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Halloween: Konkurrenz zum Reformationstag?

Carsten SommerZeichnung: Luther und GeistWie würde Luther entscheiden: Süßes oder Saures?

Reformationsgottesdienst oder durchgestylte Halloweenparty? Diese Frage stellen sich viele Protestanten am 31. Oktober nicht mehr – im Zweifelsfall entscheiden sie sich für beides. Für Pfarrerin Doris Joachim-Storch, die Referentin für Gottesdienst im Zentrum Verkündigung der EKHN, ist klar: Die dunklen, manchmal beängstigenden Mächte lassen sich mit einer anderen Macht überwinden – mit dem Glauben an Gott. So können sich der Reformationstag und Halloween gegenseitig befruchten. Dennoch wirft Halloween Fragen auf: Wird bei Kindern der Glaube an Dämonen gefördert? Ist es ausschließlich ein Fest, dass die Kassen des Einzelhandels füllt? Was wird eigentlich an Halloween gefeiert? Pfarrerin Doris Joachim-Storch gibt Auskunft zum Fest und erläutert anhand von fünf Thesen ihre Haltung zum Gruselfest.

Süßes verschenken: Lutherbonbons und -kekse

Halloween: Gruselspaß oder Gefahr für Kinderseelen?

Die Entstehung von Halloween

Fünf Thesen:

Der Reiz der Angst

Halloween kultiviert „Angstlust“ (Michael Balint). Das kennen wir alle. Die Lust an der Angst, die durch das Spiel gebannt wird. An kleinen Kindern können wir das sehen. Das haben Sie sicher schon selbst inszeniert. Da wird ein Kind spielerisch erschreckt. Ein Fingerchen nähert sich Ihrem Mund. Sie tun so, als merkten Sie es nicht. Und plötzlich schnappen Sie zu. Das Kind sucht diesen Schrecken. Es weiß, dass Sie nicht wirklich zubeißen, aber es empfindet doch die Angst und gleichzeitig die Freude, dass Sie es nicht schaffen, den Finger zu erwischen. Ähnliches geschieht, wenn Sie auf ein Kind wie ein brüllender Löwe oder ein Geist loslaufen. Oder auch umgekehrt. Angst und Lust. Das Spiel mit den Ängsten, die zugleich gereizt und gebannt werden. Das geschieht im gesicherten Raum eines Spiels oder eines Festes. Darum hat Halloween Facetten, die über Ulk und Kommerz hinausreichen. Hier wird das Gruselige inszeniert und untergründig auch der Tod. Das ist eine ernste Sache, sich als Lebender mit den Toten in eine Beziehung zu setzen. Halloween macht aus dem Ernst ein Spiel. Und das ist durchaus heilsam, aber nicht genug.

Emotionale Abgründe thematisieren

Halloween bringt in uns eine Saite der Wirklichkeit zum Klingen, die nicht vom Verstand gesteuert wird. Das heißt: Dieses Dunkle, Schaurige, diese Vorstellung von Geistern und Toten, die umherziehen, lässt sich nicht durch Vernunft und rationale Erklären wegwischen. Halloween erinnert uns als Kirche, dass wir uns diesen Abgründen und Bedrohlichem des Lebens stellen müssen. Denn zwischen Leben und Tod geschehen Dinge, „welche die menschliche Seele erschrecken und denen die Macht genommen werden muss“ (Fechtner, S. 140).

Die Angst mit der guten Macht überwinden

Ich habe gelesen: Ein Christ könne ruhig Halloween feiern. Es sei sogar die Frage, ob man außerhalb der Kirche oder außerhalb einer religiösen Tradition wirklich Halloween feiern könne. Das ist natürlich provokativ. Und ich würde nicht so weit gehen, Gruselgottesdienste am Reformationstag zu feiern. Aber spannend. Denn das heißt: den dunklen Mächten - ob es sie gibt oder nicht, viele empfinden sie jedenfalls - den dunklen Mächten kann ich nur begegnen, wenn ich eine andere Macht im Hintergrund habe, die stärker ist. Der Angst kann ich nur dadurch begegnen, dass ich an den glaube, der die Angst überwunden hat, nämlich an Gott und den auferstandenen Christus.

Motivation, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen

Unser Reformationsfest hat bei einigen den Ruf, dass es etwas sperrig und langweilig ist. Vielen fällt es schwer, die reformatorische Erkenntnis emotional nachzuvollziehen. Halloween ist eine Konkurrenzveranstaltung – ohne Frage. Aber Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, sondern auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben. Und da haben wir sehr wohl etwas zu bieten. Am 31.10. lief im Fernsehen der Lutherfilm. Ich habe ihn schon mehrmals gesehen und Konfirmanden auch vorgeführt. Was die Jugendlichen immer wieder beeindruckt hat war, wie Luther von Zweifeln und Ängsten geplagt wurde. Für Luther war dies der leibhaftige Teufel, der ihm Angst machte. Und Luther hat sich an Gott festgehalten und damit die Angst überwunden. Reformation kann ein Fest gegen die Angst sein. Und interessant ist ja, dass, seit es Halloween gibt, die Zahl der Reformationsgottesdienste steigt.

Mit Humor der Angst begegnen

Es geht natürlich auch etwas leichter. Aktionen, die eher die Lust als die Angst betonen. Wenn z.B. statt Halloween „Hallo Luther“ gefeiert wird, mit den Lutherbonbons, auf denen der Reformator uns zuzwinkert so im Sinne: Ihr wisst doch, was ihr an mir habt. Luther selbst hat sich mit dem Teufel auch gelegentlich deftig humorvoll auseinander gesetzt: „Wenn dich der Teufel zu arg zwickt, dann streck ihm einfach den nackten Hintern hin.“ Nun, hierzulande macht man das jetzt nicht so. Wir nehmen halt Kürbisse mit Fratzengesichtern dafür. Doris Joachim Storch

Die Entstehung von Halloween

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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von pixabay/comfreak

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