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Glaube

Pfarrer Hans Genthe im Gespräch mit Propst Oliver Albrecht

R. Oeser / ekhnPropst Oliver AlbrechtPropst Oliver Albrecht

1. Herr Albrecht, was ist Glaube?

Albrecht: Glaube ist in mir das ganz tiefe Gefühl, dass ich geliebt werde und gebraucht werde. Wenn ich einfach so da sein darf. Wenn es eine Aufgabe für mich gibt. Wichtig ist mir nun die Balance zwischen beiden: Nur gebraucht zu werden, würde mich überfordern, würde ich nur geliebt werden, fehlte mir die Aufgabe.

2. Wie wird man ein gläubiger Mensch?

Albrecht: Ich habe Glaube erlebt, wenn ich da hingegangen bin, wo ich Gott vermutet habe. Glaube ist für mich nicht das Ergebnis meiner Anstrengung, sondern Folge meiner Entspannung. Wenn ich aber versucht habe, mir verdammte Mühe zu geben, war es nichts mit dem Glauben.  

3. Was ist das für eine Entspannung, wo kommt die her? 

Albrecht: Diese Entspannung, sich nicht nur auf die eigenen Kräfte zu verlassen, die kommt aus dem Gefühl geliebt zu sein. Ich sag’s mal so: Christen liegen ihrem himmlischen Vater in den Armen und dürfen alles so erzählen, wie es in Wirklichkeit war.

4. Gibt es gläubige Menschen, die Sie bewundern?

Albrecht: Mein Patenonkel war nicht nur Mathematiklehrer und ein feiner, gebildeter Mann, er strahlte diesen Glauben aus: Er hat sich unterbrechen lassen. Immer war er da, wo er gerade war. Wenn ich kam, hatte ich immer das Gefühl, er ist jetzt für mich da. In unserer getakteten Welt wäre eine solche Haltung ein wichtiges Zeichen, das wir als Christen setzen sollten.

5. Was ist denn an einer solchen Haltung christlich? Gibt es das nicht genauso in anderen Religionen?  

Albrecht: Christen sind an dem Punkt auch keine besseren Menschen, aber sie haben es besser. Ich schätze das so ein: Bei uns sind die Folgen des Glaubens etwas unangestrengter als in anderen Religionen. 

6. Glauben alle Menschen an denselben Gott?

Albrecht: Es gibt nur ein- und denselben Gott. Manche haben von ihm richtig viel erkannt, andere tappen noch im Dunklen. Und wieder andere hängen sich an etwas, das ist überhaupt kein Gott, das ist vielleicht ein Götze oder der Mammon. 

7. Ist der Glaube auf dem Rückzug? Oder lebt er ungebrochen?

Albrecht: Die Welt wird gerade wieder religiöser. Ob das Glaube – im jüdischen und christlichen Sinn - ist, wird sich weisen. Manches wird politisch missbraucht und ist nur religiös angestrichen. Aber fast alle Menschen überall auf der Welt suchen nach Glauben und leben ihn. 

8. Warum sind wir Evangelische mit unserem Glauben oft so zurückhaltend? 

Albrecht: Als evangelische Landeskirche betreiben wir Ökumene in verschiedene Richtungen, also zu den Katholiken, die in ruhiger Gewissheit in ihren Strukturen glauben, und auf der anderen Seite leben wir eine Ökumene zu den missionarischen Freikirchen, die sich nicht scheuen, öffentlich von Gott zu reden. Dazwischen erlebe ich unsere evangelische Kirche teilweise wie eine Behörde mit Beamtendenken. Ich will jetzt gar nicht über die Gründe spekulieren, sondern lieber ermuntern, nach links und rechts zu schauen. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel.

9. Was raten Sie jemandem, der in der Kirche ist, von sich selbst aber sagt, er habe eigentlich keinen Glauben? 

Albrecht: Ich würde dasselbe tun, wie bei einem, der schon lange kein Fußball mehr gespielt hat. Ich würde sagen: Komm wir gehen mal‘ ne Runde kicken. Und wenn einer zu seinem Glauben etwas dazugewinnen will, würde ich ihn beispielsweise zu einem Glaubenskurs mitnehmen.

10. Und was raten Sie solchen Menschen, die sich ihres Glaubens sicher sind?

Albrecht: Nun, das weiß man ja: Glaube ist kein Besitz, er wächst. Mit dem Glauben ist es wie in einer Beziehung zu einem lebendigen Gegenüber. Die ändert sich von Tag zu Tag. Ich glaube, dass Gott sich auch verändert. Das zeigt sich ja schon in der Bibel. Da ist der Glaube kein Upgrade, wo man einen bestimmten Level erreicht, sondern ein lebendiger Prozess.

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Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

1. Petrus 5, 7

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Krimzoya

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