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Kirchenpräsident Jung gibt ersten Bericht vor der Synode Für Flüchtlingshilfe und Nachtflugverbot

Der Glaube in Zeiten der Krise

Frankfurt, 23. April 2009. Kirchenpräsident Dr. Volker Jung hat vor der von Donnerstag bis Samstag in Frankfurt tagenden Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) seinen ersten Bericht zur Lage von Kirche und Gesellschaft gegeben.

Unter dem Titel „Wo ist euer Glaube?“ bezeichnete er es darin als vordringliche Aufgabe der Kirche in der gegenwärtigen Krise, öffentlich den christlichen Glauben einzubringen. Wörtlich sagte Jung: „Der Glaube ist dabei kein Instrument um Krisen zu vermeiden oder abzuwehren sondern eine Hilfe, Krisen zu bestehen.“ Dieser Glaube werde gelebt im Gebet, in sozial-diakonischem Engagement und auch in der Beteiligung an politischen und gesellschaftlichen Debatten.

Werte allein vermeiden keine Krise

Jung warnte vor der Vorstellung, dass Krisen wie die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise vermeidbar wären, wenn die einzelnen Akteure nur Werte orientiert genug handeln würden. Eine Debatte über individuelle Werte sei zwar nötig, sie allein greife aber zu kurz. Vielmehr müssten auch ordnungs- und geldpolitische Fragen neu gestellt werden - und zwar in einem globalen Maßstab. Das Wirtschaftssystem müsse darauf eingestellt sein, dass Menschen „fehlbar und verführbar“ seien.

Eine Chance für Opel

Jung sprach die Sorge um die Zukunft von Opel an. Er habe bei einem Besuch des Betriebsrates und in einem Gespräch mit einem Vertreter der Geschäftsleitung erfahren, wie stark sich die Beschäftigten mit ihrem Unternehmen identifizierten, wie überzeugt sie von ihrer eigenen Entwicklungsarbeit – auch unter ökologischen Aspekten – seien und wie groß der Wunsch sei, endlich nach 70 Jahren amerikanischer Führung als eigenständiges Unternehmen eine neue, eine eigene Chance zu bekommen. Wörtlich sagte Jung: „Ich hoffe sehr, vor allem um der Menschen willen, die mit ihrer wirtschaftlichen Existenz und oft genug mit einer langen Familiengeschichte an Opel hängen, dass ein guter Weg mit Zukunftsperspektiven gefunden wird. Welcher das sein könnte oder sollte, masse ich mir als Kirchenpräsident nicht an zu wissen.“

Einbußen für die Kirche

Jung wies in seinem Bericht auf die vermutlichen Folgen der Wirtschaftskrise für die EKHN hin. Sie werde gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich etwa 45 Millionen Euro weniger einnehmen, etwa zehn Prozent des Jahreshaushalts. Für das kommende Jahr 2010 sei sogar mit 100 Millionen Euro weniger als in 2008 zu rechnen. Zwar erlaubten es die Rücklagen der EKHN, das Haushaltsniveau einstweilen zu halten. Die finanzpolitische Grundlinie der letzten Jahre dürfe aber nicht verlassen werden, was weiterhin strukturelle Einsparungen bedeute.

Mehr für Flüchtlinge tun

Die Aufnahme von irakischen Flüchtlingen in Deutschland mit einem dauerhaften Bleiberecht bezeichnete Jung als „ wichtiges politisches Signal“. Wörtlich sagte er: „Wo Flüchtlinge willkommen geheißen und von Anfang an integriert werden, haben alle etwas davon, auch unsere Gesellschaft, die Zuwanderung braucht und in Zukunft noch mehr brauchen wird.“ Jung kritisierte damit die bisherige Flüchtlingspolitik. Flüchtlinge hätten sich nicht integrieren dürfen, würden von Sprachkursen ferngehalten und über Jahre hinweg lediglich geduldet. Jung kündigte an, sich für eine erweiterte Bleiberechtsregelung und die Abschaffung der sogenannten Kettenduldungen einzusetzen. Dabei berichtete er, dass die Kirchenleitung auf Anregung der Synode ein Drei-Jahres Programm für Flüchtlingshilfe eingerichtet habe. Damit würden Kirchengemeinden und Initiativen unterstützt, die sich bei der Aufnahme von Flüchtlingen engagierten und die sich für eine veränderte Flüchtlingspolitik einsetzten. Das Programm helfe auch christlichen Gemeinden im Irak, die dort trotz widriger Bedingungen bleiben wollten. Wörtlich sagte Jung „Wir müssen und können mehr tun bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Nur ihren Tod im Mittelmeer und anderswo zu beklagen, ist zu wenig.“ Die Aufnahme von 2.500 Flüchtlingen in Deutschland könne nur ein erster Schritt sein. Die erste irakische Flüchtlingsfamilie, die nach Hessen kam, erzählte Jung, sei bei einer Christlichen Flüchtlingshilfe in der EKHN untergebracht worden. Damit ermunterte er „ausdrücklich die Kirchengemeinden, in deren Einzugsgebiet die irakischen Flüchtlinge aufgenommen werden, sich für ihre Integration in das Gemeinwesen zu engagieren.

Nachtflugverbot unverzichtbar

Im Hinblick auf den Ausbau des Frankfurter Flughafens bekräftigte Jung die Forderung der EKHN, das Ergebnis des Mediationsverfahrens so weit wie möglich umzusetzen. Eine zentrale Rolle spiele dabei das Nachtflugverbot. Jung sagte wörtlich: „Eine Nacht mit 40 planmäßigen Flügen plus den außerplanmäßigen ist keine ruhige Nacht mehr. Das würde in der sogenannten Mediationsnacht von 23 bis 5 Uhr im Schnitt eine planmäßige Flugbewegung alle sechs Minuten bedeuten.“ Angesichts der „deutlichen Anregungen“ des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes zum Nachtflugverbot bestehe die Hoffnung auf eine Regelung im Sinne der Mediation und mit Rücksicht auf die vom Lärm betroffenen Menschen weiter.

Erfolgsmodell Konfirmandenarbeit

In seinem Bericht bezeichnete Jung die Konfirmandenarbeit als „wesentlichen Bestandteil kirchlicher Bildungsarbeit“ und als „Erfolgsmodell“. Laut einer gerade erstellten Studie über den Konfirmandenunterricht seien 90 Prozent aller Konfirmandinnen und Konfirmanden mit ihrer Konfirmandenzeit insgesamt zufrieden. Das gelte auch für die Eltern in einem ähnlichem Umfang. Allerdings sei es nötig, die Konfirmandenarbeit weiterzuentwickeln. Auf viele Fragen der Konfirmanden habe die Kirche offenbar keine Antwort. Auch die Bewertung der Gottesdienste als langweilig nehme während der Konfirmandenzeit zu und nicht ab. Die Konfirmandenzeit müsse als „einzigartiges Bildungsangebot“ stärker mit „aktivierenden Lernformen“ gestaltet werden, damit sie nicht als Fortsetzung des schulischen Unterrichtes erlebt werde.

Reformprojekte mit Augenmaß zu Ende bringen

Im Blick auf die Reformprojekte der EKHN kommentierte Jung, „dass wir uns da viel, vielleicht auch zuviel zugemutet haben.“ Jetzt komme es darauf an, die angefangenen Projekte mit Augenmaß zu Ende zu führen. Dazu gehöre auch, manches „vertrauensvoll an die nächste Synode weiterzureichen“. Derzeit diskutiert die Kirchensynode nicht nur über die Kirchenordnung, quasi die Verfassung der EKHN, sondern auch über ihre mittelfristige Zukunftsperspektive, eine mögliche Kooperation mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und über eine Modernisierung ihrer Lebensordnung, in der die Abläufe von Taufen, Trauungen, Gottesdiensten und anderen elementaren kirchlichen Handlungen geregelt werden.

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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von david-hertle / unsplash

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