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Talk zu Hass und Gewalt

„Das Problem ist, dass wir nicht widersprechen!“

Hans GentheTalk über Hass und Gewalt in der ZeitKirche auf dem HessentagTalk über Hass und Gewalt in der ZeitKirche auf dem Hessentag

Über beleidigende und hasserfüllte Kommentare in den sozialen Medien haben Prominente wie Michel Friedman in einer Talkrunde auf dem Hessentag gesprochen. Sie äußerten auch Vorschläge, wie auf Hass und Gewalt reagiert werden könne.

Gleich an der ersten Frage von Wolfgang Weinrich schieden sich die Geister: „Viele Menschen haben das Gefühl, es wird mit dem Hass immer schlimmer. Ist das wirklich so?“ Für den Psychologen und Gewaltforscher Rudolf Egg lautete die klare Antwort: „Nein, es wird nicht schlimmer, sondern wandelt sich. Die Menschen hatten schon immer das Gefühl, das früher alles besser war.“ Die türkischstämmige und muslimische Autorin Canan Topcu hat andere Erfahrungen: „Ich werde immer wieder auf meine muslimische Identität reduziert und dafür beleidigt. Und ja, das ist in letzter Zeit mehr und schlimmer geworden.“

Durch Internet verbreiten sich radikale Meinungen schneller 

Für Antje Schrupp war die Ursache für das Phänomen klar: „Durch das Internet ist es einfacher geworden, eine Meinung öffentlich zu machen und sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun.“ Leider gelte das gerade für radikale Ansichten. Auch Michel Friedman sah darin ein Problem: „Minderheiten sind auf einer verbalen Ebene vogelfreier geworden. Das 'das wird man wird doch wohl noch sagen dürfen'-Narrativ ist nicht mehr auf den Kneipenstammtisch beschränkt, es ist – auch dank der AfD – öffentlich geworden.“

Auch die immer brutalere und aggressivere Sprache in sozialen Netzwerken und Kommentarspalten war ein Thema in der ZeitKirche. „Was ist mit unserer Sprache los, dass sie so auffällig ausfällig geworden ist?“ fragte Wolfgang Weinrich. Laut Rudolf Egg sei die sprachliche Gewalt im Internet psychologisch begründet, da sie eine Art Ventilfunktion habe und Menschen so ihre Aggressionen abbauten. Allerdings streite die Forschung darüber, ob diese Art von Aggressionsabbau wirklich etwas bringe. Gleichzeitig wies Egg auf eine wichtige Unterscheidung hin: „Wenn ich jemanden als Lügner oder Schlimmeres bezeichne, dann ist das keine Meinungsfreiheit, sondern eine Beleidigung.“ Meinungsfreiheit bedeute nicht, dass jeder einfach alles sagen dürfe; es gebe gesetzliche Grenzen, an die sich alle halten müssten.

„Jeder Einzelne kann und muss etwas gegen Hass und Gewalt tun!“

Auf die abschließende Frage, wer gegen Hass und Gewalt etwas tun könne, fand Michel Friedman eine klare Antwort: „Sie. Ich. Wir alle, jeder Einzelne kann und muss etwas tun. Das Problem ist, dass wir dem Hass und der Gewalt zuhören und nicht widersprechen.“ Friedmans Familiengeschichte liefere dafür einen eindrucksvollen Beweis: Während des Zweiten Weltkrieges verdankten seine jüdischen Eltern Oskar Schindler ihr Leben – einer Einzelperson also, die Mut bewiesen und etwas getan hat. „Deshalb ist für mich völlig klar, dass jeder Einzelne den Mund aufmachen muss. Wir müssen mehr streiten, mehr widersprechen. Das ist anstrengend, aber auch sehr wichtig. Je mehr Menschen, die Opfer oder Zeuge von Hass und Gewalt werden, sich wehren, desto eher kommen Lernprozesse in Gang und desto eher ändert sich etwas.“

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.

Lukas 12, 48

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/LPETTET

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