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Jahreslosung

Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Würde

EKHNPortraitDr. Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN

Die Jahreslosung 2015 „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ ist für Kirchenpräsident Jung Anlass über die Würde des Menschen nachzudenken.

„Wer bin ich?“ – Der christliche Glaube antwortet auf diese Frage so: „Du bist ein von Gott mit dem Leben beschenkter und von Gott geliebter Mensch. Das gilt, was auch immer in deinem Leben geschehen mag – auch über den Tod hinaus. Das gilt auch, unabhängig davon, was du in deinem Leben geleistet oder nicht geleistet hast.“

Und wer fragt: „Woher kann ich das wissen? Warum kann ich das glauben?“, dem kann geantwortet werden: „Schau dir an, wer Jesus Christus war, wie er gelebt hat, wie er Menschen begegnet ist, was er gesagt und getan hat und wie Gott ihn durch den Tod hindurchgeführt hat zu neuem, ewigem Leben. In Jesus hat Gott sich mit dem menschlichen Leben verbunden, um seinen Menschen nahe zu bringen: Ihr seid meine geliebten Kinder.“

Nicht alles was Menschen tun, ist gut

Damit ist nicht gesagt, dass alles gut ist, was Menschen tun. Gerade wer so auf das menschliche Leben schaut, wird vielmehr entdecken: Oft werden Menschen dem nicht gerecht, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist. Viele leben so, als hätten sie sich das Leben selbst gegeben und als hätten nur sie selbst einen Anspruch auf das Leben und nicht die anderen.

Für das Jahr 2015 wurde ein Satz des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom als Jahreslosung ausgewählt: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Römer 15,7) Hier wird vorausgesetzt: „Ihr seid von Gott beschenkte und angenommene Menschen – auch mit allem, was in eurem Leben nicht gut ist.“ Und daraus wird abgeleitet: „Begegnet einander so, wie Gott euch begegnet: nehmt einander an!“ Und das heißt: „Seht in allen anderen um euch herum Menschen, die – genau wie ihr selbst – von Gott beschenkt und angenommen sind.“

In Würde leben, auch mit Andersgläubigen

Diese Sicht des Menschen hat die Formulierung des ersten Artikels unseres Grundgesetzes entscheidend mitgeprägt. Dort heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Und das bedeutet: Jeder Mensch hat einen Anspruch darauf, in seiner unverlierbaren Würde respektiert zu werden. Christinnen und Christen sind aufgefordert, dies zu leben – aber nicht nur untereinander in der eigenen Glaubensgemeinschaft. Weil sie glauben, dass die Zuwendung Gottes allen Menschen gilt, sind sie aufgefordert, dies auch hineinzutragen in die Gesellschaft, in der sie leben.

Unsere Gesellschaft ist kulturell und religiös vielfältiger geworden. Unsere Gesellschaft ist auch voller Spannungen, die unterschiedliche Ursachen haben. Es gibt Spannungen zwischen Stadt und Land, Armut und Reichtum, Alter und Jugend. Oft wird die Frage gestellt, was eine Gesellschaft zusammenhält. Einander anzunehmen, als Personen, als Menschen mit einer unverlierbaren Würde, kann meines Erachtens ein oberster Wert sein, der stark genug ist, eine Gesellschaft zusammenzuhalten.

Die Jahreslosung 2015 möge Christinnen und Christen darin bestärken, ihren Beitrag dazu zu leisten. Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr!

Pfarrer Dr. Volker Jung

Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

Epheser 2, 8

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Calfy Pattie

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