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Offenes Ohr für Passagiere

Seelsorge auf hoher See

privat / Imre Istvan

Das Evangelium auf hoher See verkünden – das hat der Delkenheimer Pfarrer Imre Istvan ausprobiert: Dreieinhalb Wochen war er Bordseelsorger auf der MS Europa. Mit etwa 350 Passagieren ist er von Melbourne über Sydney, Papua-Neuginea und den Philippinen nach Hongkong und zurück gereist. Über seine Erfahrungen auf dem Luxus-Kreuzer spricht er im Interview.

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Da die MS Europa keine Kapelle hat, wird die Panorama-Lounge als Gottesdienstraum genutzt.

 

Was macht ein evangelischer Pfarrer auf einem Kreuzfahrtschiff?

Ich bin Seelsorger für die Passagiere und gelegentlich auch für die Crew. Natürlich halte ich Gottesdienste und Andachten. Außerdem habe ich viermal im Bord-Fernsehen das „Wort zum Sonntag“ gesprochen. Darüber hinaus bin ich bei fast allen Veranstaltungen und Aktivitäten dabei, oft ergeben sich da Gespräche. Ich bin immer als Pfarrer zu erkennen. Ein offenes Gesprächsangebot hat es jeden Tag während der Tea-Time gegeben - da war ich immer anwesend.

Gibt es eine Kapelle auf dem Schiff?

Nein, auch keinen Andachtsraum, dafür wird die Panorama-Lounge umfunktioniert. Der russische Bordpianist, hat mich musikalisch begleitet. Ich habe insgesamt 16 ökumenische Wortgottesdienste gefeiert und jedes Mal gab es zur Abwechslung andere Lieder. Das konnte ich nur realisieren, weil er ein hervorragender Pianist war. Anlässlich einer Silbernen oder Goldenen Hochzeit kann es auch schon mal vorkommen, dass ein Paar sich segnen lassen möchte. Auf dieser Reise hatte ich eine Goldene Hochzeit,  ihnen zu Ehren sind die „Comedian Harmonists Today“ aufgetreten.

Waren Sie schon öfters Bordseelsorger?
Ja, das war meine fünfte Kreuzfahrt und meine zweite auf diesem Schiff. Ich bin Seelsorger und sehe gleichzeitig viel von der Welt und erlebe viel – das ist eine wunderbare Mischung.

Welche Kreuzfahrt war die schönste?

Jede Kreuzfahrt ist schön, sei es Mittelmeer, Ostsee, Grönland, Spitzbergen und jetzt Südostasien.
Auf dieser Reise hatte ich allerdings ein ganz besonderes Erlebnis: Ich habe zufällig eine ehemalige Mitschülerin aus der Grundschule wiedergetroffen. Ich bin in Siebenbürgen zur Schule gegangen, und das ist mehrere Jahrzehnte her – ich bin heute 65 Jahre alt. Dass wir uns jetzt auf dieser Reise wiedergesehen haben – unfassbar.

Die MS-Europa ist ein fünf-Sterne plus Luxus-Schiff. Bei der Route denkt man an kristallklares Wasser, weißte Sandstrände und exotische Tiere: Eigentlich ist das kein Umfeld, bei dem es nötig scheint, Menschen Beistand zu leisten?

Da täuscht man sich – die Menschen bringen ihre Nöte, Sorgen und Freuden natürlich mit auf die Reise. Hinzu kommt: Auf so einem Schiff sind die Menschen anders – sie sind in einer komplett anderen Umgebung. Die Weite des Meeres und die Abgeschiedenheit – das macht etwas mit den Leuten und öffnet sie für Gespräche. Die Menschen so zu erleben – das reizt mich an der Aufgabe des Bordseelsorgers.

Mit welchen Themen kommen die Menschen zu Ihnen?

Das ist ganz unterschiedlich: Oft sind es familiäre Krisen, etwa der Kontaktabbruch zu den Kindern oder Enkeln, der den Menschen zu schaffen macht, manchmal ist es auch die Trauer um einen Partner oder Angehörigen oder einfach Einsamkeit. Sie berichten mir aber auch über freudige Ereignisse. Ich denke, jeder hat das Recht auf Beistand und Seelsorge – auf einem Kreuzfahrtschiff und anderswo. Ich finde es richtig, dass sich einige wenige Reedereien das noch leisten – Bordseelsorge gibt es bei weitem nicht auf jedem Kreuzfahrtschiff.

Der überbordende Luxus an Bord, die umweltschädlichen Dieselantriebe der Schiffe: Wie begegnen Sie Kritik?

Ich habe die gesamte Crew als sehr umweltbewusst erlebt. Es gab etwa ein Picknick auf einer Insel, da mussten sämtliche Lebensmittel an Land gebracht werden. Die Besatzung hat sehr darauf geachtet, den Strand sauber zurückzulassen. Auch sonst versucht man so weit wie es geht, den Ablauf an Bord umweltfreundlich zu gestalten. Ich verkündige jedoch auf diesem Schiff das Evangelium und erreiche damit Menschen, die manchmal nie oder kaum etwas mit Kirche zu tun haben – das ist mein Auftrag als Pfarrer und das finde ich sinnvoll – auch und gerade auf einem Schiff.

Interview: Andrea Wagenknecht   

Bordseelsorge ist Seelsorge für Gäste und Besatzung an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Sie ist Teil des Dienstleistungsangebotes der Reiseveranstalter und zugleich Erfüllung des kirchlichen Auftrags "Gehet hin in alle Welt ..." (Matthäus 28,19). Die Bordseelsorge auf Kreuzfahrtschiffen wird vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) organisiert.

Themen-Special: Kirche im Urlaub

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Alles, was dir vor die Hände kommt,
es zu tun mit deiner Kraft, das tu.

(Prediger 9,10)

Prediger 9,10

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/tolga tezcan

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