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Luthers Grundsätze

Rita Deschner

Martin Luther brachte die Reformation durch seine Schriften ins Rollen. Er wollte die katholische Kirche reformieren und die bestehenden Missstände beseitigen. Viele Bischöfe benutzten beispielsweise ihr Amt allein dazu, Reichtum anzuhäufen. Luther wollte, dass sich Kirche und Gläubige wieder mehr an den Schriften der Bibel orientieren. Ihm und anderen Reformatoren wie Huldrych Zwingli gelang jedoch nicht eine Reform der bestehenden Kirche, sondern aus der Reformationsbewegung entwickelte sich eine eigene Konfession. Der entstandene protestantische Glauben hatte neue Grundlagen:

Vertrauen auf die Gnade Gottes

Die katholische Kirche versprach einem Sünder, dass er sich vor dem Fegefeuer rettet, indem er Ablassbriefe kauft und gute Taten vollbringt. Von dieser Vorstellung hielt Martin Luther nichts. Er vertrat die Ansicht, dass Gott in erster Linie nicht ein strafender Gott ist, sondern dem Menschen mit Liebe begegnet. Laut Luther erfährt der Mensch allein durch den Glauben die Gnade Gottes.

Gute Werke aus Liebe

Nach mittelalterlicher Auffassung trugen gute Taten dazu bei, Gott gnädig zu stimmen. Protestanten hingegen gehen davon aus, dass Spenden für arme Menschen oder nachbarschaftliche Hilfe keine Garantie sind, das Wohlwollen Gottes zu erreichen. Nach Luthers Auffassung ist es selbstverständlich anderen zu helfen, da der Mensch die durch Gott erfahrene Liebe an andere weitergibt.

Bibel statt Papst

Im Mittelalter glaubten viele Christen, was ein Priester oder der Papst verkündete. Die einfache Bevölkerung hatte nicht die Möglichkeit, die Aussagen in der Bibel zu überprüfen. Die Bibel war damals sehr teuer und nur in Latein geschrieben. Die katholische Kirche konnte die Heilige Schrift so auslegen, wie sie es für richtig hielt. Als Mönch las Luther die Bibel genau. Er stellte fest, dass in der Bibel nicht steht, dass ein Papst das Oberhaupt der Kirche ist. Für Luther ist allein die Bibel und Christus die Richtschnur, an der sich die Gläubigen orientieren sollen. Folglich lehnte er die Autorität des Papstes und seine kirchlichen Anweisungen und Gesetzte ab.

Priestertum aller Gläubigen

Nach Martin Luther ermöglicht der Heilige Geist jedem getauften Christen, die Bibel zu verstehen. Aus diesem Grund übersetzte Luther das Alte und das Neue Testament ins Deutsche und forderte, dass jeder lesen und schreiben lernt. Er war überzeugt, dass jeder, der die Bibel selbst lesen kann, sich auch an der Reform der Kirche beteiligt.

Zwei Sakramente

Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente, also Handlungen, die nur ein geweihter Priester ausführen darf: Taufe, Abendmahl, Beichte, Firmung, Eheschließung, Krankensalbung, Priesterweihe. Für die evangelische Kirche gibt es aber nur zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl. Auch in diesem Punkt orientierte sich Luther an der Bibel, in der nur die Taufe und das Abendmahl als „heilige Handlungen“ erwähnt werden.

Freiheit eines Christenmenschen

Martin Luther schrieb ein kleines Buch über die Freiheit des Christenmenschen, das mit zwei widersprüchlichen Sätzen beginnt. „Ein Christ ist ein freier Mensch und niemandem untertan“, lautet der erste Satz, dann folgt: „Ein Christ ist ein Knecht und jedermann untertan“. In der Spannung dieser beiden Sätze entfaltet sich für Luther die persönliche Freiheit. Luther wollte damit die Menschen von selbst ernannten Vordenkern befreien und sie ermutigen, ihr Gewissen selbst anhand biblischer Texte zu schärfen. Es bedeutet aber auch, dass die eigene Freiheit stets auch die Freiheit anderer berührt und keinen Platz lässt für reinen Egoismus. So beendet Luther sein Buch mit dem Grundsatz: „Der Christ lebt nicht in sich selbst sondern in Christus und seinem Nächsten, in Christus durch den Glauben, in seinem Nächsten durch die Liebe.“

Ehe statt Zölibat

Durch den Gleichheits-Grundsatz des „Priestertums aller Gläubigen“ ist ein besonderer Lebenswandel für Geistliche nicht mehr notwendig: Pfarrer dürfen heiraten.

Gottesdienst in deutscher Sprache

Den Gottesdienst halten die Pfarrer, die sich zur evangelischen Lehre bekennen, nicht mehr in lateinischer, sondern in deutscher Sprache. Der Ablauf des Gottesdienstes ist unterschiedlich: Während Luther es weitgehend bei der alten Gottesdienstordnung belässt, fielen in Gebieten, die Huldrych Zwingli reformierte, auch große Teile der Liturgie weg. Für Zwingli zählte ausschließlich, was in der Bibel steht. Viele liturgische Gesänge, aber auch christliche Bilder hielt er für unnötig.

Abendmahl: Symbol oder Anwesenheit Christi?

Jeder evangelische Christ trinkt während des Abendmahls Wein aus dem Kelch, nicht mehr allein nur der Pfarrer. Uneinig sind sich die Protestanten allerdings, was Brot und Wein bedeuten: Für die Anhänger Luthers ist Christus durch die gesprochene Sakramentsverheißung in Brot und Wein gegenwärtig. Die Anhänger Zwinglis sind dagegen der Auffassung, dass Brot und Wein nur ein Symbol für den Leib und das Blut Christi sind. Landgraf Philipp tendierte zu der Auffassung Zwinglis, eine Einigung in dieser Angelegenheit war ihm ein großes Anliegen, wie das Marburger Religionsgespräch zeigt.

Rita Deschner

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Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Gorfer

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