhof als sichtbarer und geschützter Ort halte das Totengedenkens im Bewusstsein. Er ermögliche das individuelle und das gemeinschaftliche Erinnern an die Verstorbenen. Entsprechend wende sich die Kirche gegen alle Bestattungsformen, die die Öffentlichkeit ausschließen. Dazu gehörten die Aufbewahrung der Urne in der Wohnung oder das Ausstreuen der Asche an einem persönlichen Wunschplatz.

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