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Behinderung ist keine Krankheit

Zu: »Existenzielle Fragen« (Leserzuschriften); Evangelische Sonntags-Zeitung Nr. 51 vom 17. Dezember 2017.

Ich finde es erschreckend, dass in unserer Sonntags-Zeitung auf der Titelseite grundlegende Fragen des Verständnisses von Behinderung und Krankheit gefährlich durcheinander geworfen werden. Gibt es keine Beratung zum Beispiel von einem Diakonischen Werk, dass den Begriff von Behinderung oder die Prinzipien der Inklusion erklärt? Wieso bleibt es so folgenlos, dass die UN-Konvention von allen wichtigen politischen Institutionen unseres Landes und damit als Ziel von uns allen als Bürger und Bürgerinnen verabschiedet wurde? Es geht eben nicht darum, welche »Last« ein Kind durch seine Behinderung einer Familie aufbürdet, sondern darum wie wir alle in dieser unserer Gesellschaft – das Leben so gestalten, dass eben alle – unabhängig von einer Behinderung, dem Alter, oder der Herkunft miteinander gleichberechtigt leben können! So steht es im Grundgesetz. Wieso kennen Sie nicht den Unterschied zwischen einer Behinderung und einer Krankheit? Krankheit ist eben ein »regelwidriger« Zustand, der beendet oder gemildert werden soll. Eine Behinderung ist eine Eigenschaft eines Menschen, die eben zu diesem Menschen gehört, so wie er eben dieser Teil der Schöpfung ist. Meinen Sie, das es Kindern mit einer Behinderung nicht gut gehen kann? Und überhaupt, in erster Linie sind Menschen mit einer Behinderung, Menschen und Bürger wie wir alle! Fällt Ihnen nicht auf, wie gefährlich es ist – gerade mit unserer Geschichte – Begriffe von Krankheit und Behinderung zu vermischen und zu verwechseln? Pränataldiagnostik hat zum Ziel, Behinderungen vor der Geburt zu erkennen. Und warum schauen Sie nur auf die Eltern? Warum schreiben Sie auf der Titelseite nur von der »Tochter«? Sie hat doch einen Namen! Sind Menschen mit einer Behinderung nicht »gesund«? Sicher, Entscheidungsfreiheit für Paare in diesen Situationen ist wichtig und ein hohes Gut. Aber klar sein muss auch, dass Menschen mit Behinderungen nicht auf eine »Last« oder ein »Risiko« reduziert werden. Ich arbeite jetzt seit 20 Jahren in der Behindertenarbeit. Seitdem hat die Zahl der Menschen mit Down-Syndrom radikal abgenommen. Warum? Die Pränataldiagnostik hat die Möglichkeit mit sich gebracht, ein Down-Syndrom in der gesetzeskonformen Frist der Möglichkeit einer Schwangerschaftsabbruchs (...) zu erkennen. Ich hatte das große Glück, in meiner Arbeit aber auch in unserer Pflegefamilie, Lebenszeit mit Menschen mit einem Down-Syndrom teilen zu können. Tolle Menschen, die uns wieder zeigen können, was Lebensfreude bedeuten kann. Überhaupt ist es so, dass die Probleme, die wir als Gesellschaft mit dem Phänomen Behinderung haben, schon lange nichts mehr mit den Behinderungen zu tun haben, die mit der Pränataldiagnostik in der Schwangerschaft diagnostiziert werden können. Zum Thema Warten im Advent hätte es doch sicher bessere Themen gegeben, oder?

Christof Weller; Alpenrod

Gut:
Das heißt für mich -
frei und befreit von allem,
was ich aus Angst und Ärger tief
in mir vergraben habe.

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