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Kunst und Glaube

„Das Wort wird Tanz“

Nicole Weisheit-ZenzIndonesischer Künstler mit GemäldeNyoman Darsane wuchs als Hindu auf und entschied sich mit 18 Jahren für den christlichen Glauben; heute insprieren die Geschichten der Bibel den indonesischen Künstler zu seinen Motiven

„Das Wort wird Tanz“: Unter diesem Motto wird eine Ausstellung zu christlicher Kunst aus Bali in der Mainzer Christuskirche gezeigt. Eröffnet wurde sie mit Künstler Nyoman Darsane und buntem Programm bei einem Indonesientag, zu dem die Propstei Rheinhessen eingeladen hatte.

„Die eigenen Talente, die jeder Mensch hat, sind ein großes Geschenk“, sagte Nyoman Darsane in seiner Sprache, „und durch Malerei vom Glauben zu erzählen, das ist mein Auftrag.“ Behutsam strich der ältere Herr, schon hoch in den Siebzigern, über die farbenprächtigen Batiken, die mit ihm eine weite Reise angetreten hatten – denn er ist der bekannteste christliche Künstler Indonesiens. Vielseitig begabt, widmet er sich neben Zeichnungen, Aquarell- und Acrylmalereien oder Batiken auch Masken und der Tanz-Performance. „Das Wort wird Tanz“ lautet das Motto der Ausstellung seiner Werke im Vorraum der Mainzer Christuskirche, die mit einem Indonesientag eröffnet wurde.

Vom Hindu zum Christen - Brückenbauer zwischen den Religionen

Als Experte auf diesem Gebiet hielt Prof. Dr. Volker Küster vom „Center for Intercultural Theology“ einen Festvortrag zur Christlichen Kunst in Indonesien und stellte sein gerade erschienenes Buch zu diesem Thema vor. Seit vielen Jahren ist er gut befreundet mit Nyoman Darsane, dessen Lebenswerk in der Schau gewürdigt wird. Im Gespräch mit Studierenden und beim Rundgang gab er Einblicke in sein Schaffen, das geprägt ist von seinem engen Bezug zu Gott. „Ich schaue mit balinesischen Augen auf meinen christlichen Glauben“, beschrieb der Künstler, der in einer Hindufamilie zur Welt kam. Die Traditionen in der Denk- und Darstellungsweise, mit denen er schon von klein auf vertraut war, beeinflussen ihn bis heute. Auch als Brückenbauer zwischen den Religionen sieht er seine Rolle an, denn die Entscheidung, mit etwa 18 Jahren Christ zu werden, hatte weitreichende Folgen für ihn. „Dennoch hat mir das Bekenntnis zu Bibel und Kirche ein Gefühl der Freiheit gegeben“, betonte er.

Frohe Botschaft mit balinesischen Kunst verkündigen

Geschichten in der Heiligen Schrift inspirieren ihn zu seinen Motiven, ebenso wie Szenen aus dem Alltag und innere Empfindungen, die er in den Bildern zum Ausdruck bringen möchte. Dabei gebe es kein richtig oder falsch, auch in jeder Farbe sieht er eine eigene Schönheit. Mit dem Gefühl, Jesus in Kopf und Herz zu tragen, möchte Nyoman Darsane frohe Botschaften verkündigen, kombiniert mit Elementen der traditionellen balinesischen Kunst. Aus europäischer Sicht fallen dabei vor allem die Personen auf, die – anders als hierzulande gewohnt – als asiatische Schönheiten dargestellt werden: Adam und Eva sind inmitten einer üppigen Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu sehen, beim genauen Hinzuschauen zeigen sich feinste Details. Weitere biblische Szenen widmen sich Jonah und dem Wal, den klugen und törichten Jungfrauen oder der Verkündigung des Engels, von dem Licht ausstrahlt. Wie ein roter Faden wirkt dabei die lebendige, tänzerische Haltung der Menschen und ihrer Gestik.

Künstler mahnt,  mehr Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen

Die beiden biblischen Frauen Maria und Martha als Gastgeberinnen wurden mehrfach dargestellt, auch auf farbenprächtigen Batiktüchern, die in aufwändigen Arbeitsgängen entstehen. Dabei hat der Künstler eine spezielle Technik entwickelt, bei der Wachs und Parafin eingesetzt wird. Was genau dabei auf den Stoffen an Farbverläufen entsteht, bleibe auch ein Stück weit ein Wunder, schilderte er. Über mehrere Wochen erstreckt sich die Herstellung einzelner Werke. Sich mehr Zeit zu nehmen um auf die eigene Stimme zu hören und den vielfältigen Klängen in der Natur zu lauschen, dazu möchte er anregen. Zudem sieht sich Nyoman Darsane als Mahner zu mehr Rücksicht auf die Welt, die sehr verletzlich sei, wie er auch in der Darstellung eines Vulkanausbruchs zum Ausdruck bringt. Wenngleich mitunter etwas Melancholie mitschwingt im Blick auf die ihm verbleibende Zeit, möchte er sich noch lange an Gottes Schöpfung erfreuen und sich persönlich entwickeln: „Ich habe noch Ideen für 100 Jahre“, erzählte er. Um den Austausch zu intensivieren, ist von Propsteiseite her für 2017 auch ein Pastoralkolleg in Indonesien geplant.

Eröffnung mit indonisischer Kultur für alle Sinne

Um Begeisterung zu wecken für den asiatischen Inselstaat gab es Angebote für alle Sinne: In ihren traditionellen Trachten präsentierten zwei Frauen Tänze mit ausdrucksstarker Körpersprache und viel Symbolik, die auch die indonesische Generalkonsulin bewunderte. Zudem hatten Mitglieder der Indonesischen Kristus-Gemeinde der EKHN in Frankfurt am Main einen großen traditionellen Imbiss vorbereitet, gemäß der herzlichen Gastfreundschaft des Landes. Eingeladen hatten die Propstei Rheinhessen und das „Center for Intercultural Theology“ der Mainzer Universität, gefördert durch das Gutenberg-Kolleg. Pfarrer Joachim Schuh, Vorsitzender des Partnerausschusses und seit langem mit Indonesien vertraut, übersetzte. Die Partnerschaft zwischen der GMIM als eine der großen indonesischen Kirchen in Nord-Sulawesi und der Propstei Rheinhessen besteht bereits seit über 30 Jahren. „Die persönlichen und fachlichen Begegnungen bei diesen Reisen mit Schwerpunkthemen schätzen wir sehr“, berichtete Propst Dr. Klaus-Volker Schütz, der die zahlreichen Besucher in drei Sprachen begrüßte. In einer weltoffenen, empathischen Atmosphäre könne man dabei voneinander lernen und mehr erfahren über aktuelle Herausforderungen zwischen Tradition und Fortschritt. Sein Dank galt allen Engagierten, darunter Pfarrerin Elke Stein für die Organisation der Veranstaltung.

Die Ausstellung ist bis 28. Juli in der Mainzer Christuskirche (Kaiserstraße) zu sehen.

Partnerkirchen der EKHN in Indonesien

[Nicole Weisheit-Zenz]

Wer eins ist mit sich selbst, ist stark.
Aber wer ist das?

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