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Pfingstkirchen in Brasilien

Den Dämonen ist es in Deutschland zu kalt

Vitor Mazuco Wikimedia CommonsDer Salomo-Tempel in Sao PauloDer Salomo-Tempel in Sao Paulo

Eine Kirche mit dreizehn Stockwerken und einem Taufbecken so groß wie ein Schwimmbad - die evangelikalen Kirchen in Brasilien wachsen. Und zwar rasant: Im größten Land Lateinamerikas wird es bis zum Jahr 2030 wahrscheinlich mehr Evangelikale als Katholiken geben. Was sind die Gründe dafür?

João Batista GodoyPastor João Batista Godoy bei einem GottesdienstPastor João Batista Godoy bei einem Gottesdienst

Besonders sichtbar manifestiert sich der Zuwachs der Pfingstkirchen in São Paulo. Vor rund zwei Jahren hat hier die Igreja Universal do Reino de Deus (IURD) einen bombastischen Tempel gebaut. Der Templo de Salomão (Salomonische Tempel) umfasst dreizehn Stockwerke, ein Taufbecken so groß wie ein Schwimmbad und hat Platz für zehn Tausend Menschen. Bezahlt haben den dreihundert Millionen Euro teuren Koloss Mitglieder durch Spenden.

Pfingstkirchen geben Antworten auf spirituelle Fragen

Der Grund für den Aufstieg der Pfingstkirchen in Brasilien liegt für den Frankfurter evangelikalen Pastor der brasilianischen Assembleia de Deus, João Batista Godoy auf der Hand: „Die Menschen finden bei den Pfingstkirchen das, was die traditionellen Kirchen ihnen nicht geben können.“ Die katholischen und protestantischen Kirchen ließen viele Menschen mit Fragen zurück. Pfingstkirchen hingegen gäben den Menschen konkrete Antworten für ihr Leben. Die soziale Leistung der Pfingstkirchen für die Brasilianer sei nicht zu unterschätzen.

Orientierung und Selbstwertgefühl für Arme

„Da hat Godoy durchaus Recht“, sagt Pfarrer Martin Ufer aus der EKHN. Er hat ein Jahr in Brasilien gelebt und kennt das pfingstkirchliche Umfeld in Brasilien gut: „Fakt ist, dass Kirchen wie die Assembleia de Deus armen Menschen in Brasilien Orientierung und Selbstwertgefühl geben.“ Viele Alkoholabhängige, Kriminelle oder sozial Benachteiligte fänden in diesen Kirchen einen Halt. Dazu komme, dass die Pastoren oft selbst aus den Milieus stammen und so die Menschen emotional stark ansprechen könnten. Aus ihnen rekrutieren sich dann wieder neue Pastoren.
So ähnlich war es auch bei Pastor João Batista. Er war, wie die meisten Brasilianer, katholisch und arbeitete in Brasilien zehn Jahre lang als Polizist. Dann trat er der Pfingstkirche Assembleia de Deus bei und wurde Pastor. Jetzt leitet er in Frankfurt einen Ableger der Assembleia de Deus mit rund 50 Gemeindemitgliedern.

Problematische theologische Verkündigung

Die soziale Dimension des evangelikalen Phänomens habe aber auch eine Kehrseite, so Martin Ufer. „Die theologische Verkündigung einiger Pfingstkirchen ist durchaus problematisch.“ Oft sei dort eine Art Prosperitätstheologie vorherrschend. Einfach gesagt bedeute dies: „Bist Du in unserer Kirche, dann wird es dir auch materiell und gesundheitlich gut gehen.“ Damit einher gingen auch archaische Kulte und Traditionen. Zum Beispiel der Brauch, zehn Prozent seines Monatsgehaltes der Kirche zu spenden. Dahinter stehe immer der Gedanke: Opfer bringen und von Gott gesegnet werden.

Psychische Probleme oder spirituelle Armut?

Für João Batista Godoy ist das überhaupt kein Problem. „Die spirituellen Probleme der Menschen schlagen sich eben auch in ihrer weltlichen Situation nieder.“ Überhaupt würden die traditionellen Kirchen die Existenz von Dämonen ignorieren. „In Europa wird alles auf psychische Probleme zurückgeführt.“ Aber das sei Unsinn. Sozialen Missständen und materieller Armut ginge eine spirituelle Armut voraus.

Christlicher Glaube in Verbindung mit Naturreligionen

Martin Ufer sieht in dieser Argumentation eher eine Verschleierung gesellschaftlicher Probleme. Dennoch müsse man erkennen, dass in Südamerika der christliche Glaube oft auch zusammen mit  Naturreligionen gelebt werde. Geister oder Dämonen seien in den Vorstellungen vieler Südamerikaner durchaus präsent. Es gehe auch nicht darum, den Brasilianern einen theologischen Weg vorzuschreiben. Vielmehr müssten sich die traditionellen Kirchen in Brasilien den Fragen an ihren eigenen Umgang mit Spiritualität stellen. In Europa hingegen sähen auch die Pfingstkirchen keinen akuten Handlungsbedarf. Schließlich sei es den Dämonen in Deutschland zu kalt. „Das hat mir zumindest ein evangelikaler Pastor in Deutschland erklärt“, sagt Ufer.  

Was auch geschehen mag,
welcher Virus die Welt in Schrecken versetzt
oder welche selbstverschuldeten Emissionen unsere Schöpfung
und ihr Klima in die Knie zwingen,
welche Berge im übertragenen Sinne auch umfallen,
Gott hat versprochen „meine Gnade soll niemals von dir weichen
und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.“

(Anke Leuthold zu Jesaja 54,10)

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