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Ehrenamtliche sorgen für Perspektiven

Aus schwachen Schülern werden erfolgreiche Berufsanfänger

Diakonie / vijSchulprojekt JustamentVon Erfahrung lernen - im Projekt JUSTAment gehen Senioren mit Haupt- und Realschülern gemeinsame Wege

Kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt – das droht vielen Haupt- und Realschülern mit schlechten Noten. Oft fehlt es den jungen Menschen an fundamentalen Grundkenntnissen in Deutsch, Mathe und an sozialen Kompetenzen. Das ändert der Verein für internationale Jugendarbeit. Mit seinem Projekt JUSTAment hat er über 500 Schüler in das Berufsleben vermittelt. Neue, ehrenamtliche Ausbildungspaten sind willkommen.

„Kein Anschluss mit diesem Abschluss“, so formuliert es der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Trotz vieler offener Ausbildungsplätze stellen Unternehmen immer weniger junge Leute mit einem Haupt- oder Realschulabschluss ein. Der Grund ist oft die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Arbeitgeber und der Vorstellung und Befähigung einiger Jugendlicher. Diese Kluft will der Verein für internationale Jugendarbeit (vij) der Diakonie Oberursel überwinden. Im Projekt JUSTAment gibt er den Schülerinnen und Schülern die Chance, sich während der regulären Schulzeit von Mentoren coachen zu lassen. Das Projekt setzt dabei in der Regel auf Mentoren, die über 55 Jahre alt sind und über einen großen beruflichen Erfahrungsschatz verfügen.

Vielen jungen Leuten fehlt das Vertrauen in die eigenen Fertigkeiten

An drei Schulen im Hochtaunuskreis betreuen derzeit 40 Mentoren ungefähr 190 Schüler. Alle Schüler stehen kurz vor ihrem Haupt- oder Realschabschluss und haben große Schwierigkeiten, diesen erfolgreich zu erreichen. Die Schüler können sich dann freiwillig für das Mentorenprogramm entscheiden. Dabei geht es vor allem um gezielte Förderung. Die jungen Leute scheiterten nämlich gar nicht an mangelndem Talent, sagt der Vorstandsvorsitzende des vij Sven-Michael Slottko. Es fehle vielmehr das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, und der Wille diese auch einzusetzen. Genau hierzu wollen die Mentoren die Jugendlichen ermutigen.

„Vom Selbstmord eines Popstars bis zur Betriebskostenrechnung besprechen wir alles“

Der Ansatzpunkt ist die Lebenswelt der Schüler. „Wir müssen die jungen Leute erstmal da abholen, wo sie stehen“, sagt Slottko. Konkret heiße das: „Eine klassische Unterrichtsform gibt es in den maximal 5 Schüler umfassenden Gruppen nicht. Wenn ich das Thema im Unterricht nicht alle 5 Minuten wechsele, dann hören die jungen Leute nicht mehr zu.“ Deshalb ist Slottko als Mentor offen für alle Themen. „Vom Selbstmord eines Popstars bis zur betrieblichen Kostenrechnung besprechen wir alles, was die Jungs und Mädchen bewegt.“ Wichtig sei es dann, immer wieder den Bogen zurück zum Unterrichtsstoff zu schlagen.

Die Handyrechnung ist nicht der einzige Kostenpunkt im Alltag

Besonders Lebenshaltungskosten müssen die Schüler einschätzen können. Da fehle es oft am ganz grundlegenden Verständnis. „Die meisten denken, wenn sie ihre Handyrechnung bezahlt haben, war es das dann“, erzählt Slottko schmunzelnd. Doch nach ein paar Wochen gebe es die ersten Erfolgserlebnisse. Die Mentoren schärften den Blick der Schüler für das Wesentliche, was „sich dann auch im normalen Unterricht in einer besseren Konzentrationsfähigkeit zeigt“, so Slottko. 

Der größte Schritt sind dann aber die Bewerbungsgespräche. Hierfür trainieren die Mentoren ihre Schützlinge und vermitteln zukünftige Arbeitgeber. Horst Ellringmann (73) ist Ingenieur und ehrenamtlicher Mentor bei JUSTAment. Er hat gute Kontakte in das Berufsleben und weiß, was Arbeitgeber wollen: „Ich helfe den Schülern vor allem darin, sich selbst zu präsentieren“, sagt Ellringmann. Seit Beginn des Projektes im Jahr 2008 ist Ellringmann mit dabei und sagt stolz: „Bis auf einen Kandidaten habe ich alle in ein Ausbildungsverhältnis vermitteln können“. Insgesamt hat JUSTAment in den letzten 7 Jahren über 500 Jugendliche bei der Berufsorientierung unterstützt.

Auch die Mentoren profitieren von ihrem Kontakt mit den Jugendlichen 

Dabei hat jeder junge Mensch seine ganz speziellen Startschwierigkeiten. Bei Marcel Sala aus Polen ist es zum Beispiel  die Sprachbarriere.  „Ich interessiere mich sehr für Geschichte und würde gerne studieren, aber mein Deutsch ist noch nicht gut genug“, sagt Marcel. Sein Mentor Sven-Michael Slottko ist aber zuversichtlich; mit einem intensiven Deutschtraining könnte Marcel sein volles Potential ausschöpfen. Gefragt seien in solchen Fällen die interkulturellen Fähigkeiten der Mentoren. „Es ist schon eine Herausforderung für viele ältere Mentoren, an einer schwarzhaarigen und dunkeläugigen Gruppe von Jugendlichen nicht vorbeizugehen, sondern auf sie zuzugehen“, unterstreicht Slottko. Doch genau hier ergebe sich der Mehrwert für die Mentoren, geistig und kulturell offen zu bleiben.

„JUSTAment“ sucht händeringend mehr ehrenamtliche Mentoren

Der generationenübergreifende Aspekt hat dem Projekt letztes Jahr sogar den hessischen Primus-Preis mit einem Preisgeld von 1000 Euro beschert. Doch es sind nicht Geldsorgen, die Sven-Michael Slottko umtreiben. Vielmehr macht er sich Gedanken um Nachwuchsmentoren. „Wir brauchen dringend mehr Ehrenamtliche, die sich dieser Herausforderung stellen“, sagt Slottko. Die zu betreuenden Schüler würden immer mehr, gleichzeitig sinke die Mentorenzahl aber aus Altersgründen stetig. Daher sucht Slottko händeringend nach neuen Mentoren. Die Kandidaten würden selbstverständlich auch geschult. Dafür biete der vij extra Einführungskurse und Informationsveranstaltungen an. Das einzige Kriterium für einen Mentor sei „der Spaß, am Umgang mit Jugendlichen“. Ein guter Mentor müsse außerdem nicht zwangsläufig plus 55 Jahre sein. 

Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt;
und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

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