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Kirche gegen Antisemitismus

„Verbundenheit mit Judentum gehört zum Glauben“

Esther StoschDavidstern am alten jüdischen Friedhof in Frankfurt

Schmierereien, Brandanschläge, Beleidigungen: Der Antisemitismus hat sich in den vergangenen Wochen auf erschreckende Weise zurückgemeldet. Der bevorstehende "Israelsonntag" der evangelischen Kirche bietet eine gute Möglichkeit, den gefährlichen Tendenzen entgegenzutreten und die besondere Verbindung zum Judentum herauszuheben.

Darmstadt, 8. August 2014. Die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf, hat die Gemeinden dazu aufgerufen, den bevorstehenden sogenannten „Israelsonntag“ am 24. August dafür zu nutzen, „um jeglicher Form des Antisemitismus und Rassismus entgegenzutreten“. An diesem Tag bedenken die evangelischen Kirchen in ihren Gottesdiensten traditionell das Verhältnis zum Judentum. Es sei „bestürzend und beschämend“, wie sich in den vergangenen Wochen in Deutschland eine neue Judenfeindschaft gezeigt habe. Scherf erinnerte unter anderem an Hakenkreuz-Schmierereien an der Frankfurter Baumweg-Synagoge und an der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank sowie an den Brandanschlag auf die Bergische Synagoge in Wuppertal-Barmen Ende Juli.

Erschreckendes Potenzial an Antisemitismus in der Gesellschaft

Unter dem „Deckmantel der politischen Empörung“ werde offenbar „ein neuer Antisemitismus in Deutschland wieder salonfähig“, erklärte Scherf. „Das ist nicht tolerierbar. Dem müssen wir deutlich gegenübertreten“, sagte sie. So sei es angesichts einer „angespannten politischen Lage“ beispielsweise wichtig, Kritik am Staat Israel nicht mit Antisemitismus zu verwechseln. Bereits der Antisemitismusbericht des Deutschen Bundestages aus dem Jahre 2012 habe zudem ein „erschreckend großes Potenzial latent antisemitischer Einstellungen bis in die Mitte der Gesellschaft“ festgestellt. Christinnen und Christen seien hier besonders gefordert, ihre Solidarität gegenüber Jüdinnen und Juden auszudrücken. „Die Verbundenheit mit dem Judentum ist ein Wesenszug des christlichen Glaubens“, sagte Scherf. Sie verwies auf den Grundartikel der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der im Judentum die Wurzel des Christentums verstehe und die „bleibende Erwählung“ des Judentums unterstreiche. „Antisemitismus darf keine neue Heimat finden“, sagte Scherf.

Evangelische Kirche trug lange Mitschuld an Judenfeindlichkeit

Gleichzeitig erinnerte Scherf auch an die problematische Geschichte der Kirche mit dem Judentum. „Die evangelische Theologie hat sich in der Vergangenheit mitschuldig gemacht an der Feindseligkeit gegenüber dem Judentum“, sagte Scherf. So hätten die diskriminierenden Aussagen des Reformators Martin Luther in seinen späten Schriften dem Antisemitismus den Boden bereitet. „Es steht der Evangelischen Kirche in Deutschland auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 deshalb gut an, sich von Martin Luthers antijüdischen Äußerungen deutlich zu distanzieren“, sagte Scherf. Sie sprach sich zudem dafür aus, das Thema Antisemitismus mehr als bisher in Schulen zu behandeln. Dazu könnten verstärkte interreligiöse Projekte dienen, wie sie im Rahmen des Religionsunterrichtes bereits möglich seien. „Bildung ist ein wichtiger Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis“, sagte Scherf. 

 

Hintergrund Israelsonntag

Der Israelsonntag ist ein besonderer Sonntag im evangelischen Kirchenjahr, der heute das Verhältnis von Christen und Juden zum Thema hat. Er wird traditionell elf Wochen nach dem Pfingstfest, meist im August, begangen. Vor dem Zweiten Weltkrieg hieß der Sonntag auch „Judensonntag“ und es standen Themen wie etwa die Mission von Juden im Zentrum. In der Änderung des Namens und der Inhalte dieses Sonntags spiegelt sich ein neues theologisches Verständnis des Judentums in der evangelischen Kirche wider, das Antijudaismus und Antisemitismus überwunden hat sowie sich der Mitschuld an den Judenverfolgungen in der Geschichte bewusst ist.

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Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.

Sacharja 9, 9

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von pawel-furman / unsplash

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