Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

Kirchenpräsident Jung zur Lage in Kirche und Gesellschaft

Licht der Welt

Frankfurt, 28. Mai 2010. Kirchenpräsident Dr. Volker Jung hat auf der derzeit in Frankfurt tagenden Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) seinen Bericht zur Lage in Kirche und Gesellschaft gehalten.

Er stellte ihn unter das Leitwort „Ihr seid das Licht der Welt“, einen Vers aus der Bergpredigt. Das Wort Jesu sei zunächst ein Zuspruch und erst in zweiter Linie ein Anspruch an das Wirken der Christen in der Welt. Zuspruch Gottes bedeute, er selbst sei und bleibe die Lichtquelle des Lebens, Christen seien nicht selbst Lichtquelle, vielmehr empfingen sie das Licht und hätten es weiter zu tragen. Jung betonte den Gemeinschaftscharakter des Glaubens: „Natürlich ist jede und jeder einzelne als Person gemeint, aber eben als Teil der Gemeinschaft. Niemand kann allein diesen Anspruch leben. Ob wir als Kirche Licht der Welt sein können und sind, das werden wir zu Recht gefragt.“ Diese biblische Betrachtung bezog Jung auf aktuelle gesellschaftliche Themen.

Präzise Definition des Auftrags in Afghanistan gefordert

Jung äußerte sich zur Debatte um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Dabei stehe die Evangelische Kirche für eine friedensethische Perspektive. Ihr Vorzeichen laute „Frieden muss gestiftet werden“ und formuliere die „Leitidee des gerechten Friedens“ auch für den militärischen Gewaltgebrauch. Dieser sei allenfalls als „äußerstes Mittel“ zu rechtfertigen. Wörtlich sagte Jung: „In Afghanistan herrscht Krieg und es ist keineswegs klar, ob eine wirkliche Erfolgsaussicht im Sinne einer wirklichen Friedensmission besteht.“ Jung forderte eine präzise Definition des Auftrags der Bundeswehr, eine sorgfältige Koordination der militärischen und zivilen Akteure und eine realistische Abschätzung des notwendigen Zeithorizonts. Ferner müssten „die persönlichen Belastungen und Risiken für Soldatinnen und Soldaten sowie ihre Angehörigen verantwortbar bleiben.“ Jung forderte die politisch Verantwortlichen auf, die Ziele des Einsatzes in Afghanistan präzise zu benennen sowie einen Zeitplan und Kriterien für dessen Ende festzulegen.

Flüchtlinge aufnehmen

Jung stellte sich hinter das Resettlement-Programm des UN-Flüchtlingshochkommissariats, in dessen Rahmen 2.500 irakische Flüchtlinge über Syrien und Jordanien nach Deutschland gekommen sind, etwa 180 von ihnen nach Hessen, 120 nach Rheinland-Pfalz. Jung erinnerte daran, dass die Synode der EKHN im November 2008 in einer Resolution an die Innenministerkonferenz für die Aufnahme dieser Flüchtlinge und die dauerhafte Beteiligung Deutschlands an einem solchen Programm des UNHCR ausgesprochen habe. Jung machte sich die Forderung von Menschenrechtsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und der EKD zu eigen, dass Deutschland sich weiterhin mit einem dauerhaften Resettlement engagiere. Es sei „ein Zeichen der Solidarität gegenüber jenen Drittstaaten, die unvergleichbar stärker von dem Weltflüchtlingsproblem betroffen sind als Europa“.

Situation von Menschen in Abschiebungshaft verbessern

Jung thematisierte die „Nöte von Abschiebungshäftlingen“ in den Abschiebungshaftanstalten und plädierte dafür, ihre Situation zu verbessern. Die Bedingungen in Abschiebungshaft müssten sich deutlich von denen des Strafvollzugs unterscheiden, Abzuschiebende sollten getrennt von Strafhäftlingen untergebracht werden und einen kostenlosen Zugang zu Rechtsberatung und Rechtsvertretung haben. Jung hob die Arbeit der kirchlichen Seelsorger und Berater in Abschiebungshaftanstalten hervor, die dort mit hohen Belastungen verbunden seien.

Die EKHN und die EKD setzten sich zudem für das „Modell eines effektiven und unabhängigen Beobachtungssystems bei Abschiebungen an Flughäfen“ ein. Dieses europaweit beachtete Modell solle langfristig etabliert werden.

Würde am Ende des Lebens: Palliativmedizin statt Sterbehilfe

Die Kirche habe, so sagte Kirchenpräsident Jung, stets die Begleitung Kranker und Sterbender als eine ihrer Aufgaben gesehen. Trotz der enormen Erfolge der modernen Medizin im 20. Jahrhundert habe eine kritische Reflexion eingesetzt. Gerade für Menschen mit schweren Erkrankungen, die sterben werden, sei die Schmerzbehandlung nicht ausreichend, mitmenschliche und spirituelle Begleitung fehle häufig. Es sei beeindruckend, wie sich in Deutschland Ehrenamtliche gefunden hätten, um Sterbende zu begleiten. Die Hospizbewegung könne heute als die Bürgerbewegung bezeichnet werden. „Wir unterstützen als Kirche alle Bemühungen der Hospiz- und Palliativversorgung, dem sterbenden Menschen seine Würde zu belassen.“ Er dürfe sich nicht als „Last für Andere“ empfinden und solle sich nicht gedrängt fühlen, nach aktiver Sterbehilfe zu rufen. „Die Palliativmedizin ist auch eine bewusste Gegenreaktion auf den Ruf nach aktiver Sterbehilfe.“, sagte Jung wörtlich.

Missbrauchsopfern helfen, erweitertes polizeiliches Führungszeugnis nutzen

In seinem Bericht ging Jung auf den sexuellen Missbrauch ein. Dieser sei zwar ein gesamtgesellschaftliches Thema, aber die Kirchen stünden dabei besonders im Blickpunkt - die römisch-katholische Kirche „in anderer Weise und deutlich intensiver“, aber auch die evangelische Kirche sei betroffen. Im Jahr 2010 sei die EKHN in über 20 Fällen auf sexuellen Missbrauch hingewiesen worden. In drei Fällen wurde Strafanzeige erstattet. Zwei Fällen hätten sich als „Falschanschuldigungen“ erwiesen. Wörtlich sagte Jung: „Missbrauch im kirchlichen Milieu wiegt besonders schwer. Und das hat etwas mit dem Zuspruch und dem Anspruch zu tun, mit dem wir leben. Wir wollen alles dafür tun, Opfern zu helfen, wo auch immer ihnen Leid zugefügt wurde. Wir wollen uns nach Kräften bemühen, präventiv alles zu tun, was möglich ist. In unserer Kirche soll Menschen keine sexualisierte Gewalt und keine andere Form von Gewalt und Leid zugefügt werden. Wir wollen Menschen stärken.“ Jung sprach sich dafür aus, von der Möglichkeit des erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses Gebrauch zu machen. Damit stelle der Gesetzgeber einen Baustein zur Verfügung, mit dem der Schutz von Kindern und Jugendlichen verbessert werden könne. Die Kirchenleitung empfehle den EKHN-Einrichtungen, dieses Dokument zur Voraussetzung für die Beschäftigung zu machen. Mit gewissen Einschränkungen gelte das auch für Ehrenamtliche in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Pfarrernachwuchs gesucht

Mittelfristig deute sich in vielen Regionen ein Pfarrermangel an, sagte Jung. Zwar habe sich gegenüber den Vorjahren die Zahl der Theologiestudierenden verdoppelt. Die Nachwuchsliste der EKHN umfasse zurzeit 238 Personen, davon seien 63 Prozent Frauen und 37 Prozent Männer. Dennoch würden die gestiegenen Zahlen nicht ausreichen, um den zukünftigen Bedarf zu decken. Jung ermutigte junge Menschen zum Theologiestudium und insbesondere zum Pfarramt. Er bezeichnete den Pfarrberuf als „anspruchsvoll, weil er den Menschen in Freud und Leid zugewandt ist“ und als einen „schönen Beruf, weil er es mit der wertvollsten Botschaft zu tun hat, die es für diese Welt gibt“.

Gemeindliches Leben entwickeln

Als künftige Aufgaben für die EKHN bezeichnete Jung die Neufassung der Lebensordnung, die Taufen, Trauungen, Konfirmationen und andere Bereiche des gemeindlichen Lebens regelt. Jung äußerte die Erwartung, dass die EKHN angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage ihren Sparkurs beibehalten müsse. Wörtlich sagte er: „Wir werden deshalb auch weiter an unseren Strukturen arbeiten müssen, um unserem Auftrag gerecht zu werden.“ Dazu gehöre auch der Kooperationsprozess mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Man wolle Kräfte bündeln, gute Arbeit weiterführen und weiterentwickeln.

Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs

Diese Seite:Download PDFDrucken

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von david-hertle / unsplash

Zurück zur Webseite >

to top