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Lernende Maschinen

Kirchentag beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz

GettyImagesAutonomes FahrenAutonomes Fahren

Maschinen können vieles, aber nicht alles sollte man sie tun lassen. Was das ist, war Thema beim Kirchentag in Dortmund. Konkret ging es unter anderem um die Autos der Zukunft, die autonom fahren könnten.

Künstliche Intelligenz (KI)taucht als Schlagwort täglich auf. Dass sie mehr ist, als die Verarbeitung großer Mengen von Daten, machten beim Dortmunder Kirchentag die Theologin und Informatikerin Anne Foerst aus dem US-amerikanischen St. Bonaventure und der Professor für Kognitive Kybernetik aus Offenburg, Matthias Haun, beim Podium „Maschinenbilder – Menschenbilder“ deutlich.

Maschinen, die mehr können als programmiert werden

Von Künstlicher Intelligenz (KI) sei erst dann zu sprechen, wenn es um selbst lernende Systeme geht, deren Fähigkeit über das hinausgeht, was ihnen Menschen einprogrammiert haben.
Haun, der auch Philosoph ist, arbeitet an der Entwicklung von autonomen Fahrsystemen.

Während die deutschen Automobilhersteller Daten sammelten und über Geschäftsmodelle nachdächten, seien Risikobereitschaft und technische Entwicklung nicht ihre Stärken, kritisierte er und sagte voraus, dass autonomes Fahren ab 2021 in Asien im größeren Maßstab Realität werde.

Autos werden kognitive Roboter

Dabei ginge es um „einfühlsame Autos“, die sich in eine bestehende Infrastruktur einfügen, nach vorne schauen und Probleme gar nicht erst entstehen lassen. Aus dem Auto werde ein kognitiver Roboter. „Sie werden ein Subjekt der Moral und der Verantwortung sein“, sagte Haun.

Im Zusammenhang mit autonomem Fahren werde immer wieder gefragt, welche Entscheidung man dem Auto einprogrammieren sollte, wenn es nur die Wahl hätte, einen jungen oder einen alten Menschen zu überfahren. „Das ist eine Scheindiskussion“, sagte Haun und fragte, ob denn Menschen in der Lage seien, in Millisekunden ethisch und moralisch richtig zu entscheiden. Er verwies darauf, dass 90 Prozent der Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen seien.

Moralische Entscheidungen nicht dem Kommerz überlassen

Als negatives Beispiel der derzeitigen Entwicklung nannte er autonome Fahrzeuge, die eine kritische Entscheidung aufgrund der Analyse von Versicherungsdaten träfen. Damit überlasse man moralische Entscheidungen dem Kommerz. Haun plädierte dafür, nicht alles zu tun, was technisch machbar ist und warnte vor Ansätzen einer selbstständigen Weiterentwicklung von Maschinen die drohe, sich der menschlichen Kontrolle zu entziehen.

Anne Foerst gestand ein, ein großer Fan von Künstlicher Intelligenz zu sein. Gottes Ebenbild aber bleibe der Mensch, betonte sie. Indem Kirchen diese Ebenbildlichkeit immer wieder klarstellten, könnten sie den Menschen die Angst  vor den Maschinen nehmen. Gute Einsatzmöglichkeiten für KI sieht sie im Bereich der Telemedizin. Mit ihrer Hilfe könnten Menschen in Ländern und Gebieten  operiert werden, wo es sonst nicht möglich wäre.

Mit Blick auf die Roboter-Robbe Paro, die in der Pflege eingesetzt wird, um Menschen zu beruhigen, sagte sie allerdings auch, dass dazu besser Menschen ausgebildet werden sollten. „Liebe können Menschen am besten“, betonte die Professorin.

Künstliche Intelligenz könnte viele Jobs verschwinden lassen

Gefragt werden müsse laut Foerst, wer mit der KI am meisten verdient. Sie befürchtete, dass sich durch ihren Einsatz die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffne, indem Jobs verschwinden und neue Geschäftsfelder für die Eigner der Maschinen entstehen. „Das Geld, das durch die Maschinen verdient wird, muss umverteilt werden“, sagte sie und sprach sich für ein Grundeinkommen aus.

Gemeinsam plädierten Foerst und Haun dafür, dass sich Kirche für die Bereiche stark machen solle, die menschlich bleiben müssten. Haun etwa wolle am Ende seines Lebens nicht von einer Maschine begleitet werden, betonte er.

"Die Menschheit ist getrieben von der Technik"

Der Journalist und Medienethiker Jonas Bedford-Strohm verwies ebenfalls darauf, dass der Einsatz von KI sinnvoll sein könne, warnte aber vor ethischen Fallstricken. Er zeigte Kombinationen von verschiedenen Texten mit Bildern, die allesamt gefälscht waren. Die Texte haben Maschinen aus Bausteinen zusammengesetzt, die Porträtfotos aus den Daten von anderen Bildern „zusammengerechnet“.

Das zeige, wie mächtig Technologien sein können. Derzeit habe er den Eindruck die Menschheit sei getrieben von der Technik. Dies gelte es umzudrehen. Matthias Haun verwies auf das biblische Wort von Mose „Ich bin, der ich bin“ und fügte hinzu: „So lange Maschinen die Bedeutung dieses Satzes nicht nachvollziehen können, habe ich Hoffnung.“

Themen-Special: Glaube in der digitalen Welt

Text: Renate Haller

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Lobe den HERRN, meine Seele,
und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat.

Psalm 103, 2

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/issalina

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