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Interview

Den ewigen Fragen auf der Spur: Eva Lind und Wolfgang Weinrich

Joachim StorchWolfgang Weinrich und Eva LindAm 3. Oktober stehen Wolfgang Weinrich und Eva Lind das erste Mal gemeinsam auf der Bühne.

Ihre Stimme verzaubert das Publikum der großen Opernhäuser in Paris, London, Mailand und Peking. Am Tag der Deutschen Einheit kommt Eva Lind nach Frankfurt am Main. Dort will sie mit Pfarrer Wolfgang Weinrich die Zuschauer auf der EKHN-Bühne im Metzlerpark mit einer musikalischen Lesung am 3. Oktober ab 16 Uhr überraschen. Im Gespräch mit dem Pfarrer und Multimedia-Redakteurin Esther Stosch verrät die Opernsängerin, welche inneren Überzeugungen ihr Halt und eine Richtung im Leben geben.

Zwischen Wien und Darmstadt liegen gut 600 Kilometer – Luftlinie. Dennoch sind sich Pfarrer Wolfgang Weinrich und die österreichische Opernsängerin Eva Lind begegnet. Nach ihrem Auftritt im Sternendom auf dem Hessentag in Bensheim lernten sich die Sopranistin und der Kommunikationsbeauftragte der EKHN kennen.

„Ein Leben ohne Literatur und Musik kann ich mir nicht vorstellen“ (Eva Lind)

Lind: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Das ist mein täglich Brot und ich möchte das nicht missen. Ich lebe das auch in meinem Privatleben, also ohne Literatur und Musik könnte ich mir kein Leben vorstellen.

Weinrich: Ich bin ja nicht so nah dran an der Musik wie du. Aber mit Menschen wie dir zu arbeiten, das macht Spaß und überträgt sich auf mich. Es gibt ja vieles im Leben, was einen zu Fragezeichen führt, oder zu schweren Rucksäcken. Aber Kunst, Literatur oder Musik machen vieles leichter. Wenn es sie nicht gebe, würde so vieles fehlen und sich in der Nähe dessen aufzuhalten, ist einfach Klasse.

Lind: Das hast du schön gesagt.

Weinrich: Meine Inspiration, die kommt jeden Tag. Ich habe das große Glück, dass ich jeden Tag irgendwas im Kopf habe und es dann auch machen möchte. Das ist zwar nicht immer das Beste oder Witzigste, aber das fliegt mir einfach zu. Das ist wie ein Geschenk, das ich morgens oder im Laufe des Tages empfange. Das mit Menschen wie dir teilen zu können, das ist das Schönste, was es gibt. Das prägt dann auch, ganz lange und ganz weit.

Lind: Bei mir kommt die Inspiration unter anderem aus der Natur: Ich bin unglaublich gern in den Wäldern, in der Stille, in der Einsamkeit und dann eben auch mal ohne Musik. So habe ich einfach mal Zeit, alles auf mich wirken zu lassen und wieder ganz leer zu werden. Und dann kommen mir immer die Ideen. Wenn ich die dann mit so tollen Menschen wie dir umsetzen kann, dann wächst das weiter und reift und wird zu einer ganz spannenden Sache. Wenn das, was einem so im stillen Kämmerlein oder im stillen Wald eingefallen ist, Wirklichkeit wird.

Weinrich: Das Leerwerden ist eine gute Sache. Also sich leer machen und etwas reinströmen lassen und dann weitergeben. Den Menschen zeigen, dass das Leben wertvoll ist und dass es einen Sinn hat. Das ist etwas ganz Tolles und etwas, das für unser beider Arbeit wesentlich ist.

„Warum bin ich hier? - auf diese Frage habe ich für mich eine Lösung gefunden.“ (Eva Lind)

Lind: Diese ewigen Fragen beschäftigen mich vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen, also nicht permanent, aber bei allem, was ich tue. Ich denke: „Warum mach ich das und wie mach ich das?“ Es ist auch immer eine Frage des „Wie“, bei allem was man tut. Dann stelle ich mir die Frage „Was ist der tiefere Sinn dahinter?“ Ich habe nicht alle Antworten, aber ich denke mit jedem Mal: Wenn ich mir diese Fragen stelle, komme ich vielleicht der ganzen Wahrheit ein kleines Stückchen näher.

Weinrich: Das könnte ich auch so sagen. Genauso.

Lind: Auf die Frage „Warum bin ich hier?“ habe ich für mich eine ganz gute Lösung gefunden. Ich bin auf dieser Erde, um mich weiterzuentwickeln, um an mir zu arbeiten und nicht zu vergessen, wo ich hergekommen bin und wo ich hingehen werde. Und: Ein guter Mensch zu werden. Mit allen moralischen Konsequenzen.

Weinrich: Zumindest kannst du den Versuch unternehmen. Also ich würde sagen: Es geht um das „Dasein“ und das „Dasein für…“. Dabei halte ich auch das Stichwort Freiheit für ganz wichtig: Mir Freiheit zu geben und der oder dem anderen Freiheit zu lassen. So würde ich unseren Auftrag als Menschen, wenn es diesen Auftrag als solchen überhaupt gibt, sehen. „Sei du und lass den anderen auch.“

Lind: Genau. Also es geht nicht um Gleichgültigkeit, sondern um Toleranz.

„Lass dir nicht alles in den Schoß legen und mach dich auf.“ (Wolfgang Weinrich)

Weinrich: Und Gott hat damit angefangen.

Lind: Er hat das alles ins Leben gerufen.

Weinrich: Er hat gesagt: Mensch, jetzt mach mal. Am Samstagabend hat er sich, nachdem er alles gemacht hat, in seine Badewanne gelegt und gesagt: Jetzt geh ich mal warm baden und jetzt seid ihr mal dran.

Lind: Und er schaut sich unser Tun an.

Weinrich: Also eigentlich ist alles erklärt und eigentlich müssen wir es nur noch identifizieren. Wenn wir neugierig sind und bleiben, dann wird uns das auch gelingen können. Wenn der liebe Gott sagt, jetzt mach mal, dann sage ich: Lass dir nicht alles in den Schoß legen und mach dich auf. Das Leben ist eine Herausforderung, aber sie ist da. Nutze sie.

Lind: Es ist auch eine spannende Reise zu sich selbst. Der göttliche Funke ist in uns allen. Und je besser ich mich selbst erkenne, umso mehr kann man auch das Göttliche verstehen. Zumindest ansatzweise. Ich meine, wir schauen eh nur ein ganz klein bisserl über den Tellerrand. Aber was man da sieht, das kann schon sehr spannend sein.

Weinrich: Und dafür braucht es keine große Theorie oder Theologie, sondern vieles ist viel einfacher. Wir machen uns das Leben schwer, wenn ich zum Beispiel an die Glaubensauseinandersetzungen der Religionen denke…

Lind: Gott ist präsenter denn je. Er ist immer präsent, aber wenn uns das nicht bewusst ist, trudeln wir ins Abseits. Schau dich in der Welt um. Wenn du Krieg und Gewalt siehst, dann ist das genau das, was wir beide gesagt haben: Den anderen Freiheiten zu lassen und keine Toleranz zu üben, daran fehlt es leider sehr oft und dann passieren diese Katastrophen. Und viele machen dann Gott dafür verantwortlich. Das ist aber verkehrt, denn sie haben sich abgewandt.

Weinrich: Gott hat es ja auch anders gedacht und gewollt. Gott ist auch traurig, wenn menschengemachte Dinge passieren und wir dies immer wieder zulassen. Indem wir zugucken, uns raushalten und sagen, das geht uns nichts an. Da wird unsere Fehlerhaftigkeit offenbar. Das hat nichts mit Gott zu tun, das sind wir.

„Wir lassen die klassischen Arien in einem neuen Sound erklingen.“ (Eva Lind)

Weinrich: Ich muss mir nur bewusst machen, dass es diese große Freiheit gibt und ich Gott in dieser Freiheit erleben kann. Das ist es ja, worum es in unserem gemeinsam Auftritt gehen wird: Um Gott und um Alltägliches.

Lind: Es wird eine Mischung aus Gelesenem, aus dem wunderbaren Buch von Wolfgang Weinrich (Der liebe Gott kommt nicht voran, Anm. d. Red.) und Musik. Wir haben eine kleine Band am Start, mit Gitarre, Keyboard, Akkordeon und Saxophon und werden zum Teil klassische Arien aufführen und zum Teil auch Popsongs. Es wird also auch eine ganz interessante Mischung, weil die klassischen Arien in einem ganz neuen Sound erklingen werden.

Weinrich: Und der Sound, das wird vor allen Dingen deine Stimme sein.

Lind: Und dazwischen gibt es immer wieder die Lesungen… Es wird eine ganz spannende, außergewöhnliche Sache, trau ich mich jetzt mal zu sagen. Es soll auch nicht das letzte Mal gewesen sein.

Steckbriefe

Name: Eva Lind
Beruf: Opernsängerin
Stationen: 1966 in Innsbruck geboren. Mit 19 Jahren begann Sie ihre Karriere als Opernsängerin als Königin der Nacht in Mozarts „Zauberflöte“ in Wien. Weltweit feiert sie Erfolge als Sopranistin, aber unternimmt auch gerne Ausflüge in die Welt von Pop und Chanson. Nach ihren zahlreichen Konzertreisen auf der ganzen Welt, zieht es sie doch immer wieder nach Wien, in ihre Heimat.
Privates: „Ich bin der weltgrößte Afrikafan und fahre jedes Jahr hin.“
Motto: Jede Entscheidung, die du triffst, ist eine Definition deiner Selbst.

Name: Wolfgang Weinrich
Beruf: Autor, Pfarrer und Kommunikationsbeauftragter der EKHN
Stationen: 1954 geboren. Nach seiner Arbeit als Schulpfarrer und Gemeindepfarrer ist er seit 2000 Referent für Kommunikationsprojekte in der EKHN. Er bringt die Kirche an Orte wie den Hessentag, die Landesgartenschau oder zu großen Feierlichkeiten.
Privates: Verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Motto: Die Sache Jesus braucht Begeisterte.

Das Gespräch moderierte Esther Stosch.

Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/issalina

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