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Gewalt in Familien

Bei Gewalt zu Hause: zeitnah Hilfe suchen

Quelle: gettyimages_appleuzrHäusliche Gewalt verhindernDie Folgen häuslicher Gewalt können sich über längere Zeit negativ auf die Betroffenen auswirken - deshalb ist es sehr wichtig, frühzeitig schädlichen Verhaltensmustern auf die Spur zu kommen, um sie zu verändern

Die Corona-Zeit beansprucht viele Familienangehörige. Dabei reagieren sie unterschiedlich auf Konflikte: die einen fühlen sich genervt, andere nehmen es persönlich. Und einige werden aggressiv. Dann besteht die Gefahr, dass Auseinandersetzungen gewaltsam eskalieren. Damit es nicht so weit kommt, sollte frühzeitig Hilfe gesucht werden. Dazu raten Expertinnen und Experten aus evangelischen Beratungsstellen.

Quelle: gettyImages, holaillustrationsGewalt zu Hause - ein TabuBetroffene von häuslicher Gewalt schweigen oft sehr lange - dabei kann es sehr hilfreich sein, sich an Beratungsangebote zu wenden

In Familien können im hektischen Alltag schnell Konflikte entstehen. In Zeiten von Corona sind die Belastungen vor allem für Familien mit Kindern noch stärker angestiegen. Mehrere Wochen lang mussten viele Eltern im Home-Office arbeiten oder waren von Kurzarbeit betroffen, zudem mussten sie sich auf geschlossene Kitas und Homeschooling einstellen. „Das führt oft zu Spannungen. Insbesondere wenn die Eltern gleichzeitig zu Hause arbeiten und die Kinder betreuen müssen“. Da könne jede weitere Störung innerhalb kurzer Zeit nicht nur gereizt, sondern auch aggressiv machen, sagt Peter Röder, Referent für Jugendhilfe und Kinderschutz, von der Diakonie Hessen. Er ist auch für die „Täterberatung häusliche Gewalt“ zuständig.

Eingefahrene, ungünstige Verhaltensweisen ändern

Meist steckten aber eingefahrene Verhaltensmuster dahinter. „Jede Familie hat ihre Dynamiken. Die Familienmitglieder reagieren nach ihrem Muster auf eine Herausforderung. Der eine nimmt problematische Situationen schnell persönlich, ein anderer verhält sich gereizt, andere reagieren mit Humor und wiederum andere weichen aus und versuchen zunächst, alles zu ertragen“, erklärt er.  Solche Dynamiken müsse man erkennen und versuchen auszuhebeln, damit es nicht zu Eskalation und Gewalt kommt. „Das sind Prozesse, die lange eingefahren sind, die angewöhnt sind. Diese zu ändern bedarf Motivation und Geduld – und Hilfe.“

Sich Hilfe zu suchen ist kein Tabu

Oft suchen Familien erst Hilfe, wenn es schon zu eskalierenden Auseinandersetzungen und physischen und psychischen Verletzungen gekommen ist. Auch dann noch warten sie teilweise sehr lange. „Dass sie nicht allein klarkommen und Unterstützung benötigen, ist für viele noch ein Tabu. Es gibt aber niedrigschwellige Beratungs- und Hilfsangebote wie Seelsorgetelefone oder Beratungsstellen auch von Kirche und Diakonie, an die sich die Personen und Familien wenden können“.

Erste Hilfe: Die Konflikt-Situation verlassen

Allgemeingültige Tipps könne man aber kaum geben, so Peter Röder. Es helfe zwar etwas, in Streitsituationen versuchen, bewusst runterzukommen. Zum Beispiel könne man draußen spazieren gehen um den Kopf freizubekommen, bevor man auf eine Situation reagiere. Dies helfe aber nicht, die zugrundeliegenden Probleme und die Neigung zu Gewalt zu lösen.

Die Krisen in den Familien sind noch nicht vorbei

Die Corona-Krise hat uunter anderem in China, Frankreich und Spanien zu strengen Lockdowns geführt und auch die Zahlen häuslicher Gewalt steigen lassen. Verschiedene Beratungsstellen in Hessen konnten zunächst keinen Anstieg feststellen. Auch die Pressestelle der Polizei in Frankfurt am Main konnte keinen Anstieg der häuslichen Gewalt verzeichnen. „Selbst als die Kontaktbeschränkungen streng waren, haben wir die Maßnahmen umgesetzt. Sprich: Die meist männlichen Gefährder wurden der Wohnung verwiesen“, erklärt Thomas Hollerbach, Pressesprecher der Polizei Frankfurt. „Doch es ist zu befürchten und es gibt Anzeichen dafür, dass häusliche Gewalt im Privaten während des Lockdowns deutlich zugenommen hat, aber bisher unentdeckt geblieben ist“, schätz Peter Röder die Situation ein.

Anfragen für Beratungen steigen wieder

Judith Rosner von der Psychologischen Beratungsstelle im Evangelischen Zentrum für Beratung in Frankfurt-Höchst gibt an, dass die Anzahl der Anfragen zu Beginn der Coronamaßnahmen sogar abgenommen hatten. Das haben unter anderem auch die Interventionsstelle vom Sozialdienst katholischer Frauen in Gießen und die Beratungsstelle für Frauen der Diakonie Frankfurt bestätigt. Rosner erklärt das so: „Ich denke, dass viele Opfer von häuslicher Gewalt keine Möglichkeiten gesehen haben, Hilfe zu suchen. Häusliche Gewalt heißt auch oft, dass die Partner kontrolliert werden. ‚Wo gehst du hin? Mit wem hast du telefoniert?‘“ Mittlerweile sind die Anfragen für Beratungen wieder auf die Zeit vor Corona angestiegen.

Austausch als Entlastung

Im angegliederten evangelischen Familienzentrum in Höchst freut sich Natascha Schröder-Cordes, wenn endlich das Eltern-Kind-Café wieder geöffnet werden kann. „Das ist ein Treffpunkt, aber insbesondere auch eine Entlastung für Familien. Die Eltern können sich austauschen oder Rat holen, während die Kinder spielen“, erklärt Schröder-Cordes. „Wir hören von vielen Familien, dass ihnen das Angebot fehlt“. In der Zwischenzeit gibt es für die Familien wieder eine Gabenleine. Dort werden kleine Bastelpäckchen mit Kreativblättern und Impulsen angehängt, aber auch Nähpäckchen für einen Mund-Nasenschutz. Ab nächster Woche soll immerhin ein digitales Eltern-Kind-Café starten.  

Info: Stressbewältigungsstrategien

Judith Rosner von der Psychologischen Beratungsstelle im Evangelischen Zentrum für Beratung in Frankfurt Höchst hat Tipps, wie man mit Stresssituationen umgehen kann. „Man muss negative Emotionen, wie zum Beispiel Angst und Ohnmacht, Trauer, Wut oder Verunsicherung in einer solchen Krise auch mal akzeptieren“ erklärt Rosner. Aber man müsse sich diesen Gefühlen bewusst werden und dürfe nicht in eine Negativspirale fallen und Wege finden, wie man dennoch Freude oder sogar Spaß zulassen kann. Generell hilft ein geregelter Tagesablauf. Jedoch muss jeder individuell herausfinden, was zur Person passt. Jemand, der keine Freude an Bewegung hat, wird Stress nicht mit Sport lösen können.

- Feste Tagesabläufe und Rituale installieren

- Soziale Kontakte pflegen: Sich mit Freunden oder Familienangehörigen treffen und austauschen, möglichst draußen oder auch digital

- Im Zusammenleben mit der Partner*in oder der Familie sich selbst und anderen Freiräume zugestehen und Rückzugsmöglichkeiten ermöglichen

- Für Bewegung sorgen durch Sport oder auch Spaziergänge oder gemütliches Radfahren

- Zu Hause Beten oder in die Kirche gehen

- Entspannungsübungen durchführen, z.B. Meditieren, autogenes Training, Achtsamkeitsübungen oder Yoga

- Künstlerisch betätigen: zum Beispiel Malen, Zeichnen, Töpfern oder Stricken, Musik machen

- Gesunde Ernährung und Kochen

- Um das Haustier kümmern oder Gassi-Pate im Tierheim werden

-  Sich auf die eigenen Stärken, Talente und Fähigkeiten besinnen

-  In angespannten Situationen frühzeitig Druck rausnehmen, den eigenen inneren „Pausenknopf“ drücken

Links:

www.Keinkindalleinelassen.de (Hilfe für betroffene Kinder)

hilfetelefon.de (Gewalt gegen Frauen)

evangelische-beratung.com

www.diakonie-hessen.de/aktuell/beratung-und-hilfe-fuer-menschen-in-krisensituationen.html


(Kathleen Retzar)

Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum
und ich glaube, er tut das auch durch die,
die mit uns leben.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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