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Kinderarmut

Aktionen für bedürftige Kinder zum Schulstart

Bild: Steffen EdlingerJenna ReiboldJenna Reibold von der Diakonie Groß-Gerau-Rüsselsheim organisiert die Schul-Tafel mit

Für den Schulstart ihrer Kinder greifen Eltern etwas tiefer in die Tasche: Schulranzen, Mäppchen, Füller, Hefte werden angeschafft. Gerade bedürftige Familien stoßen da schnell an ihre finanziellen Grenzen. Deshalb gibt es mehrere Aktionen, die helfen. So zum Beispiel die Schul-Tafel im Kreis Groß-Gerau oder die Aktion "Federmäppchen" in Wiesbaden und Darmstadt.

Bild: Steffen EdlingerSchulranzen in einem RegalAuch bei den gespendeten Schulranzen in der "Schwalbe 6" gibt es für die Kinder eine große Auswahl

„Alle können sich darüber sorgen, dass zu wenig Geld da ist und dass nicht genug investiert wird. Aber nicht die Kinder!“, sagt Jenna Reibold vom Diakonischen Werk Groß-Gerau-Rüsselsheim. Ihr Statement ist klar: Kein Kind sollte sich Gedanken darüber machen müssen, ob es sich die Schule leisten kann oder nicht. Leider sieht die Realität in Deutschland oft anders aus. Tatsächlich leben rund ein Viertel aller Kinder in Armut laut einer Studie der Forschungsstelle des Paritätischen Gesamtverbands. Eine sehr erschreckende Zahl, findet auch Jenna Reibold. Gerade beim Schulstart geraten dann finanziell schwächere Familien an ihre Grenzen. Neue Schulranzen können um die 250 Euro kosten – hinzu kommen noch Mäppchen, Stifte, Füller, Hefte, Sportbeutel und mehr. Auch wenn bedürftige Eltern einen finanziellen Zuschuss bekommen, so reicht das Geld meistens nicht aus, um alle Kosten zu decken. „Ich bin der Meinung, dass wir immer unterschätzen, was Kinder bei Gesprächen der Eltern mitbekommen, was sie empfinden, wie viel sie sehen und wahrnehmen. Und trotzdem sollen sie sich – wie gesagt – keine Gedanken darüber machen müssen, ob sie einen neuen Ranzen bekommen oder nicht“, resümiert Jenna Reibold. 

Die Schul-Tafel im Kreis Groß-Gerau hilft beim Schulstart

Im Landkreis Groß-Gerau wird aktiv gegen das Problem vorgegangen: Mit dem ökumenischen Projekt Schul-Tafel. Das Ganze ist eine Aktion vom evangelischen Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim, dem Caritaszentrum Rüsselsheim und dem Diakonischen Werk Groß-Gerau-Rüsselsheim, wo Jenna Reibold Regionalleiterin in Groß-Gerau ist. Bei der Aktion werden von Spenden- und Sponsorengeldern neue Ranzen mit Mäppchen und Sportbeutel für die Kinder gekauft. „Die Kinder kommen mit ihren Eltern und dürfen sich dann einen Ranzen aussuchen“, erklärt Jenna Reibold: „Wir wollen nicht, dass Familien denken, es sind Almosen, das ist uns besonders wichtig. Deshalb gibt es auch einen Eigenanteil, auch weil eine Sache wertvoller wirkt, wenn sie selbst erworben wurde. Das heißt: Sie sind eigentlich Kunden!“ Wie in einem normalen Geschäft werden die Kinder dann auch beraten und dürfen Ranzen anprobieren. Da alles neu gekauft wird, sind Spendengelder und helfende Sponsoren bei der Aktion sehr wichtig. Jenna Reibold sagt dazu, dass wirklich jedes Kind das Recht auf einen eigenen, neuen Ranzen haben sollte. Dafür kommt aber auch jeder einzelne Cent, der gespendet wird, der Aktion zugute: Alles wird in die Schulmaterialien investiert.

Kinderarmut: Politik in die Verantwortung nehmen

Jenna Reibold geht es nicht nur darum, dass jedes Kind einen Schulranzen erhält – ihr ist es wichtig, mit der Aktion auch auf das Thema aufmerksam zu machen. Es soll in der Gesellschaft sichtbar sein, dass es Kinderarmut auch in Deutschland gibt. „Es soll Raum für eine Debatte geben. Deshalb wünsche ich mir, dass an jedem Abendessenstisch und überall über solche Themen gesprochen wird“, sagt Jenna Reibold. Letztendlich ist die Schul-Tafel für sie auch keine Lösung für das Problem. Langfristig müsse die Politik eingreifen und die Kinderarmut in den Griff bekommen.

Politik muss verstehen, wie die Lebensrealität wirklich aussieht

Dazu sagt Reibold: „Wir wollen nicht ausgleichen, was in der Politik nicht stattfindet, sondern vielmehr einspringen dafür, dass die Kinder trotzdem einen Ranzen bekommen. Wir wollen Chancengleichheit, wir wollen, dass die Kinder sich wohl fühlen und motiviert in die Schule gehen“. Eine Möglichkeit wäre für Jenna Reibold, dass sich alle interessierten Menschen – vor allem Politiker und Entscheidungsträger – die Arbeit im Diakonischen Werk anschauen und die Lebensrealität fest im Blick haben. „Wie oft sitzen wir zusammen und wünschen uns, dass die Politik versteht, dass die Praxis ganz anders ist, als wir es in der Theorie auf dem Papier darlegen“, appelliert Reibold. Auch wenn sie sieht, dass viel Gutes aus der Politik kommt – wie das Bildungs- und Teilhabepaket – so wünscht sich Jenna Reibold doch mehr Aufmerksamkeit für die Sozialarbeit.

Die Aktion Federmäppchen sammelt jedes Jahr gebrauchte Ranzen

In Wiesbaden gibt es eine Aktion, die einkommensschwache Eltern beziehungsweise Schüler unterstützt: Die Aktion Federmäppchen. Ins Leben gerufen wurde sie vom Kirchenfenster Schwalbe 6. Im Gegensatz zur Schul-Tafel werden hier bewusst gebrauchte Schulranzen gesammelt und dann über verschiedene Organisationen und Einrichtungen an bedürftige Familien weitergegeben. Annette Majewski vom Kirchenfenster freut sich über die Beteiligung am Projekt: „Es ist immer eine schöne Erfahrung, wenn die Menschen hier reinkommen. Mütter und Väter mit ihren Kindern, die dann die Schulranzen hier abgeben. Auch die Kinder, denen die Schulranzen gehören, machen das sehr gerne und füllen dann auch im Anschluss noch ein Kärtchen aus, ein Grußkärtchen zum Schulanfang. Das ist eine schöne Brücke zwischen den Kindern.“ Für Annette Majewski müssen die Ranzen für Erstklässler generell nicht immer neu sein. Die Idee, dass die Schultaschen so lange wie möglich weitergegeben werden und dass eigentlich nicht immer eine neue gekauft werden muss, hält sie für gut. Vor allem, da teilen und weitergeben auch eine tolle Sache für Kinder sei, wie sie findet: „Wir merken auch, dass den Kindern ihre Ranzen auch etwas bedeuten, sie haben sie eine ganze Zeit lang begleitet. Dass der Schulranzen jetzt von Herzen einem anderen Kind zur Verfügung gestellt wird, das ist auch einfach eine Freude.“

Auch der Darmstädter Kirchenladen „Kirche & Co.” nimmt vom 18. Juli bis 9. August gut erhaltene Schulmaterialien entgegen und gibt diese an bedürftige Familien weiter. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten und Kirchengemeinden in Darmstadt. Auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien sollen bedacht werden. Abgeben kann man die Schulmaterialien bei Kirche & Co., Rheinstraße 31, in der Zeit vom 18. Juli – 9. August montags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr und freitags von 10 bis 13 Uhr.

Jeder kann helfen

Trotzdem: Oft sind die Ranzen, wenn sie vier Jahre von den Kindern täglich genutzt wurden, auch einfach schon durch. Kaputte Reisverschlüsse, abgewetzter Stoff, ausgeblichene Farbe – so soll natürlich kein Kind in die Schule gehen müssen. Aber auch dann kann man helfen, erzählt Annette Majewski: „Es kam bei der Aktion eine Frau zu uns und sie sagte dann: ‚Wir waren vier Kinder zu Hause und ich habe immer die kaputten Sachen bekommen. Ich möchte, dass es den Kindern hier besser geht, auch aus armen Familien. Ich spende Geld, damit etwas gekauft wird.‘ Das hat mich wirklich sehr gefreut.“ Von vielen Spendengeldern wurden von der Aktion Federmäppchen dann auch noch andere notwendige Schulutensilien wie Stifte oder Wasserfarben gekauft.

Gespart wird am Spielzeug und an Freizeitaktivitäten

Aktionen wie solche im Kreis Groß-Gerau oder in Wiesbaden sind also wichtig, denn Kinderarmut ist auch in Deutschland ein großes Thema. Tatsächlich sagt die Forschungsstelle des Paritätischen Gesamtverbands in ihrer Studie, dass die Ärmsten zehn Prozent nur rund 350 Euro monatlich für ihr Kind zur Verfügung haben, während der Schnitt in Deutschland bei 600 Euro liegt. Oft wird dann laut Studie beim Spielzeug, bei Zoobesuchen oder ähnlichem gespart, um stattdessen dann beispielsweise die sehr notwendigen Schulmaterialien zu besorgen. Ein sehr erschreckender Zustand – wie auch Jenna Reibold und Annette Majewski von den beiden Hilfsaktionen finden – der so nicht länger hingenommen werden könne.

 

Spendenkonto Schul-Tafel Kreis Groß-Gerau:

Kreissparkasse Groß-Gerau
IBAN: DE48 5085 2553 0001 1256 57
BIC: HELADEF1GRG
Verwendungszweck: Projekt Schul-Tafel

 

Spendenkonto Schwalbe 6 Aktion Federmäppchen:

Evangelische Kreditgenossenschaft
IBAN: DE04 0410 0004 1002 20
Verwendungszweck: RT6398 Aobj. 0311; Stichwort: Aktion Federmäppchen

[Steffen Edlinger]

Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt;
und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

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