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Interview

Dekan Martin Mencke: „Kirche ist nie um ihrer selbst willen da”

© Martin MenckeDer Wiesbadener Dekan Dr. Martin Mencke

Für die Nachfolge des badischen Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh haben die Badener Protestanten 60 Vorschläge eingereicht. Einer davon ist der Wiesbadener Dekan Dr. Martin Mencke. Er wird sich am 16. /17. Dezember der Synode zur Wahl stellen. Im Gespräch erzählt Mencke, wie es zu der Kandidatur kam, warum ihn das Bischofsamt reizt und wie er Kirche im Umbruch gestalten will.

Wie haben Sie das Bewerbungsverfahren bis jetzt erlebt?
Als einen Ruf zu etwas Neuem.
Das Verfahren ist offen, zügig und professionell. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich bisher mit meinen Vorstellungen vom Amt und der (ja durchaus großen) Aufgabe gut präsentieren konnte. Tatsächlich ist es in der badischen Kirche so, dass man als Kandidat vorgeschlagen wird. Ich habe mich nicht aktiv um das Amt beworben, sondern hatte nach meinem Sommerurlaub einen Brief in der Post, in dem die Bischofswahlkommission angefragt hat, ob ich mir eine Kandidatur vorstellen könne. Dass die Kommission auf mich aufmerksam wurde, hat mich natürlich riesig gefreut. Ich habe meine Bewerbungsunterlagen auf den Weg gebracht, und dann gab es Bewerbungsgespräche mit sechs Kandidatinnen und Kandidaten. Davon sind jetzt zwei übrig, die sich der Synode Mitte Dezember vorstellen.

Was reizt Sie an dem Bischofsamt?
Nach guten und schönen Jahren als Dekan in der hessischen Landeshauptstadt ist es reizvoll, die Chance zu bekommen, möglicherweise auch ein sehr viel größeres System, eine ganze Landeskirche mitgestalten und prägen zu können, die eigenen Gaben auch dort einzubringen. In seiner eigenen Kirche ist man oft betriebsblind, weil man irgendwann in den gewohnten Abläufen steckt. Mit einem unvoreingenommenen Blick schaut man auf vieles anders. Ich bringe zehn Jahre Leitungserfahrung mit, kenne kirchliche Strukturen und habe Umstrukturierungsprozesse in unserer Kirche mit umgesetzt. Mit diesem reichen Schatz an Erfahrungen jetzt in eine andere Landeskirche zu gehen, Gelerntes und vielleicht auch Erprobtes auf ein anderes System anzuwenden – das reizt mich sehr. Und ich glaube auch, das könnte dem System guttun.

Haben Sie keinen Respekt vor einer so großen Aufgabe?
Selbstverständlich. Ich war noch nie Landesbischof. Und natürlich werde ich am Anfang viel hinhören, wahrnehmen und lernen. Aber das traue ich mir zu.
Ich kam vor zehn Jahren von Washington DC nach Wiesbaden, kannte die Stadt kaum und habe hier als Dekan neu angefangen. Mir liegen Aufbrüche ins Neue. Auch meine Zeit als Spezialvikar in Berkeley war ein solcher Aufbruch und ich konnte da ganz anderes kirchliches Leben kennenlernen als in Deutschland. Danach war ich Pfarrer in Strinz-Trinitatis, eine dörflich geprägte Kirchengemeinde im Taunus und konnte auch dort schon viel bewegen. Ich mag die zahlreichen Facetten von Kirche in Stadt und Land und gestalte sie gerne kraftvoll mit. 

Kennen Sie die Badische Landeskirche?

Tatsächlich kenne ich die Kirche als Gemeindemitglied. Ich habe während des Studiums und meiner Promotion in Heidelberg und Neckargmünd gelebt. Unser Sohn wurde in der Providenzkirche getauft. Ich habe mich da sehr wohl gefühlt. Frömmigkeit und Liturgie ähneln der hessen-nassauischen Kirche. Es gibt, auch ähnlich wie bei uns, eine stark synodale Verfassung. Aber es ist eben zugleich eine Bischofskirche.

Die Kirchen stecken insgesamt in einem großen Transformationsprozess. Den werden Sie als Bischof maßgeblich mitgestalten. Wie kann das gut gelingen?
Veränderungen müssen so gestaltet werden, dass sie von denen, die Kirche leben, gut mitgetragen werden – von den Kirchenvorständen vor Ort, den Pfarrer*innen und der Diakonie.
Ich finde, wir dürfen in diesem Reformprozess unseren Blick nicht zu sehr verengen: Wir sollten fröhlich ausprobieren, lernen und da hinschauen, wo es auch andere Formen von Kirche gibt als die herkömmlichen; den Blick immer wieder weiten, über den Tellerrand schauen. Hinhören, was junge Menschen und junge Familien brauchen, wo sie sich kirchlich verorten wollen. Es bringt nichts, lediglich sorgenvoll an starren Strukturen festzuhalten. Denn Kirche ist ja nie um ihrer selbst willen da, sie ist immer für die Menschen da und sollte sich deshalb nicht vor allen Dingen um sich selbst sorgen. Dass wir uns als Kirche immer wieder darauf besinnen, finde ich wichtig, um die eigentliche Aufgabe nicht aus dem Auge zu verlieren: über das, was uns trägt, zu sprechen, es hinauszutragen in unsere Gesellschaft und Welt. 

Interview: Andrea Wagenknecht

Zur Person:
Martin Mencke (Jahrgang 1966) ist promovierter Theologe und seit 2011 Dekan des Evangelischen Dekanats Wiesbaden. Zuvor war er sieben Jahre Pfarrer der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde Washington DC (USA) und dort zugleich Fachbereichsleiter für Religion/Ethik an der Deutschen Schule.

Seine praktisch-theologische Ausbildung absolvierte Mencke als Vikar in Bingen, im Theologischen Seminar Friedberg (Hessen) und als Spezialvikar an der University Lutheran Chapel in Berkeley (CA) USA. Studiert hat er in Berlin, Heidelberg und Tübingen.

Er promovierte bei dem Systematikprofessor Dr. Eberhard Jüngel mit dem Thema „Erfahrung und Gewissheit des Glaubens“. Martin Mencke ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Mehr zu seiner Person: www.dekanat-wiesbaden.de/ueber-uns/dekan.html

Tu, was zu tun kannst.
Und dann ist gut, denn mehr geht nicht.
Alles weitere kann ich in die Hände Gottes legen
und darauf vertrauen, dass er es wohl gut mit mir meint.
(Carsten Tag zu Prediger 9,10)

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