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Mitmachen: Weichen für EU-Agrarpolitik neu stellen

istock, Balefire9, ErikaMitchellZukunft der LandwirtschaftWelche Art der Landwirtschaft wünschen wir uns in Zukunft?

Für manchen Verbraucher macht es einen Unterschied, ob ein Schwein vor dem Genuss des Koteletts ein artgerechtes Leben geführt hat – oder nicht. Die Weichen dafür stellt die EU-Agrarpolitik, die sich beispielsweise auch auf die Trinkwasserqualität auswirkt. Bis zum 2. Mai hat jeder die Chance, seine Vorstellungen einer künftigen EU-Agrarpolitik mitzuteilen.

„Die in Brüssel machen doch, was sie wollen.“ Stimmt nicht ganz. Denn jetzt haben Bürgerinnen und Bürger die Chance mitzuteilen, wie sie sich künftig die Qualität mancher Nahrungsmittel im Supermarkt vorstellen, aber auch wie Kühe und andere Nutztiere gehalten werden sollen. Bis zum 2. Mai 2017 können Interessierte an den Konsultationen zur „Gemeinsamen Agrarpolitik“ (GAP) der Europäischen Union per Internet-Umfrage teilnehmen und ihre Meinungen und Vorschläge äußern. Sie können jetzt ihr Votum abgeben, wofür jährlich 58,3 Milliarden Euro – oder 39 Prozent des EU-Haushaltes -  im Agrarbereich künftig verteilt werden sollen. Die EU will bis Ende 2020 die Reform der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ umgesetzt haben. Spätestens dann werden deren Auswirkungen auf unseren Tellern und Feldern spürbar sein.

Verbände bieten Musterantworten an

Auch Dr. Maren Heincke, die Referentin für den ländlichen Raum im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN, will an dieser Befragung teilnehmen. Sie ermutigt aber auch Landwirte und Kirchenmitglieder, sich aktiv zu beteiligen. Maren Heincke gibt einen Tipp: „Selbst wenn sich jemand nicht fachlich mit allen Aspekten der Agrarpolitik auskennt, können sich Interessierte Anregungen bei Musterantworten auf der Internetseite beim Verband ihres Vertrauens holen.“ Dabei nennt sie Umweltverbände wie den BUND oder Interessenvertretungen wie den Bauernverband.

Weniger Geld für Fläche, mehr für Soziales gefordert

Die evangelische Agrarwissenschaftlerin betont, dass sie das Agrar-System grundsätzlich für sinnvoll halte, mit dem die europäische Landwirtschaft finanziell unterstützt werde. Maren Heincke beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Agrarpolitik. Mehre zentrale Punkte am bisherigen System schätzt sie jedoch als hoch problematisch ein: „Unter anderem werden zur Zeit flächenmäßig große Betriebe im Sinne einer industriellen Landwirtschaft gefördert. Ein Betrieb mit 100 ha Fläche erhält pro Jahr knapp 30.000 Euro Flächenprämie.“ Dadurch seien in der Vergangenheit viele kleine und mittlere Betriebe auf der Strecke geblieben. In Hessen und Rheinland Pfalz gäbe es allerdings noch viele Höfe mittlerer Größe, im Gegensatz zum Osten oder Norden Deutschlands. „Wichtig ist, dass auch Landwirte und ihre Familien in unserer Region ein ausreichendes Einkommen erwarten können. In Gesprächen und bei Besuchen bei Landwirten erfahre ich häufig, dass der Hof nur durch extreme Arbeitsbelastung über die Runden kommt“, berichtet Agrarexpertin Heincke. Schlechtes Wetter oder ungünstige Weltmarktpreise wirkten sich bisher unmittelbar auf das Einkommen vieler hessen-nassauischer Bauernfamilien aus. Sie fasst zusammen: „Künftig sollte die EU-Agrarpolitik einen stärkeren Schwerpunkt auf die sozio-ökonomische Perspektive und weniger auf Flächengröße setzen.“

Tierwohl verbessern

An der Fleischtheke ist es einigen Verbraucher wichtig, dass ein Schwein ein möglichst artgerechtes Leben geführt hat, bevor Teile von ihm zu Kotelett verarbeitet wurden. Für diese Kundinnen und Kunden eröffnet Agrarreferentin Heincke weitere Möglichkeiten, wie der Fluss der EU-Agrarsubventionen künftig gesteuert werden könnte: „Momentan wird der Neubau von Ställen mit bis zu 35 Prozent öffentlich gefördert. Künftig könnte verstärkt der Zuschuss davon abhängig gemacht werden, ob das Tierwohl im Stall zentral berücksichtigt wird, ob er beispielsweise ausreichend Raum für Bewegungsmöglichkeiten bereithält.

Ökologische und nachhaltige Landwirtschaft unterstützen – auch für sauberes Trinkwasser

Zudem erachtet sie es für sinnvoll, dass mehr Finanzmittel von der ersten Säule für die Flächenprämie (bisher 80 Prozent) in die zweite Säule der Fördermittel umgeschichtet werden: „Davon werden Landwirte unterstützt, die sich für eine besonders umweltfreundliche Bewirtschaftung entschieden haben. Da deren Erträge geringer sind, wäre hier die Förderung ein sinnvoller Ausgleich.“ Maren Heincke erklärt den Grund, weshalb es Sinn macht, ökologische und gewässerschonende Landwirtschaft verstärkt zu unterstützen: „Durch den intensiven Gemüseanbau im Hessischen Ried wird das Grundwasser zunehmend mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigt. Mit diesem Grundwasser sowie dem Wasser aus dem Vogelsberg werden rund drei Millionen Menschen im Rhein-Main-Gebiet versorgt.“ Bereits 15-20 Prozent der Grundwassermessstellen in Hessen zeigten bei den Nitratkonzentrationen Ergebnisse im kritischen Bereich. Agrarwissenschaftlerin Heincke betont: „Sauberes Trinkwasser ist unser kostbarstes Lebensmittel“. Dabei verurteilt sie keinesfalls Maßnahmen zum chemischen Pflanzenschutz, empfiehlt aber nachhaltige und integrierte Herangehensweisen, beispielsweise den Einsatz von Nützlingen oder einen genau abgestimmten Pflanzenschutzplan.

Änderungsvorschläge werden bereits im Herbst vorgestellt

Bis zum 2. Mai können Verbraucher und Landwirte die Chance nutzen, ihre Vorstellungen für eine künftige Landwirtschaft in der Europäischen Union mitzuteilen. Es geht darum, „wie wir zukünftig unseren großen Garten bebauen und bewahren wollen“, erklärt Maren Heincke und verweist damit auf den zweiten Schöpfungsbericht der Bibel.
Nach Abschluss der Befragung wird die EU-Kommission die Ergebnisse auswerten, im Juli werden sie vorgestellt. Die Änderungsvorschläge dafür will EU-Agrarkommissar Phil Hogan noch im Herbst dieses Jahres veröffentlichen.

Internetumfrage zu einer neuen EU-Agrarpolitik

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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von pixabay/comfreak

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