Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu
EKHN/RahnKirchenpräsident Jung und Prälat Geis im Gottesdienst zum StudientagZu besonderen Anlässen und Feiertagen längst Tradition: ökumenische Gottesdienstfeiern

Evangelisch und katholisch - Unterschiede trotz gemeinsamer Grundlagen

Sie sind in Deutschland ungefähr gleich groß (ca. 23 Mio. Mitglieder) und übernehmen im Gesundheitswesen und im Erziehungsbereich zum Teil staatliche Aufgaben: die evangelische und die römisch-katholische Kirche. In vielen Bereichen arbeiten die beiden großen Kirchen heute gut zusammen, vor allem auf der Ebene der Ortsgemeinden.

Die Gemeinsamkeiten

Diese Arbeit baut darauf auf, dass Christen beider Konfessionen grundsätzlich an dasselbe glauben:

  • Sie glauben an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist
  • Sie glauben, dass die Bibel das Wort Gottes ist
  • Sie glauben, dass die Taufe sowohl die Mitgliedschaft in der Kirche begründet als auch die Verbindung zu allen anderen Christen 
  • Sie feiern das Abendmahl und glauben, dass Christus gegenwärtig ist
  • Sie beten das apostolische Glaubensbekenntnis
  • Sie feiern sonntags Gottesdienst und viele Feste im Kirchenjahr
  • Sie singen etliche gemeinsame Kirchenlieder
  • Sie setzen sich für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein

Trotzdem bemerken ökumenisch engagierte Menschen, dass auf der Ebene der kirchlichen Theologie und Dogmatik große Unterschiede zwischen evangelisch und katholisch bestehen. Einige Punkte haben schon die ersten Reformatoren nach Luther kritisiert. Andere „Bremsklötze“ der Ökumene zeigten sich erst in späteren Jahrhunderten.

Die Unterschiede

DER PAPST

Eines der zentralen Probleme aus evangelischer Sicht ist das Papstamt. Im katholischen Kirchenverständnis ist der Papst der legitime Nachfolger des Apostels Petrus und als solcher zum obersten Hirten der Kirche bestimmt, als „das sichtbare Zeichen und Garanten der Einheit“ des Christentums. Doch von Beginn an wurde die Position des Papstes von Protestanten bestritten. Weder seine Überordnung über die Bibel noch sein Rückbezug auf ein göttliches Recht könnten seine herausgehobene Stellung begründen, so die Reformatoren. Bis heute bleibt das Papstamt in der ökumenischen Diskussion eine offene Frage. „Gemeinschaft mit, aber nicht unter dem Papst“ (Reinhard Frieling) – so kann die Position der evangelischen Kirche beschrieben werden. Bestritten wird, dass der Papst unfehlbar in Glaubensdingen sei und dass er die Macht haben dürfe, in jedes Bistum unmittelbar hineinzuregieren. Diese beiden „Papstdogmen“ aus dem 19. Jahrhundert stellen zentrale Probleme des Papstamtes dar.

WAS IST DIE „KIRCHE“?

Für die evangelischen Kirchen ist „Kirche“ ein Ereignis. Kirche ist überall da, wo das Evangelium in Wort und Sakrament verkündigt wird. Dort ist laut biblischem Zeugnis Christus gegenwärtig. Wie die Kirche verwaltet und organisiert wird, wird nach funktionalen Kriterien geregelt. Das erklärt die protestantische Offenheit für unterschiedliche Kirchenordnungen und die Offenheit gegenüber anderen Traditionen. Wesentlich bestimmter ist die Definition der katholischen Kirche: Keine andere Glaubensgemeinschaft weist die Heilsmittel in der Fülle der katholischen Kirche auf. Konstituiert durch das geweihte Amt (Priester, Bischof, Papst) verwirklicht sich Kirche im eigentlichen Sinn nur in der römisch-katholischen Kirche. Dieses Amt führt sich durch die sogenannte „apostolische Sukzession“ auf die ersten Jünger Jesu zurück. Ohne geweihte Priester und diese Traditionslinie gibt es keine Kirche.

WER DARF ÖFFENTLICH PREDIGEN?

Nach evangelischem Verständnis ist jeder getaufte Christ „Priester“. Das heißt, alle sind beauftragt, ihren Glauben weiterzugeben und sich um Menschen in Not zu kümmern. Evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen, Kirchenpräsidenten oder Bischöfe nehmen lediglich Spezialaufgaben wahr. Auch die katholische Kirche kennt ein gemeinsames Priestertum der Getauften. Allerdings betont sie deutlich den Unterschied zum geweihten Stand der Geistlichen. Nach katholischer Überzeugung erhalten die Geistlichen im Weihe-Sakrament eine besondere Prägung. Bei ihrer Amtseinführung legt ein Bischof die Hand auf. Das führt eine Tradition weiter, die nach katholischer Ansicht die von Jesus erwählten Apostel begründet haben („apostolische Sukzession“). Geweiht werden – also Priester werden – können bisher nur Männer. Frauen können auf andere Weise in der katholischen Gemeinde Verantwortung übernehmen, eine Gemeinde leiten dürfen sie bisher nicht. Gegen diese Praxis wehren sich vor allem in Europa und Nordamerika zahlreiche engagierte Christinnen.

DIE SAKRAMENTE

Die evangelische Kirche kennt nur zwei Sakramente: Die Taufe und das Abendmahl. Denn nur sie sind in den biblischen Überlieferungen als solche bezeugt. Die katholische Kirche feiert sieben Sakramente, die sich im Lauf der Geschichte entwickelten. Auch Firmung, Buße, das Weihesakrament und die Krankensalbung sind Sakramente. Und die Ehe! Weil eine katholische Trauung ein heiliger Akt ist, sind eine Ehescheidung und eine kirchliche Wiederheirat bisher ausgeschlossen. Gegen diese Praxis richtet sich vor allem in Europa und den USA aber starker Protest.

WARUM IST KEIN GEMEINSAMES ABENDMAHL MÖGLICH?

Das Abendmahl wird von nahezu allen Kirchen als Sakrament – als heilige Handlung – verstanden, durch das die Gläubigen Gemeinschaft untereinander und mit Gott erfahren. Aus diesem Grund spielt es in der modernen ökumenischen Diskussion seit jeher eine zentrale Rolle: An keinem anderen Ort ist die Spaltung und Einheit der Christinnen und Christen deutlicher als bei der Feier des Abendmahls.

Evangelische Christen sind vom katholischen Abendmahl, der Eucharistie, in der Regel ausgeschlossen. Und die katholische Kirche erkennt das Abendmahl, das evangelische Geistliche austeilen, nicht als gültig an. Denn evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer sind nicht geweiht. Der verstorbene Papst Johannes Paul II. hat 2003 noch einmal verdeutlicht: Katholische Christen sollen sich von Brot und Wein anderer Konfessionen fernhalten.

Eine neue Wendung hat die Abendmahlsfrage durch Papst Franziskus bekommen. Am 15. November 2015 sagte er vor italienischen Lutheranern: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr, so sagt uns Paulus, und daraus ziehen Sie dann die Konsequenzen [...] Wenn wir dieselbe Taufe haben, müssen wir gemeinsam gehen.“ Dass Papst Franziskus dem persönlichen Gewissen eine größere Bedeutung gibt als der herrschenden Lehrmeinung der katholischen Kirche, beurteilt das Konfessionskundliche Institut in Bensheim als päpstlichen Aufruf zum „konfessionellen Ungehorsam“.

Nach evangelischer Lesart ist es nicht die Kirche oder ihre Würdenträger, die zum Heiligen Mahl einladen, sondern Christus selbst. Deshalb dürfen alle Christen am Abendmahl teilnehmen, auch Katholiken sind eingeladen. In evangelischen Kirchen bekommen die Gläubigen sowohl Brot als auch Wein. Der Wein ist in der katholischen Kirche seit dem späten Mittelalter meist den Priestern vorbehalten. Ein weiterer Unterschied: Brot und Wein sind für viele Evangelische während des Abendmahls zwar „Leib Christi“, nach der Feier aber wieder normales Brot und Wein. Für Katholiken bleiben sie aber geheimnisvoll gewandelt und müssen daher in der Kirche aufbewahrt, verehrt und Kranken in die Wohnung gebracht werden.

GIBT ES FORTSCHRITTE HIN ZUR KIRCHLICHEN EINHEIT?

Was Protestanten und Katholiken vor 500 Jahre trennte, ist interessanterweise heute kein Problem mehr. Luther richtete seine Kritik vor 500 Jahren weder gegen das Amtsverständnis der römischen Kirche noch gegen die katholische Auffassung der Sakramente. Seine 95 Thesen richteten sich stattdessen gegen den kirchlichen Ablasshandel. Dass Menschen sich mit Geld oder Leistungen aus Strafen für ihre Sünden herauskaufen konnten, verstieß in seinen Augen fundamental gegen die Gnade Gottes „allein aus Glauben“, wie er das Neue Testament las. Die Katholische Kirche vertritt in dieser Frage heute Luthers Position: „Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen“. Das zeigt, dass die Kirchen durch ihre ökumenischen Kontakte und jahrelange theologische Gespräche durchaus in der Lage sind, ihre Positionen neu zu formulieren – auch gemeinsam.

Diese Seite:Download PDFDrucken

Christus spricht:
Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

Lukas 10, 16

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto, andesign101

Zurück zur Webseite >

to top