Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

Kirche, Bildung und soziale Gerechtigkeit

Eine politisch wache Kirche

Thomas Slepmann/pixelio.deEntscheidende Minuten in der Wahlkabine

Wiesbadener Kirchen befragten Landtagskandidaten zur Hessenwahl – am 12.9. sind im Roncalli-Saal die Bundestagskandidaten dran.

Mit einem lebendigen Diskussionsforum haben die großen Kirchen in Wiesbaden am 5. September politische Positionen der Wiesbadener Kandidaten zur Hessischen Landtagswahl befragt. Moderator Ralf Euler (FAZ) hatte zu Beginn im Haus an der Marktkirche gefragt, aus welchem Antrieb die zur Wahl Stehenden Politik betrieben, oder ob sie es aus christlichem Anspruch heraus betrieben.

Haltung der Politiker zur Kirche

Ernst-Ewald Roth sagte: In einem säkularen Staat brauche es eine politisch wache Kirche. „Demokratie ist eine Lebenshaltung, dafür lohnt es sich zu streiten“, erklärte der SPD-Politiker. Reinhard Rzytki (FDP), der Florian Rentsch vertrat, meinte, Religion habe ihn seit seiner Kindheit als Messdiener geprägt und er halte trotz seiner Abwendung von der Kirche sie für einen wesentlichen Aspekt des Wertesystems. Als früherer Schulleiter der Elly-Heuss-Schule in der Landeshauptstadt habe er genau auf die Abdeckung des Religionsunterrichts (RU) im Stundenplan geachtet. Eine konfessionelle Vermischung des RU habe er stets zu vermeiden gesucht. Selbst der Vertreter der Die Linke mit Hans-Joachim Kühn, gestand zu, Kirche und Staat könne man in seinen Aufgaben nicht trennen. Auch der Sozialismus sei etwas Christliches. Sibel Güler (Bündnis 90/Die Grünen) musste sich krankheitshalber von Andreas Rompel vertreten lassen. Der Bundestagskandidat seiner Partei  bezeichnete Religion als eine Basis des Gemeinwesens. Astrid Wallmann, seit 2008 für die CDU im Landtag, bejahte die gesellschaftliche Prägekraft der Kirchen. Im politischen Alltag wolle sie integer sein.

Raum für Diskussionen

Sie verwahrte sich gegen die Sicht, Politik sei ein zweifelhaftes Geschäft. Das bundesweit als streitbar bekannte hessische Landesparlament sehe sie als ein „Spiegel der Gesellschaft“. Schon zu Beginn hatte Dekan Dr. Martin Mencke die Teilnehmer in seiner Begrüßung gesagt, die Politiktreibenden würden an diesem Abend ernst genommen, denn die Kirchen wollten Raum geben für den politischen Prozess vor der Wahl. Die hohe Kunst der Moderation liege nicht zuletzt deshalb in Händen eines Landtagskorrespondenten.

Situation im Bildungsbereich

Professionell und zielgenau zeigte sich Euler im Fortgang der Politikexpertenrunde, die er später für das Publikum öffnete. Bei Fragen nach der Schulpolitik und Einstellung von zusätzlichen Lehrkräften ließ er sich nicht von unterschiedlichen Zahlenangaben beirren und hakte mehrfach nach. Am Ende blieb die unwidersprochene Einsicht unter den Kontrahenten, dass es bereits eine Lehrerversorgung von 105 Prozent in Hessen gebe und 1000 oder gar 1400 neue Pädagogen bei einer angestrebten Schuldenbremse nicht zu finanzieren seien.

Schere zwischen Arm und Reich

Das Gespräch wendete der Journalist noch einmal zu einer sozialen Frage der  Kirchen. Geht die Schere zwischen Arm und Reich weiter auf? Da sprach Hans-Joachim Kühn (Die Linke) dann von Altersarmut und Mindestlohn von 10.50 Euro sowie von einem achtprozentigen Anstieg bei den Millionären in Deutschland. Ein Mann aus dem Publikum rief dazwischen: „Hier sitzen Leute, die schon ausgesorgt haben.“  Den Einwurf wiesen aber alle deutlich von sich, und Euler bestätigte, die fragliche Schere bewege sich im wirtschaftsstarken Hessen nur minimal.

Plädoyer für den Sonntagsschutz

Einig zeigten sich die Diskutanten bei einer Publikumsfrage: Wie stärkt man das ehrenamtliche Engagement? Hilft eine Aufnahme in die Landesverfassung? In jedem Fall werde die Gesellschaft dadurch zusammengehalten. Auch den Sonntagsschutz – von Sozialpfarrer Dr. Christian Fischer nachgefragt – wollte keine oder keine aushebeln. „Religion ist Unterbrechung – der Sonntag ist für den Menschen da“, bekannte sich Sozialdemokrat Roth, der vor seinem politischen Leben Wiesbadener katholischer Stadtdekan gewesen war.

Koalitionspläne

Aufschlussreich für die Zuhörer war Eulers Abschlussfrage nach der Koalitionswilligkeit: FDP-Mann Rzytki schließt Gemeinsames mit der Linken und der SPD aus und setzt ganz auf Schwarz-Gelb. Frau Wallmann bekannte sich klar zum selben Farbmuster. Der Grüne Rompel will kein Farbenspiel ausschließen. Kühn blickt deutlich auf die SPD. Für Überraschung sorgte wohl doch Roth: Die Linke will er zwar aus dem Landtag halten. Alle Parteien strebten eine absolute Mehrheit an, er verneine aber eine Große Koalition nicht, - auch nicht das Zusammengehen der SPD mit der Linken.

Eine weitere Diskussion der Kirchen: Donnerstag, 12. September, 19.00 Uhr im Roncalli-Saal, Friedrichstraße 26-28. Der Chefredakteur des Wiesbadener Kurier, Stefan Schröder, stellt Fragen an Andreas Rompel - Bündnis 90 /Die Grünen, Dr. Kristina Schröder – CDU, Manuela Schon – Die Linke und Simon Rottloff – SPD.

Es geht darum, die Menschen zu werden,
die wir in Gottes Augen sind.
Und es geht darum, das zu leben,
was wir in Gottes Augen sind!

(Volker Jung)

Volker Jung

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Quelle: gettyimages, stockam

Zurück zur Webseite >

to top