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Ehrenamt

Früher katholischer Messdiener, heute evangelischer Präses

Bildquelle: Peter BongardVolker SiefertVolker Siefert freut sich auf seine Aufgaben als evangelischer Präses des Dekanats Westerwald

Musizieren ist für Volker Siefert wie Kreuzworträtsel lösen. Er selbst bezeichnet sich als nüchterner Kopfmensch. Aus der katholischen Kirche ist er ausgetreten, um nun in der evangelischen Kirche durchzustarten.

Der Mann ist ein Senkrechtstarter: Gerade einmal ein Jahr ist es her, dass Volker Siefert evangelisch wurde. Und heute bekleidet der 52-Jährige das wichtigste Ehrenamt des flächenmäßig zweitgrößten Dekanats der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: Der Hachenburger ist der neue Präses des Dekanats Westerwald, zu dem rund 54000 Evangelische gehören. Nun wartet viel Arbeit auf Volker Siefert. Doch als Musiker und Lehrer hat er gelernt, neue Herausforderungen systematisch anzupacken.

Verbindung zur evangelischen Kirche über die Musik

Als Sohn des bekannten Wäller Kapellmeisters Walter Siefert erhält Volker Siefert eine profunde Ausbildung an den Tasten und wird mit 13 Jahren Organist in der Kirchengemeinde Altstadt. Das ist die erste Begegnung des damals noch katholischen Volkers mit der evangelischen Kirche. Die Beziehung hält bis heute. Auch, als er in Köln Musik studiert und sein Konzertexamen „aus Versehen mit Auszeichnung“ besteht, wie er sagt. Ihm scheint das fast peinlich zu sein. „Ich habe nie besonders viel geübt. Und ich bin nicht gerade gefühlsbetont. Dafür habe ich bei Auftritten aber auch keinerlei Lampenfieber.“ 

Vermitteln zwischen Menschen

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass er trotz seiner beachtlichen Virtuosität am Instrument die Musik nicht als glühende Leidenschaft, sondern eher als eine Art angenehmen Zeitvertreib erlebt. „Für mich ist sie eher wie ein unterhaltsamer Denksport. Wie ein Kreuzworträtsel, das ich auf dem Sofa löse“, sagt er. 

Nüchterner Typ mit 13 Buchstaben: Volker Siefert. Ihm ist das Rationale wichtig. So tickt er, das kann er gut. Während seiner Zeit als Lehrer am Altenkirchener Westerwald-Gymnasium hat er das strukturierte Arbeiten im Takt gelernt, und mit dieser Taktik will er auch an die neue Aufgabe gehen. „Mein Vorgänger Bernhard Nothdurft hat mir während der Amtsübergabe berichtet, dass die vergangenen Jahre im Dekanat von vielen Verwaltungsangelegenheiten geprägt waren. Ich sehe mich ebenfalls als Verwalter. Aber ich möchte auch wissen, wie die Menschen, mit denen ich jetzt zusammenarbeite, gestrickt sind. Ich glaube, ich kann gut vermitteln.“ 

Übertritt in die evangelische Kirche

Verwalten und vermitteln. Unter diesen Vorzeichen soll seine Arbeit stehen, hofft Siefert. Dass Kirche und Glaube freilich mehr als eine reine Kopfsache ist, weiß er. Aber das leidenschaftlich Spirituelle überlässt er anderen. „Natürlich hat mich auch mein persönlicher Glaube motiviert, das Amt anzutreten. Ich war Messdiener, wurde gefirmt, bin seit Sommer Mitglied im Kirchenvorstand der Evangelischen Kirchengemeinde Altstadt, das ganze Programm.“ Aber warum ist er von der katholische in die evangelische Kirche gewechselt: „In den letzten Jahren, vor allem aber in den letzten Wochen hätte ich ein zunehmendes Problem damit, mich auf katholischer Seite als Amtsträger zu engagieren. Aber das war nicht der eigentliche Grund für den Übertritt, wenn ich mich jetzt auch in der evangelische Kirche deutlich wohler fühle“, sagt Seifert. 

In den Glauben fallen lassen

Durch seine Frühpensionierung 2018 habe er die Zeit und das Bedürfnis, sich in anderen Bereichen nützlich zu machen. Da kam ihm die Kirchenvorstandsarbeit in „seiner“ Gemeinde gerade recht, „aber die wollten natürlich keinen Katholen.“ Also rein praktische Gründe? Er sei kein tiefgläubiger Mensch: „Ich habe oft versucht, mich einfach fallen zu lassen, ohne den Glauben zu hinterfragen.“ 

Als logisch denkender Mensch fällt ihm das schwer. Doch das ist in Ordnung für ihn: „Ich bin nicht der absolute Vorzeige-Christ“, sagt er und lächelt. „Das Theologische und das Entwickeln einer Vision für das Dekanat können andere besser – zum Beispiel der Dekan.“

Herzensanliegen: Kinder- und Jugendarbeit sowie Musik

Am Ende spricht er dann aber doch noch über diejenigen Dinge, die ihn bewegen: die Kinder- und Jugendarbeit und – natürlich! – die Kirchenmusik. „Während der Pandemie haben auch viele Ensembles und Chöre gelitten. Wenn Corona vorüber ist, sollte man diesen Gruppen wieder helfen – sowohl dem großen Ensemble als auch der kleinen Kirchenband. Denn moderne Kirchenmusik muss im Dekanat ebenso ihren Platz haben wie traditionelle.“ 

Und als ehemaliger Lehrer weiß Volker Siefert, wie wichtig die Arbeit mit jungen Menschen ist: „Ich habe im Schulbetrieb oft erlebt, wie wir Erwachsene die Jugendlichen prägen. Besonders bei den außerschulischen Aktivitäten wie Chorfreizeiten und Ausflügen blieb immer viel hängen. Diese positiven Erfahrungen begleiten die Jungen und Mädchen ein Leben lang. Für uns als Kirche sind solche Momente eine große Chance.“ 

Mit Volker Siefert tun sich auch für die Kirche im Westerwald Chancen auf. Der neue Präses kann die kirchlichen Veränderungen der nächsten Jahre mit kühlem Kopf moderieren und gestalten. Und er hat eine Fähigkeit, die sowohl für Musiker als auch für Verwalter wichtig ist: Er hört gut zu.

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evangelisch-katholisch

[Peter Bongard, Stefanie Bock, ESZ]

Tu, was zu tun kannst.
Und dann ist gut, denn mehr geht nicht.
Alles weitere kann ich in die Hände Gottes legen
und darauf vertrauen, dass er es wohl gut mit mir meint.
(Carsten Tag zu Prediger 9,10)

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