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Erntedank

Dank trotz Dürre

epd, Matthias PierenKühe auf trockener WeideDürres Gras statt saftiger Weiden - auch die Kühe bekamen die Trockenheit 2018 zu spüren

Blauer Himmel und Sonnenschein haben in diesen Jahr nicht bei jedem pure Freude ausgelöst. Denn durch die Trockenheit ist seit Mitte Mai das Gras auf den Wiesen der Milchbauern Christiane und Michael Semmler nicht mehr gewachsen. Das bedeutet: Weniger Futter für die Kühe und das hat wirtschaftliche Folgen. Doch das Ehepaar wird wieder den Erntedank-Gottesdienst mit der Kirchengemeinde feiern.

[Evangelische Sonntags-Zeitung, Matthias Pieren] In diesem Sommer war es so trocken, dass auch im Vogelsberg Wasserläufe bei Ulrichstein ausgetrocknet sind. Rund sechs Kilometer weiter liegt Stumpertenrod und die Trockenheit haben die Landwirte auch hier gespürt. Doch jetzt steht hier der Erntedanktag vor der Tür. »Wir gehen mit allen Generationen in den Gottesdienst, zu dem alle verbliebenen vier Landwirtsfamilien aus dem Ort kommen. Das ist uns wichtig und selbstverständlich«, sagt Christiane Semmler. »Der Dank spielt in unserem Leben schon immer eine große Rolle.«

Tagein und tagaus müssen die Semmlers um 6 Uhr in den Stall ihres Hofes gehen, um die 160 Kühe zu melken. Das Ehepaar ist froh, mit der Milch ein Grundnahrungsmittel von hoher Qualität zu produzieren. »Wir sind Landwirte aus Leidenschaft und sind glücklich, diesen Beruf ausüben zu dürfen. Da fällt es leichter, zu danken.« 

Wetterlage beeinflusst das Erntejahr massiv

Doch in diesem Jahr werden die verbliebenen vier Vollerwerbs-Milchbauern und die Nebenerwerbslandwirte im Ort – eigentlich wie überall in Hessen – nicht ganz unbeschwert danken. Die extreme Wetterlage hat das Wirtschafts- und Erntejahr im hohen Vogelsberg massiv beeinträchtigt. 

Der Juni lag 2,3 Grad über dem üblichen Monatsdurchschnitt, der Juli 3,4 Grad und der August schließlich 3,5 Grad. Über den Zeitraum von April bis August haben die Meteorologen ein Plus von 3,6 Grad gemessen, laut Wolfgang Janssen vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach der höchste Wert seit 1881. 

»Seit Mitte Mai gab es bei uns keinen nennenswerten Niederschlag mehr. Die paar Tropfen waren nur ein wenig Feuchtigkeit, die den Wiesen und Weiden nichts gebracht hat«, sagt Michael Semmler. »Am 22. Juni haben wir das zweite Mal unser Grünland geschnitten. Seither ist dort nichts mehr gewachsen.« 

Dürre in Hessen

Bernd Weber, Pressesprecher des hessischen Bauernverbandes, spricht im Zusammenhang mit dem diesjährigen Sommer von einer Dürre. Der Begriff sei nicht übertrieben, sagte er auf Anfrage der Evangelischen Sonntags-Zeitung. Die extreme Trockenheit betreffe ganz Hessen. Am stärksten betroffen seien Futterbaubetriebe, bei denen nach dem ersten Silage-Schnitt – wenn überhaupt – kaum noch Gras nachgewachsen sei. Der Silo-Mais habe ebenso unter Wassermangel gelitten und deshalb keinen Ertrag gebracht. Hessen sei von der Dürre im Allgemeinen zwar nicht so stark betroffen wie der Norden und Osten Deutschlands, dennoch gebe es Gebiete und einzelne Betriebe, die es besonders hart getroffen habe, sagte Weber. 

Griff nach den Reserven

Semmlers können von Glück sprechen, dass sie ausreichend Reserven aus den Jahren 2016 und 2017 gelagert haben und verfüttern können. »Noch sehen wir die Situation dank unserer Reserven locker«, sagt die 53-jährige Milchbäuerin. »Doch wir wissen auch: Wenn das Jahr 2019 erneut genauso trocken wird, wie dieses Jahr, wird es richtig eng.«  Landwirtin Christiane Semmler war bis Ende der 1990er Jahre als Mitglied im Kirchenvorstand der Gemeinde aktiv. Damals war der heutige hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung in Stumpertenrod Gemeindepfarrer.

Landwirte bauen Futter selbst an

Rein wirtschaftlich müssen die Semmlers ihre Weidewirtschaft und Milchviehhaltung nüchtern betrachten. Anfang des Jahrtausends hatten sie sich entschieden, in die Zukunft zu investieren und einen neuen Stall gebaut. Heute steht neben den 160 Milchkühen auch die Nachzucht im Stall.

Ihr Futter bauen die Semmlers komplett selber auf 240 Hektar Feld- und Wiesenfläche an. 100 Hektar sind eigenes Land, der Rest ist gepachtet. Auf 170 Hektar steht Gras, das nach dem Schnitt zu Silage gemacht und unter Planen haltbar gemacht wird. Maissilage wächst auf knapp 40 Hektar. Das Getreide, das die Semmlers anbauen, verfüttern sie ebenso wie den Mais an ihr Vieh. Lediglich für die eigene Jungviehaufzucht kaufen sie Biertreber zum Verfüttern dazu. Für die Milchkühe gibt’s zusätzlich eiweißhaltiges Futter – genfreies Soja und Raps –, das die Familie ebenfalls einkauft.

Heu ist fast dreimal so teuer

Wenn auch das kommende Jahr so extrem trocken wird, müssen die Milchbauern tatsächlich ihren Viehbestand abbauen, weil das eigene Grundfutter nicht mehr ausreicht. Müsste Heu und Silage zugekauft werden, würde sich der Milchviehbetrieb in der bestehenden Größe nicht mehr rechnen.

»Aktuell kostet ein Rundballen Heu mit einem Durchmesser von 1,30 Metern rund 80 Euro. In gewöhnlichen Jahren beträgt der durchschnittliche Preis zwischen 25 und 30 Euro«, veranschaulicht Michael Semmler die Auswirkungen des nur spärlich gewachsenen Grases. »Es gibt andere Milchviehbetriebe, die müssen bereits Heu aus anderen Teilen Deutschlands nachkaufen. Normalerweise verkaufen deutsche Landwirte Heu nach Holland oder Spanien.« 

Milch ist indirekt abhängig vom Wetter

»Eine Kuh ist keine Maschine, bei niedriger Futterqualität kann sie auch nicht mehr die übliche Milchleistung erbringen«, sagt ihr Mann. »Wir leben seit jeher mit dem Wetter. Aus diesem Grund können wir auch in diesem Jahr dankbar für die Ernte und den erwirtschafteten Milchertrag sein.«

Schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung

Was die Eheleute vielmehr gerade am Erntedank-Sonntag unangenehm berührt, ist die zunehmend schwindende Akzeptanz der Bevölkerung für die Landwirtschaft. »Landwirte werden zunehmend als Subventionsempfänger und Umweltsünder beschimpft«, sagen die beiden voll Bedauern. 

Landwirte stünden mittlerweile in der Öffentlichkeit für viele Missstände als Schuldige am Pranger, etwa für die Nutzung von Glyphosat und das Insektensterben – und das meist von Menschen, die sich gar nicht mit der Landwirtschaft auskennen. Das ginge so weit, dass Landwirte für die Verschmutzung von Feldwegen beschimpft werden. »Das tut enorm weh«, sagen die beiden Landwirte. »Gerade an Erntedank stößt uns auch ganz bitter auf, wie selbstverständlich in unserer Gesellschaft hochwertige Lebensmittel weggeworfen werden.«

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[red RH]

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HERR von dir fordert,
nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Micha 6, 8

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Hans Genthe

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