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Kirchenpräsident Steinacker gibt vor der Synode Bericht zur Lage von Kirche und Gesellschaft

"Gemeinsames Band der Gesellschaft ist nicht der Glaube sondern die Verfassung"

Frankfurt, 25. April 2007. Zu Beginn der von Mittwoch bis Samstag in Frankfurt tagenden Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker seinen Bericht zur Lage von Kirche und Gesellschaft vorgetragen.

Darin hat er das komplizierte Verhältnis eines säkularen Staates mit verschiedenen Religionsgemeinschaften sowie die persönlichen religiösen Vergewisserungsprozesse in den Mittelpunkt gestellt. Nach Auffassung Steinackers habe sich die von Dietrich Bonhoeffer im Jahr 1944 erstmals vorgetragene und seither von vielen aufgenommene These, dass die westliche Gesellschaft einer „völlig religionslosen Zeit“ entgegen gehe, nicht bestätigt. „Religion“ sei vielmehr in der Gesellschaft zu einem aktuellen Thema geworden, „mit dem umzugehen uns aber auch jetzt nicht leicht fällt“.

Das gemeinsame Band ist die Verfassung

Steinacker begrüße es ausdrücklich als „wichtigen Schritt für die Integration“, dass sich vier konservative islamische Verbände zu einem Koordinierungsrat zusammen geschlossen hätten und äußerte die Hoffnung, dass nun auch liberale Muslime Organisationen als Ansprechpartner für Kirche, Staat und Gesellschaft bilden würden. Zur Gesellschaft in Deutschland gehörten nun verschiedene Religionen. „Ihr gemeinsames Band in der gemeinsamen Gesellschaft ist nicht der Glaube, die Religion, sondern die Verfassung“, betonte Steinacker. Insofern stünden Christinnen und Christen ebenso wie nicht glaubende Menschen „vor Anpassungsprozessen, die zu gegenseitigem Respekt und Toleranz aber auch zu Lernprozessen führen.
Im Hinblick auf die evangelische Kirche sagte Steinacker: „Es gibt evangelisch kein Zurück hinter die ethische und dogmatische Meinungsvielfalt, den Pluralismus, der auf der Bandbreite einer versöhnten Verschiedenheit beruht.“ Es handele sich um „Pluralismus aus Prinzip“. Er befähige die Kirche, den säkularen, auf dem Konsens nach dem Streit der Argumente aufbauenden modernen Staat als den ihr einzig angemessenen Staat der Gegenwart zu verstehen.“
Steinacker betonte die Gesellschaft mitprägende Kraft des christlichen Glaubens. Er sei mehr als „reine Emotionalität, die alles gut findet, was gut tut und als einzigen Maßstab ihre subjektive Befindlichkeit hat“. Christlicher Glaube verwandele sich hoffentlich „nie dahin, wo einige einflussreiche Leute, wie zum Beispiel die amtierende Bundesjustizministerin ihn haben wollen, nämlich in eine ausschließlich private Angelegenheit, was er nie war und hoffentlich nie sein wird“.

Echte Wahlfreiheit für Eltern

Steinacker ging in seinem Bericht auf die Debatte um die Krippenplätze ein. Dabei betonte er, dass Eltern eine echte Wahlfreiheit brauchten. Dass könne nicht heißen, dass Eltern, die sich gegen einen Krippenplatz entschieden, weniger staatliche Hilfe bekämen als diejenigen, die ihn in Anspruch nähmen. Der entscheidende politische und ethische Maßstab für solche Einrichtungen müsse „das Wohl der Kinder und die Bedürfnisse der Mütter und Väter“ sein. Es könne nicht allein darum gehen, Beschäftigte, die auch Familienverantwortung tragen, für Unternehmen verfügbar zu halten. Steinacker forderte qualifizierte Betreuungsangebote, eine angemessene finanzielle Absicherung von Familien, ausreichende Wiedereinstiegsmöglichkeiten in qualifizierte Tätigkeiten und die Vermeidung eines Karriereknicks, um diese Wahlfreiheit zu gewährleisten.

Kinder wachsen nicht als Atheisten auf

Steinacker regte an, in Kindertagesstätten regelmäßig religionspädagogische Elternabende anzubieten. Denn es sei für Erzieherinnen und Erzieher sowie Eltern gleichermaßen eine Herausforderung, auf die theologischen Fragen von Kindern einzugehen. Kinder wüchsen nicht religionslos oder als „kleine Atheisten“ heran. Bereits die Welt der Vorschulkinder und Schulanfänger sei von einer Vielzahl von religiösen Phänomenen geprägt, nach denen sie neugierig fragten.

„Verschüttetes Wissen um Gott“

Die Seelsorge bezeichnete Steinacker als „eine Kernaufgabe der Kirche, seit es sie gibt“. Die EKHN sei Anfang der 70er Jahre Vorreiterin einer theologisch begründeten Aufnahme von Einsichten und Methoden der Tiefenpsychologie und anderer psychologischer Schulen in die Seelsorge gewesen. Viele Ratsuchende spürten, dass sie „zur Lösung ihrer Probleme und Krisen eine tiefere Ebene brauchen, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen“ Deshalb fragten sie die Beraterinnen und Berater auch als Seelsorger an. Ziel der Seelsorge sei es, die „verlorene Gewissheit über den eigenen Wert, eine sinnvolle Welt und einen vergebenden und barmherzigen Gott wieder herzustellen.“ Oft gebe es „ein verschüttetes Wissen um Gott“. Manche Klienten der Beratungsstellen spürten, „dass mit dem verlorenen Glauben etwas fehlt, was einmal wichtig war und jetzt helfen könnte“. Die Beraterinnen und Berater bestärkten Klienten darin, die heilende Kraft des Glaubens in ihr Leben zu integrieren. Dabei berührten sich psychologische Beratung und geistliche Begleitung sehr eng.

„Medienpräsenz eine der wichtigsten Gegenwartsaufgaben der Kirche“

Steinacker würdigte die Bedeutung der kirchlichen Sendungen in den Medien. Die Kirche komme über eine reine Binnenkommunikation erst dann hinaus und könne die Gesellschaft mitprägen, wenn sie „die Medienpräsenz als eine der wichtigsten Gegenwartsaufgaben der Kirche“ begreift. Denn „ihren Ort in der Zivilgesellschaft nimmt die Kirche erst wahr, wenn sie sich am Austausch der Ideen und Meinungen in der Gesellschaft wirkungsvoll beteiligt."

„Für Ökumene mit der römisch-katholischen Kirche auf einer realistischen Basis“

Steinacker plädierte dafür, die ökumenische Verbundenheit mit der römisch-katholischen Kirche auf „eine realistische Basis“ zu stellen. Alles andere erzeuge „nur Frust und Enttäuschung“. Zu diesem ökumenischen Realismus gehöre zu erkennen, dass „unsere Grundverständnisse des Glaubens ihre kirchentrennenden Unterschiede nicht verloren haben“. Es gebe „noch kein gemeinsames Verständnis des Evangeliums“, es blieben „Fundamentalunterschiede“ in der Lehre von der Kirche, dem Amt und daraus folgend dem Sakramentsverständnis. Wörtlich sagte Steinacker: „Ökumenische Geschwisterlichkeit ruht, wie alle Toleranz, auf dem Fremdsein-Lassen des Anderen“. Die ökumenische Geschwisterlichkeit könne darin bestehen, kirchliche Gemeinschaft und Zusammenarbeit zu praktizieren und sich gleichzeitig für neue Einsichten offen zu halten.

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