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Kirchen, Synagogen und Moscheen als religiöse Ausflugsziele

Dek. Rodgau

Gotteshäuser als heilige Räume

Ob es Reiselustige nach Spanien, Italien, die Türkei, Israel oder Brasilien zieht: Kirchen, Synagogen und Moscheen sind beliebte Ausflugsziele und laden zur Besichtigung ein. Doch an so mancher Pforte wird darauf hingewiesen, beim Betreten eines Gotteshauses angemessene Kleidung zu tragen, das Handy auszuschalten und sich in gedämpftem Tonfall zu unterhalten. Doch was steckt hinter diesen Regeln? Und: Was macht ein solches Gebäude zu mehr als einem kulturhistorisch interessanten Objekt? Der Theologe Markus Zink, Referent für "Kunst und Kirche" im Zentrum Verkündigung der EKHN, veranschaulicht den Sinn hinter diesen Regeln in einem Gespräch mit Rita Deschner aus der Multimediaredaktion der EKHN.

Kirchenbesichtigungen sind beliebt. So schauen rund die Hälfte der Urlauber in einer Kirche während ihrer Reisezeit vorbei. Dabei bestehen Kirchen und andere religiöse Gebäude erst einmal aus Stein, Holz und anderen Materialien. Was ist es, das ein Gotteshaus zu etwas Besonderem macht?

Markus Zink: Zunächst einmal unterschieden sich Kirchen architektonisch von anderen Gebäuden. Die Innenausstattung - Altar, Kerzen, Bänke du so weiter - zeigt klar, wo man sich befindet. Der Raum bietet mir dadurch ein bestimmtes Verhalten an. Er zeigt mir, wo ich hinschauen oder hingehen kann, bietet einen Sitzplatz an oder gibt mir die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden. Meistens laden Kirchen zur Stille und zum Innehalten ein. In einer Kirche werden Sie immer zum Gebet und Gottesdienst hingeführt - das tut beispielsweise eine Burg nicht.
Die Atmosphäre eines Gebäudes hat selbst eine Botschaft. Kirchengebäude können etwas ohne Worte von Gott vermitteln. Dies bedeutet nicht, dass Menschen, die nicht an Gott glauben, beim Heraustreten plötzlich fromm sind. Allerdings kann es vorkommen, dass sie danach in einer anderen Stimmung sind, ein bißchen mehr zu sich selbst gekommen und eine offenere Wahrnehmung haben. Kunstgegenstände in Kirchen bieten die Gelegenheit, sich intensiv auf eine bestimmte Figur oder ein Bild zu konzentrieren. Da geht es oft um zentrale Lebensthemen: Leben und Tod, Krankheit und Heilung, Glück und Unglück. Die Konzentration in der Betrachtung kann persönlich in die Tiefe gehen und das kann sehr befriedigend sein.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Markus Zink: Ja, einmal habe ich mit zwei Freunden zwei Stunden lang ein Altargemälde betrachtet - durch die intensive Betrachtung haben wir bemerkt: Hier ist richtig was los! Ganz unterschiedliche Figuren sind uns ins Auge gefallen. Was hatten sie vor? Wie sind sie in die Szene geraten? Was haben sie miteinander zu tun und wie geht die Geschichte wohl weiter? Am Ende hatten wir das Gefühl, einen ganzen Film gesehen zu haben.
Viele Kirchen haben versteckte, interessante Schätze. Figuren an Kapitellen oder freche Schnitzerei am Chorgestühl, das ein oder andere verstecktes Teufelchen, es gibt viel zu entdecken.

Kann es auch in Gotteshäusern laut und turbulent zugehen?

Markus Zink: Ja sicher, es gibt immer wieder Kirchen, in denen es rund geht, wie beispielsweise in der Jugendkulturkirche St. Peter in Frankfurt am Main, dort tanzen die Jugendlichen. Kirchen sind nicht nur da, um still zu sitzen. Doch eines ist immer gleich: Ob Stille, Gottesdienst oder Tanzevent - von Besucherinnen und Besucher wird erwartet, sich adäquat zu verhalten. Egal welche Aktion in einem Gotteshaus gerade statt findet, eine Botschaft bleibt immer gleich: Mach mit!

Was lässt eine evangelische Kirche zu einem heiligen Ort werden?

Markus Zink: Theologisch kann man das am besten mit dem Ablauf einer Einweihung erklären. Die besteht aus Widmung, Heiligung und Segnung. Ein Kirchenraum wird "geheiligt durch Gottes Wort und Gebet" (nach 1. Timotheus 4,5). Er ist reserviert für das, was im Sinne der Bibel zwischen Gott und Mensch stattfinden soll. Das bedeutet "geheiligt". Im öffentlich rechtlichen Sinne gehört dazu eine Widmung. Denn auch weltliche Gesetze schützen Gotteshäuser in besonderer Weise. Bei Einweihungen wird auch ein Segen erteilt. Im evangelischen Sinne werden aber nicht die Steine gesegnet, sondern die Menschen, die hier ein- und ausgehen. Alles drei zusammen - Widmung, Heiligung und Segnung - macht die Kirche zu einem besonderen Ort. Wie gesagt hängt das vor allem davon ab, was in einer Kirche stattfinden soll. Das Heilige sitzt meiner Meinung nach nicht in den Steinen wie Wasser in einem Schwamm, sondern ist immer eine Sache zwischen Gott und Mensch. Die Bibel sagt dazu, dass wir selbst "Tempel des Heiligen Geistes" sind (1. Korinther 3,16f.). Ich meine aber auch, dass Kunst und Architektur den Sinn dafür öffnen können. Auch das macht Kirchen zu etwas besonderem.

Welchen Sinn machen Verhaltensempfehlungen in einem Gotteshaus?

Markus Zink: Fast immer gehören Ruhe und angemessene Kleidung zu solchen Regeln. Andere sollen nicht in ihrer Andacht und beim Gebet gestört werden. Handys können da genauso nervig sein wie Foto-Attacken. Leute beim Beten filmen gehört sich nicht, weil das eine intime Sache zwischen Gott und Mensch ist. Beim Besuch einer Moschee sollten Sie die Schuhe ausziehen und sich waschen. Das gehört durchaus zu den religiösen Regeln. Bei einer Kirche haben Verhaltensregeln weniger den Charakter eines religiösen Gesetzes. Aber sie haben auch mit Respekt und Gefühl zu tun. Wichtig finde ich, dass Besuchende die besondere Stimmung eines Gotteshauses wahrnehmen können. Falls jemand mit der Kamera auf Motivsuche in der Kirche ist, immer den Sucher zwischen sich und dem Raum hat, beraubt er sich um ein Erlebnis. Er wird den Raum mit seiner einzigartigen Atmosphäre kaum als Ganzes wahrzunehmen. Verhaltensempfehlungen sind deshalb durchaus auch für Menschen von Vorteil, die sich nicht als Gläubige bezeichnen. Sie erhalten die Möglichkeit, die Fühler auszustrecken und zum Beispiel den Unterschied zwischen dem Straßenlärm draußen und der Stille im Innenraum wahrzunehmen - und zu genießen.

Gibt es Ausnahmen von der Regel?

Markus Zink: Bei einer Wandertour im Schwarzwald habe ich in einem kleinen Kirchlein Unterschlupf vor einem Gewitter gefunden. In den Bankreihen habe ich mein Butterbrot gegessen und der Familie per Handy Bescheid gegeben, dass ich das Unwetter abwarten werde und später komme. Es war aber auch sonst niemand da, der sich daran hätte stören können.

Ist es Gott wichtig, welche Kleidung wir tragen oder ob das Handy klingelt?

Markus Zink: Gott schaut ins Herz und nicht auf das Äußere, heißt es schon in der Bibel. Vermutlich ist es Gott egal, ob wir Shorts tragen oder lange Hosen oder wo wir telefonieren. Aber ich denke, Gott ist es nicht egal, wie wir mit anderen Leuten umgehen. Bei der Frage geht es darum, ob ich ich andere Menschen irgendwie provozieren könnte. Das sollte man eben nicht tun. Aber auch wenn gerade niemand in der Kirche ist, gibt es ein angemessenes Verhalten. Ein kleiner Vergleich: Wenn Sie bei Ihren Nachbarn während der Ferien die Blumen gießen, werden Sie auch nichts tun, was der Nachbar schlecht finden würde, zum Beispiel rauchen oder andere zur Party in seine Wohnung einladen oder in alle Schränke gucken. Es ist anständig, sich so zu benehmen, als wären Ihre Nachbarn da. Das ist eine Frage des Respekts. Deshalb macht es Sinn, lokale Traditionen zu beachten. In Italien, Griechenland und Spanien sind kurze Hosen in Kirchen nicht gerne gesehen. Manchmal werden Frauen sogar aufgefordert, Kopftuch zu tragen. Es tut ja nicht weh, sondern ist eine freundliche Geste gegenüber den Gastgebern, sich entsprechend zu verhalten.

Sie hatten ja bereits das Fotografieren erwähnt. Weshalb ist es teilweise verboten?

Markus Zink: Ich selbst schaue mir auch gerne Kirchen an. Und nachdem ich mich in Ruhe hingesetzt und mich umgesehen habe, fotografiere ich auch hin und wieder. Doch manchmal wird tatsächlich ein Fotografier-Verbot ausgesprochen, genauer gesagt ein Blitzlicht-Verbot. Das schützt die Kunstgegenstände. Denn Blitzlicht schädigt auf Dauer farbige Oberflächen und Goldauflagen. Daran halte ich mich natürlich. 

Anregungen für angemessenes Verhalten in einer Kirche

• Verhalten Sie sich respektvoll gegenüber den Gläubigen.

• Männer sollten beim Eintreten Mützen und Kappen absetzen, Frauen können ihre Kopfbedeckung aufbehalten.

• Den Handy-Klingelton am besten ausschalten.

• Sprechen Sie etwas gedämpft, während des Gottesdienstes oder während einer Andacht; zudem ist es ratsam, zuzuhören.

• Schultern und Knie sollten bei Frauen sollten bedeckt sein.

• Männer sollten lange Hosen den bequemen Shorts vorziehen.

• Ein Picknick sollte nicht vor oder in einer Kirche abgehalten werden.

• Wer der jeweiligen Religion oder Konfession nicht angehört, sollte sich zuvor informieren, ob er sich an bestimmten Bräuchen beteiligen darf. So sollte ein Nicht-Katholik nicht an der katholischen Abendmahlsfeier teilnehmen.

• Halten Sie etwas Abstand vom Altar, oft ist er durch eine Kordel abgesperrt.

• Fotografieren Sie am besten ohne Blitz, um die Kunstgegenstände zu schützen.

• Erklären Sie Kindern den Sinn der wichtigsten Regeln. Sie können den Kleinen einige Besonderheiten des Gebäudes zeigen und sie erklären. Bringen Sie z.B. Kinderbücher mit, falls sich die Kinder langweilen sollten, der Besuch sollte für ein Kind zeitlich angemessen sein.

• Ihren Hund sollten Sie besser außerhalb der Kirche warten lassen.

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Moscheen- und Synagogenbesuche

Wenn ein Besucher oder eine Besucherin eine Synagoge oder Moschee betritt, so kommt er als Gast. Als solcher passt er sich normalerweise den Kleider- und Verhaltensregeln an. Zu denen übrigens auch eine angemessene Bekleidung gehört. Spaghettiträger und kurze Hosen passen nicht in Synagogen und Moscheen. Auch hier geht es um den Respekt vor den Gläubigen vor Ort.
Normalerweise werden Besucherinnen und Besucher nicht ohne weiteres in eine Synagoge oder Moschee eintreten können, sondern zunächst auf Leute treffen, die Ihnen gerne weiterhelfen. Sie werden ihnen mitteilen, wie sie sich verhalten sollen. Es lohnt sich übrigens in einer Moschee zuzuschauen, wenn dort eines der fünf Tagzeiten-Gebete gebetet wird. Eindruckvoll ist es auch, am Freitagabend in einer Synagoge am Gottesdienst teilzunehmen. Auf diese Weise wird der Gottesdienstraum der anderen Religion lebendig.

In der Synagoge: Männer sollten in der Synagoge eine Kopfbedeckung (Kippa) tragen. Wer keine dabei hat, kann sie meistens am Eingang bekommen.

In der Moschee: In Moscheen wird Wert darauf gelegt, dass man die Schuhe auszieht. Grund hierfür ist, dass Muslime auf sauberem Boden beten sollen. Sauber bedeutet im Falle einer Moschee, dass die Besucher nicht den Strassendreck hineintragen. Wer ungern mit nackten Füßen über den Teppich läuft, sollte sich auf den Moscheebesuch vorbereiten, indem er Strümpfe mitbringt. Nicht in allen Moscheen müssen Frauen ihr Haupt bedecken. Da dies aber von Moschee zu Moschee unterschiedlich gehandhabt wird, ist es immer gut, ein Kopftuch dabei zu haben.

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Korinther 5, 17

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Zoltan Tasi/unsplash

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