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Bergstraße

Ein Jahr nach der Explosion: Protestanten ohne Kirche

H.SekullaKirchenbrandKirchenbrand

Vor einem Jahr, am 19. März 2015, ist der Innenraum der evangelischen Kirche in Einhausen durch einen Brand nahezu komplett zerstört worden. Auch wenn die Protestanten bis heute ohne ihr Gotteshaus auskommen müssen, haben sie sich dadurch nicht unterkriegen lassen.

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Das Feuer wurde aller Voraussicht nach durch einen Kabelschmorbrand hervorgerufen. Das konnten die Sachverständigen mit letzter Gewissheit nicht klären. Die Ermittlungen wurden inzwischen eingestellt. Die Sanierungsarbeiten laufen derweil auf Hochtouren. Nach dem Stand der Planungen wird die Gemeinde ihre Kirche im Sommer dieses Jahres wieder nutzen können. Die Kosten beziffert der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Michael Wörner, auf rund eine halbe Million Euro. „Damit werden nicht nur die Brandschäden beseitigt. Wir führen auch Reparaturarbeiten durch, die von der Versicherung nicht bezahlt werden.“ Als Beispiel nennt er Brandschutzmaßnahmen für die Decke und die Installation neuer Stahlrohrstützen. Das seien Arbeiten, die ohnehin notwendig geworden wären. Die zerstörte Orgel kann nicht so schnell ersetzt werden. Wenn die Kirche wieder genutzt werden kann, setzt die Gemeinde als Übergangslösung zunächst auf eine elektronische Leihorgel. 

Erste Pfarrstelle - ohne Kirche

Pfarrerin Katrin Hildenbrand, die ihren Dienst am 1. Juni vergangenen Jahres, also über zwei Monate nach dem Brand, antrat, kannte die Kirche nur von einem Kurzbesuch. In Einhausen übernahm die 34-Jährige ihre erste Pfarrstelle überhaupt und stand plötzlich ohne Kirche, aber mit einer gewaltigen Herausforderung  da. Sie versucht, das Beste daraus zu machen: „Natürlich habe ich erstmal geschluckt, als mich die Nachricht erreichte. Aber mein erster Gedanke galt den Menschen.“ Sie fuhr gleich nach dem Brand nach Einhausen und sprach im Sonntagsgottesdienst eine Fürbitte. „Das wurde ihr von der Gemeinde hoch angerechnet“, betont Wörner.

Das Beste aus der Situation machen

Gottesdienste werden seitdem im Gemeindehaus gefeiert. Dort wurde auch das gerettete Kreuz aus der zerstörten Kirche aufgestellt. Für viele bringt das Einschränkungen mit sich. Sie mussten umziehen und konnten wie etwa der Orff'sche Musizierkreis nicht in der gewohnten Umgebung proben. „Ich habe den Eindruck, alle gehen sehr pragmatisch, verantwortungsvoll und auch kreativ mit der ungewohnten Situation um“, meint die Pfarrerin. Das Krippenspiel an Heiligabend wurde zum Beispiel in den Stall verlegt und der Familiengottesdienst  im Hof von Ortslandwirt Winfried Knaup gefeiert. Diese „Notlösung“ fand große Resonanz. Pfarrerin Hildenbrand äußert sich nicht nur wegen der winterlichen Temperaturen zurückhaltend, ob auch in diesem Jahr bei „Ochs und Esel“ gefeiert wird. „Ich kann mir durchaus vorstellen, Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten zu feiern. Doch wenn man etwas vor gleicher Kulisse immer wiederholt, verliert es schnell seinen Reiz.“

Gemeindeversammlung zum Stand der Sanierung

Was den Kirchenvorstandsvorsitzenden Wörner nach dem verheerenden Brand am meisten beeindruckte, ist der Zusammenhalt  in der Gemeinde und die vielfältige Unterstützung von außen. „Die Kommune hat unseren Gemeindegruppen sofort Ersatzräume im Bürgerhaus angeboten. Auch die katholische Gemeinde in Einhausen sowie die evangelischen Nachbargemeinden waren sehr hilfsbereit und übten praktische Solidarität.“ So wurde etwa die Konfirmation im vergangenen Jahr in der Schwanheimer Kirche gefeiert. In diesem Jahr hatte Pfarrerin Hildenbrand die Konfis und ihre Eltern gefragt, ob sie erneut nach Schwanheim ausweichen wollen. Die einhellige Antwort: Wir wollen dort Konfirmation feiern, wo auch der Konfirmandenunterricht stattfand – im Einhäuser Gemeindehaus.

Bis die Kirche wieder zur Verfügung steht, muss sich die Gemeinde noch auf weitere Einschränkungen einstellen. So kann zum Beispiel das traditionelle Osterfrühstück nicht im Gemeindehaus stattfinden. Es findet jetzt in reduzierter Form im Foyer des Gemeindehauses statt. Im Anschluss an den Gottesdienst am 24. April, der um 10 Uhr im Gemeindehaus beginnt, wird der Kirchenvorstand in einer Gemeindeversammlung über den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten informieren. Kirchenvorstandsvorsitzender Wörner gibt sich optimistisch: „Unsere Kirche wird schöner, als sie vor dem Brand war.“

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98, 1

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_jjaakk

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