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Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Südkorea

Augenzeugenbericht aus Korea

Detlev Knoche

Detlev Knoche, Leiter des EKHN-Zentrums Ökumene, ist mit zwölf ökumenisch engagierten Laien und Pfarrern aus der Landeskirche zur 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in der südkoreanischen Stadt Busan gereist.

Detlev Knoche

Während der Vollversammlung war immer wieder von den sich verändernden „ökumenischen Landschaften“ die Rede. Verantwortlich dafür sind der demografische Wandel, die weltweiten Migrationsbewegungen, die Säkularisierung, Veränderungen innerhalb der Konfessionen und die Multireligiosität und Multikulturalität vieler Gesellschaften.

Die ökumenische Landschaft verändert sich

So sind bei der Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea (PROK) – eine der Partnerkirchen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau – neben den traditionellerweise politisch aktiven, liberalen sowie diakonisch engagierten Gemeinden zunehmend auch solche mit eindeutig evangelikaler Prägung zu finden. 

„Während unseres Wochenendausflugs am Rande der Vollversammlung zum Thema „Plurale Spiritualität“ habe ich erstmals einen koreanischen Imam in einer der zehn Moscheen des Landes getroffen, die nicht nur von muslimischen Gastarbeitern aus dem Ausland, sondern auch von einheimischen Muslimen besucht wird“, berichtete Jun-Suk Kang, Vertreter der koreanischen evangelischen Gemeinde Rhein-Main. „Die konfessionelle, die religiöse und die gesellschaftliche Situation ist gerade in Korea durch den immensen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Wandel der letzten Jahrzehnte viel pluraler geworden als noch vor wenigen Jahren.“ Den Dialog zwischen den Religionen stärker zu fördern, hat die Vollversammlung dem Ökumenischen Rat nun mit auf den Weg gegeben.

Dass auf dem Weg zur Einheit der Christen noch grundlegende theologische Unterschiede überwunden werden müssen, ist auf der Vollversammlung durchaus deutlich geworden. Da waren die persönlichen Begegnungen und Gespräche in den Tagen wichtige Schritte, die zu Verständnis, Respekt und Toleranz führen können. 

„Ein Höhepunkt war für mich die Verabschiedung der Erklärung zum gerechten Frieden, der die ökologische Wende, Klimagerechtigkeit und gerechtes Wirtschaften einschließt. Hier wird eine klare Sprache gesprochen, die Notwendigkeit zu konkretem Handeln benannt und Selbstverpflichtungen eingegangen“, sagt die stellvertretende Präses der EKHN Susanne Bei der Wieden.

Debatte um Globalisierung hat sich entschärft

Wurden die Ursachen und Auswirkungen der Globalisierung während der vorausgegangenen Vollversammlung in Porto Alegre im Jahr 2006 noch sehr kontrovers zwischen den Kirchen des Südens (vor allem in Lateinamerika) und des Nordens (hier besonders in Europa und den USA) diskutiert, haben die Debatten in Busan an Schärfe verloren. Die Zeit seit Porto Alegre ist genutzt worden, um im Dialog wie dem zwischen dem Lateinamerikanischen Christenrat CLAI und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) aufeinander zu hören und die kontroversen Debatten in geschützten Räumen fortzuführen.

In Busan war man sich einig: Die vorherrschende globale Kultur nimmt soziale, wirtschaftliche und ökologische Ungerechtigkeit hin und legitimiert sie. Sie verletzt die Würde von Menschen und zerstört Gottes Schöpfung. Dagegen sind die Kirchen weltweit aufgerufen, sich an Jesus „als der Gerechtigkeit Gottes“ zu orientieren. Als Leitbild dient eine „Ökonomie des Lebens“, die den menschlichen Bedürfnissen förderlich ist. Der Ideologie des Wachstums wird ein „Genug“ gegenüberstellt, das die Würde aller Menschen respektiert, die Begrenztheit der Ressourcen ernst nimmt und Solidarität einfordert.

Bewegendes Zeugnis für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle

Für viele Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle (LGBTI) war der bewegendste Moment in Busan, als der anglikanische Ordenspriester Michael Lapsley aus Südafrika in seiner Andacht im Abschlussgottesdienst sagte: „Heute möchte ich als Christ, als Priester allen in der Gemeinschaft der LGBTI sagen, dass ich unsere Rolle als religiöse Menschen in dem Schmerz, den Sie über Jahrhunderte hinweg erlebt haben, zutiefst bedaure. Ich habe den Traum, dass ich noch zu meinen Lebzeiten hören kann, wie alle Führungspersonen aller unserer großen Glaubenstraditionen sich auf gleiche Weise entschuldigen.“ 

Lapsley, einst ein Anti-Apartheid-Aktivist, verlor durch ein Briefbomben-Attentat beide Hände und trug schwere Verletzungen im Gesicht davon. Mit Workshops und Gesprächsangeboten begleitete eine Koalition aus LGBTI-Gruppen von allen Kontinenten die Debatten um Fragen der Moral und Sexualethik während der Vollversammlung.

Vorwurf: EKHN zu fortschrittlich

Vor allem die Kirchen des Südens und die Orthodoxie werfen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und anderen Kirchen eine unkritische Anpassung an den Zeitgeist vor: Gemäß dem biblischen Zeugnis seien diese Lebensformen Sünde. Die Gräben sind weiterhin tief. In ihren Beziehungen zu Partnerkirchen steht die hessen-nassauische Kirche immer wieder vor Zerreißproben. Eine der Kernfragen ist dabei sicherlich das Bibelverständnis, um das auch unter den Mitgliedskirchen des ÖRK weiter gerungen werden muss.

Nach dem Ende der Vollversammlung beginnt am Sitz des Ökumenischen Rats der Kirchen wieder die Alltagsarbeit. Wie diese in der hessen-nassauischen Kirche aufgenommen werden können, soll im kommenden Jahr in Genf besprochen werden. Die von der Vollversammlung verabschiedete Erklärung „Gottes Gabe und Ruf zu Einheit“ ist laut Pfarrer Wolfgang Prawitz eine deutliche Aufforderung an die Kirchen, ihre Selbstverpflichtung und Hoffnung auch zur sichtbaren Einheit nicht aufzugeben.

Gut:
Das heißt für mich -
frei und befreit von allem,
was ich aus Angst und Ärger tief
in mir vergraben habe.

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