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Buchmesse

Buchtipp: „Werde, was Du kannst!“

Sozialhelden e.V.Wheelmap.org zeigt, wo der Zugang barrierefrei ist

Wer nicht selbst bestimmt, wird bestimmt. So einfach ist das. Wer sich bestimmen lässt, erlebt Abhängigkeit statt Selbstständigkeit, Vorgaben statt Visionen, Hierarchien statt Selbstbestimmung. Die Autorin Kerstin Gernig porträtiert 21 ungewöhnliche Unternehmer und zeigt an ihnen, wie selbstbestimmtes Leben aussehen kann.

Murmann VerlagDas buch von Kerstin Gernig ist im Murmann-Verlag erschienen

Von Andrea Seeger (Evangelische Sonntags-Zeitung)

Viele Jahre war Kerstin Gernig Geschäftsführerin des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur beim Bundesverband Deutscher Bestatter. Die promovierte Germanistin hat frischen Wind gebracht in eine Branche, die immer noch mit vielen Tabus behaftet ist. Nach zehn Jahren war Schluss und sie hat sich selbstständig gemacht – als Kommunikationsberaterin, Autorin und Coach. Denn sie interessiert sich für Menschen: Menschen, die eigene Wege gehen; Menschen, die mutige Schritte wagen; Menschen, die ambitionierte Projekte verfolgen; Menschen, die die faszinierenden Möglichkeiten der heutigen Zeit nutzen; Menschen, die Veränderungen annehmen; Menschen, die Innovationen aushecken; Menschen, die sich selbstständig machen; Menschen, die das Leben nicht als Problem sehen, sondern als Abenteuer mit allen Höhen und Tiefen.

Auf der Suche nach interessanten Menschen

Und die hat sie gesucht und gefunden. Darüber hat sie dann ein Buch geschrieben, mit dem Titel „Werde, was Du kannst – Wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird“. Das hat sie gemacht, „auch, um Menschen zu begegnen, die dort waren, wo ich hinwollte. Ich komme aus einer Familie, in der berufliche Sicherheit immer an oberster Stelle stand. Kein Wunder: Als ›Babyboomerin‹ hatte ich Eltern, die wie Millionen andere Deutsche die Schrecken und Verheerungen des Zweiten Weltkriegs in ihrer eigenen Kindheit erlebt hatten. Das wirkte nach, und es wirkt bis heute“, schreibt Kerstin Gernig. 

Spannende Charaktere gibt es in vielen Branchen

Sie hat die Menschen, die sie getroffen hat, und ihre Professionen in neun Bereiche unterteilt. Darunter sind zum Beispiel die Gruppen Handwerkwerk/Kunst/Kunsthandwerk, Social Media/Open Source/Internet-Marketing oder Gesundheit/Krankheit/Alter.

Lutz Karnauchow: Autonom und selbstbestimmt bis ins hohe Alter leben

Hier stellt sie den Psychologen Lutz Karnauchow vor, der domino-world™ gegründet hat. Er hat sich mit der Frage beschäftigt, wie der Mensch autonom und selbstbestimmt bis ins hohe Alter leben kann. Der Kerngedanke dabei lautet: Aktivität, nicht Passivität. 

Die vorhandenen Potenziale sollen reaktiviert werden, es soll also nicht immer nur die Rede davon sein, was der Mensch nicht mehr kann, sondern was er kann. Karnauchow findet, dass Anbieter mit mittelmäßiger oder gar schlechter Pflege nicht genauso viel Geld oder sogar mehr Geld verdienen dürfen als solche mit einem ambitionierten Pflegekonzept. Politik und Gesellschaft seien hier viel mehr gefordert.

Sozialheld mit Glasknochen: Raúl Krauthausen

Schön auch die Geschichte von Raúl Krauthausen, der mit Glasknochen zur Welt gekommen ist. Er hat bereits 2003 die „Sozialhelden“ gegründet. Er wollte mit seinem Cousin Jan Mörsch soziale Projekte initiieren, die Spaß machen. Los ging es mit einem Pfandbonprojekt. Menschen, die für ihr Leergut einen Bon bekommen, können diesen für einen guten Zweck spenden. 

Dann entwickelte er wheelmap.org, eine offene Karte im Internet, in die jeder Orte eintragen kann, die für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen geeignet sind. Bei dieser lebenden Karte ändern sich die Daten in Echtzeit. Grün bedeutet, dass die Orte vollständig rollstuhlgerecht sind, gelb, dass man zwar den Platz erreichen kann, der aber ohne barrierefreie Toilette ist, rot, dass der Ort nicht zu erreichen ist und grau heißt: noch nicht erfasst. Ziel ist es, die weltweit größte Datenbank für barrierefreie Orte aufzubauen.

Birgit Janetzky: Was passiert eigentlich mit dem digitalen Erbe nach dem Tod des Menschen?

Interessant auch die Unternehmensgeschichte von Birgit Janetzky. Die katholische Theologin, Bildungsreferentin und Trauerednerin wollte eigentlich nur ein paar fremde Einträge über sich im Internet löschen lassen und stellte dabei fest, wie schwer das ist. Und dann begann sie sich zu fragen, was eigentlich mit den Daten passiert, wenn jemand stirbt. 

Texte, Bilder, Videos, E-Mail-Konten, Websites, Blogs, Guthaben, Verpflichtungen – was wird damit? Für Angehörige sind diese Daten meist nicht zugänglich, niemand denkt daran, Vorkehrungen zu treffen. Der potenzielle Markt ist groß, aber bei dem sensiblen Thema schwer zu erschließen. Um aufzuklären und Reichweite zu erzielen, veröffentlicht Birgit Janetzky regelmäßig Beiträge auf ihrem Blog „grabauf-grabab“. Außerdem bloggt sie auf dem Internetportal für Leben, Sterben und Tod „adeo-online“ als Expertin für digitales Erbe.

Verloren hat nur, wer fällt und liegen bleibt

In diesem Buch sind eine Menge Geschichten versammelt von Menschen mit Ideen, mit Mut und mit Ausdauer. Viele von ihnen sind schon einmal hingefallen, sind aufgestanden, haben sich kurz geschüttelt und weitergemacht. Deshalb sind es Erfolgsgeschichten. Verloren hat nämlich nur der, der liegen bleibt. Wer Mut braucht, um seine Idee von einem selbstbestimmten Leben zu verwirklichen, der findet hier genügend Anschauungsmaterial, gut aufbereitet und professionell geschrieben. Schade, dass Bilder fehlen. Die gehören einfach zu einer guten Geschichte. 

Alle Buchtipps im Überblick

Kerstin Gernig:

„Werde, was Du kannst – Wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird“

Murmann-Verlag Hamburg, 282 Seiten

Ich merke, der weite Raum
entsteht nicht in mir und durch mich.
Er entsteht, weil andere da sind,
die mir Räume eröffnen,
gnädig umgehen mit meinen Schwächen,
sich einsetzen für einen menschenwürdigen Umgang
mit allen Menschen.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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